ERSTER TEIL · Trüber Tag. Feld Faust — vollständige Ausgabe · Capítulo 26 de 33
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ERSTER TEIL · Trüber Tag. Feld

ERSTER TEIL · Trüber Tag. Feld

Faust. Mephistopheles.

FAUST.

Im Elend! Verzweifelnd! Erbärmlich auf der Erde lange verirrt und nun

gefangen! Als Missetäterin Im Kerker zu entsetzlichen Qualen

eingesperrt, das holde unselige Geschöpf! Bis dahin!

dahin!—Verräterischer, nichtswürdiger Geist, und das hast du mir

verheimlicht!—Steh nur, steh! wälze die teuflischen Augen ingrimmend im

Kopf herum! Steh und trutze mir durch deine unerträgliche Gegenwart!

Gefangen! Im unwiederbringlichen Elend! Bösen Geistern übergeben und

der richtenden gefühllosen Menschheit! Und mich wiegst du indes in

abgeschmackten Zerstreuungen, verbirgst mir ihren wachsenden Jammer und

lässest sie hilflos verderben!

MEPHISTOPHELES.

Sie ist die erste nicht.

FAUST.

Hund! abscheuliches Untier!—Wandle ihn, du unendlicher Geist! wandle

den Wurm wieder in seine Hundsgestalt, wie er sich oft nächtlicherweile

gefiel, vor mir herzutrotten, dem harmlosen Wandrer vor die Füße zu

kollern und sich dem niederstürzenden auf die Schultern zu hängen.

Wandl’ ihn wieder in seine Lieblingsbildung, daß er vor mir im Sand auf

dem Bauch krieche, ich ihn mit Füßen trete, den Verworfnen!—“Die erste

nicht!”—Jammer! Jammer! von keiner Menschenseele zu fassen, daß mehr

als ein Geschöpf in die Tiefe dieses Elendes versank, daß nicht das

erste genugtat für die Schuld aller übrigen in seiner windenden

Todesnot vor den Augen des ewig Verzeihenden! Mir wühlt es Mark und

Leben durch, das Elend dieser einzigen; du grinsest gelassen über das

Schicksal von Tausenden hin!

MEPHISTOPHELES.

Nun sind wir schon wieder an der Grenze unsres Witzes, da, wo euch

Menschen der Sinn überschnappt. Warum machst du Gemeinschaft mit uns

wenn du sie nicht durchführen kannst? Willst fliegen und bist vorm

Schwindel nicht sicher? Drangen wir uns dir auf, oder du dich uns?

FAUST.

Fletsche deine gefräßigen Zähne mir nicht so entgegen! Mir

ekelt’s!—Großer, herrlicher Geist, der du mir zu erscheinen würdigtest,

der du mein Herz kennest und meine Seele, warum an den Schandgesellen

mich schmieden, der sich am Schaden weidet und am Verderben sich letzt?

MEPHISTOPHELES.

Endigst du?

FAUST.

Rette sie! oder weh dir! Den gräßlichsten Fluch über dich auf

Jahrtausende!

MEPHISTOPHELES.

Ich kann die Bande des Rächers nicht lösen, seine Riegel nicht

öffnen.—“Rette sie!”—Wer war’s, der sie ins Verderben stürzte? Ich oder

du?

(Faust blickt wild umher.)

Greifst du nach dem Donner? Wohl, daß er euch elenden Sterblichen nicht

gegeben ward! Den unschuldig Entgegnenden zu zerschmettern, das ist so

Tyrannenart, sich in Verlegenheiten Luft zu machen.

FAUST.

Bringe mich hin! Sie soll frei sein!

MEPHISTOPHELES.

Und die Gefahr, der du dich aussetzest? Wisse, noch liegt auf der Stadt

Blutschuld von deiner Hand. Über des Erschlagenen Stätte schweben

rächende Geister und lauern auf den wiederkehrenden Mörder.

FAUST.

Noch das von dir? Mord und Tod einer Welt über dich Ungeheuer! Führe

mich hin, sag ich, und befrei sie.

MEPHISTOPHELES.

Ich führe dich, und was ich tun kann, höre! Habe ich alle Macht im

Himmel und auf Erden? Des Türners Sinne will ich umnebeln, bemächtige

dich der Schlüssel und führe sie heraus mit Menschenhand! Ich wache,

die Zauberpferde sind bereit, ich entführe euch. Das vermag ich.

FAUST.

Auf und davon!

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