ERSTER TEIL · Walpurgisnachtstraum Faust — vollständige Ausgabe · Capítulo 25 de 33
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ERSTER TEIL · Walpurgisnachtstraum

ERSTER TEIL · Walpurgisnachtstraum

oder

Oberons und Titanias goldne Hochzeit

Intermezzo

THEATERMEISTER.

Heute ruhen wir einmal,

Miedings wackre Söhne.

Alter Berg und feuchtes Tal,

Das ist die ganze Szene!

HEROLD.

Daß die Hochzeit golden sei,

Solln funfzig Jahr sein vorüber;

Aber ist der Streit vorbei,

Das golden ist mir lieber.

OBERON.

Seid ihr Geister, wo ich bin,

So zeigt’s in diesen Stunden;

König und die Königin,

Sie sind aufs neu verbunden.

PUCK.

Kommt der Puck und dreht sich quer

Und schleift den Fuß im Reihen;

Hundert kommen hinterher,

Sich auch mit ihm zu freuen.

ARIEL.

Ariel bewegt den Sang

In himmlisch reinen Tönen;

Viele Fratzen lockt sein Klang,

Doch lockt er auch die Schönen.

OBERON.

Gatten, die sich vertragen wollen,

Lernen’s von uns beiden!

Wenn sich zweie lieben sollen,

Braucht man sie nur zu scheiden.

TITANIA.

Schmollt der Mann und grillt die Frau,

So faßt sie nur behende,

Führt mir nach dem Mittag sie,

Und ihn an Nordens Ende.

ORCHESTER TUTTI (Fortissimo).

Fliegenschnauz und Mückennas

Mit ihren Anverwandten,

Frosch im Laub und Grill im Gras,

Das sind die Musikanten!

SOLO.

Seht, da kommt der Dudelsack!

Es ist die Seifenblase.

Hört den Schneckeschnickeschnack

Durch seine stumpfe Nase

GEIST, DER SICH ERST BILDET.

Spinnenfuß und Krötenbauch

Und Flügelchen dem Wichtchen!

Zwar ein Tierchen gibt es nicht,

Doch gibt es ein Gedichtchen.

EIN PÄRCHEN.

Kleiner Schritt und hoher Sprung

Durch Honigtau und Düfte

Zwar du trippelst mir genung,

Doch geht’s nicht in die Lüfte.

NEUGIERIGER REISENDER.

Ist das nicht Maskeradenspott?

Soll ich den Augen trauen,

Oberon, den schönen Gott,

Auch heute hier zu schauen?

ORTHODOX.

Keine Klauen, keinen Schwanz!

Doch bleibt es außer Zweifel.

So wie die Götter Griechenlands,

So ist auch er ein Teufel.

NORDISCHER KÜNSTLER.

Was ich ergreife, das ist heut

Fürwahr nur skizzenweise;

Doch ich bereite mich beizeit

Zur italien’schen Reise.

PURIST.

Ach! mein Unglück führt mich her.

Wie wird nicht hier geludert!

Und von dem ganzen Hexenheer

Sind zweie nur gepudert.

JUNGE HEXE

Der Puder ist so wie der Rock

Für alt’ und graue Weibchen,

Drum sitz ich nackt auf meinem Bock

Und zeig ein derbes Leibchen.

MATRONE.

Wir haben zu viel Lebensart

Um hier mit euch zu maulen!

Doch hoff ich, sollt ihr jung und zart

So wie ihr seid, verfaulen.

KAPELLMEISTER.

Fliegenschnauz und Mückennas

Umschwärmt mir nicht die Nackte!

Frosch im Laub und Grill im Gras,

So bleibt doch auch im Takte!

WINDFAHNE (nach der einen Seite).

Gesellschaft, wie man wünschen kann.

Wahrhaftig lauter Bräute!

Und Junggesellen, Mann für Mann,

Die hoffnungsvollsten Leute!

WINDFAHNE (nach der andern Seite).

Und tut sich nicht der Boden auf,

Sie alle zu verschlingen,

So will ich mit behendem Lauf

Gleich in die Hölle springen.

XENIEN.

Als Insekten sind wir da,

Mit kleinen scharfen Scheren,

Satan, unsern Herrn Papa,

Nach Würden zu verehren.

HENNINGS.

Seht, wie sie in gedrängter Schar

Naiv zusammen scherzen!

Am Ende sagen sie noch gar,

Sie hätten gute Herzen.

MUSAGET.

Ich mag in diesem Hexenheer

Mich gar zu gern verlieren;

Denn freilich diese wüßt ich eh’r

Als Musen anzuführen.

CI-DEVANT GENIUS DER ZEIT.

Mit rechten Leuten wird man was.

Komm, fasse meinen Zipfel!

Der Blocksberg, wie der deutsche Parnaß,

Hat gar einen breiten Gipfel.

NEUGIERIGER REISENDER.

Sagt, wie heißt der steife Mann?

Er geht mit stolzen Schritten.

Er schnopert, was er schnopern kann.

“Er spürt nach Jesuiten.”

KRANICH.

In dem klaren mag ich gern

Und auch im trüben fischen;

Darum seht ihr den frommen Herrn

Sich auch mit Teufeln mischen.

WELTKIND.

Ja, für die Frommen, glaubet mir,

Ist alles ein Vehikel,

Sie bilden auf dem Blocksberg hier

Gar manches Konventikel.

TÄNZER.

Da kommt ja wohl ein neues Chor?

Ich höre ferne Trommeln.

“Nur ungestört! es sind im Rohr

Die unisonen Dommeln.”

TANZMEISTER.

Wie jeder doch die Beine lupft!

Sich, wie er kann, herauszieht!

Der Krumme springt, der Plumpe hupft

Und fragt nicht, wie es aussieht.

FIEDLER.

Das haßt sich schwer, das Lumpenpack,

Und gäb sich gern das Restchen;

Es eint sie hier der Dudelsack,

Wie Orpheus’ Leier die Bestjen.

DOGMATIKER.

Ich lasse mich nicht irre schrein,

Nicht durch Kritik noch Zweifel.

Der Teufel muß doch etwas sein;

Wie gäb’s denn sonst auch Teufel?

IDEALIST.

Die Phantasie in meinem Sinn

Ist diesmal gar zu herrisch.

Fürwahr, wenn ich das alles bin,

So bin ich heute närrisch.

REALIST.

Das Wesen ist mir recht zur Qual

Und muß mich baß verdrießen;

Ich stehe hier zum erstenmal

Nicht fest auf meinen Füßen.

SUPERNATURALIST.

Mit viel Vergnügen bin ich da

Und freue mich mit diesen;

Denn von den Teufeln kann ich ja

Auf gute Geister schließen.

SKEPTIKER.

Sie gehn den Flämmchen auf der Spur

Und glaubn sich nah dem Schatze.

Auf Teufel reimt der Zweifel nur;

Da bin ich recht am Platze.

KAPELLMEISTER.

Frosch im Laub und Grill im Gras,

Verfluchte Dilettanten!

Fliegenschnauz und Mückennas,

Ihr seid doch Musikanten!

DIE GEWANDTEN.

Sanssouci, so heißt das Heer

Von lustigen Geschöpfen;

Auf den Füßen geht’s nicht mehr,

Drum gehn wir auf den Köpfen.

DIE UNBEHILFLICHEN.

Sonst haben wir manchen Bissen erschranzt,

Nun aber Gott befohlen!

Unsere Schuhe sind durchgetanzt,

Wir laufen auf nackten Sohlen.

IRRLICHTER.

Von dem Sumpfe kommen wir,

Woraus wir erst entstanden;

Doch sind wir gleich im Reihen hier

Die glänzenden Galanten.

STERNSCHNUPPE.

Aus der Höhe schoß ich her

Im Stern- und Feuerscheine,

Liege nun im Grase quer;

Wer hilft mir auf die Beine?

DIE MASSIVEN.

Platz und Platz! und ringsherum!

So gehn die Gräschen nieder.

Geister kommen, Geister auch,

Sie haben plumpe Glieder.

PUCK.

Tretet nicht so mastig auf

Wie Elefantenkälber,

Und der plumpst’ an diesem Tag

Sei Puck, der derbe, selber.

ARIEL.

Gab die liebende Natur,

Gab der Geist euch Flügel,

Folget meiner leichten Spur,

Auf zum Rosenhügel!

ORCHESTER (Pianissimo).

Wolkenzug und Nebelflor

Erhellen sich von oben.

Luft im Laub und Wind im Rohr,

Und alles ist zerstoben.

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