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Also Sprach Zarathustra

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Also Sprach Zarathustra

Capítulo 14 · Also Sprach Zarathustra

Von der Nächstenliebe

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Von der Nächstenliebe

Ihr drängt euch um den Nächsten und habt schöne Worte dafür. Aber ich
sage euch: eure Nächstenliebe ist eure schlechte Liebe zu euch selber.

Ihr flüchtet zum Nächsten vor euch selber und möchtet euch daraus eine
Tugend machen: aber ich durchschaue euer „Selbstloses“.

Das Du ist älter als das Ich; das Du ist heilig gesprochen, aber noch
nicht das Ich: so drängt sich der Mensch hin zum Nächsten.

Rathe ich euch zur Nächstenliebe? Lieber noch rathe ich euch zur
Nächsten-Flucht und zur Fernsten-Liebe!

Höher als die Liebe zum Nächsten ist die Liebe zum Fernsten und
Künftigen; höher noch als die Liebe zu Menschen ist die Liebe zu Sachen
und Gespenstern.

Diess Gespenst, das vor dir herläuft, mein Bruder, ist schöner als du;
warum giebst du ihm nicht dein Fleisch und deine Knochen? Aber du
fürchtest dich und läufst zu deinem Nächsten.

Ihr haltet es mit euch selber nicht aus und liebt euch nicht genug: nun
wollt ihr den Nächsten zur Liebe verführen und euch mit seinem Irrthum
vergolden.

Ich wollte, ihr hieltet es nicht aus mit allerlei Nächsten und deren
Nachbarn; so müsstet ihr aus euch selber euren Freund und sein
überwallendes Herz schaffen.

Ihr ladet euch einen Zeugen ein, wenn ihr von euch gut reden wollt; und
wenn ihr ihn verführt habt, gut von euch zu denken, denkt ihr selber
gut von euch.

Nicht nur Der lügt, welcher wider sein Wissen redet, sondern erst recht
Der, welcher wider sein Nichtwissen redet. Und so redet ihr von euch im
Verkehre und belügt mit euch den Nachbar.

Also spricht der Narr: „der Umgang mit Menschen verdirbt den Charakter,
sonderlich wenn man keinen hat.“

Der Eine geht zum Nächsten, weil er sich sucht, und der Andre, weil er
sich verlieren möchte. Eure schlechte Liebe zu euch selber macht euch
aus der Einsamkeit ein Gefängniss.

Die Ferneren sind es, welche eure Liebe zum Nächsten bezahlen; und
schon wenn ihr zu fünfen mit einander seid, muss immer ein sechster
sterben.

Ich liebe auch eure Feste nicht: zu viel Schauspieler fand ich dabei,
und auch die Zuschauer gebärdeten sich oft gleich Schauspielern.

Nicht den Nächsten lehre ich euch, sondern den Freund. Der Freund sei
euch das Fest der Erde und ein Vorgefühl des Übermenschen.

Ich lehre euch den Freund und sein übervolles Herz. Aber man muss
verstehn, ein Schwamm zu sein, wenn man von übervollen Herzen geliebt
sein will.

Ich lehre euch den Freund, in dem die Welt fertig dasteht, eine Schale
des Guten,—den schaffenden Freund, der immer eine fertige Welt zu
verschenken hat.

Und wie ihm die Welt auseinander rollte, so rollt sie ihm wieder in
Ringen zusammen, als das Werden des Guten durch das Böse, als das
Werden der Zwecke aus dem Zufalle.

Die Zukunft und das Fernste sei dir die Ursache deines Heute: in deinem
Freunde sollst du den Übermenschen als deine Ursache lieben.

Meine Brüder, zur Nächstenliebe rathe ich euch nicht: ich rathe euch
zur Fernsten-Liebe.

Also sprach Zarathustra.

Vom Wege des Schaffenden

Willst du, mein Bruder, in die Vereinsamung gehen? Willst du den Weg zu
dir selber suchen? Zaudere noch ein Wenig und höre mich.

„Wer sucht, der geht leicht selber verloren. Alle Vereinsamung ist
Schuld“: also spricht die Heerde. Und du gehörtest lange zur Heerde.

Die Stimme der Heerde wird auch in dir noch tönen. Und wenn du sagen
wirst „ich habe nicht mehr Ein Gewissen mit euch“, so wird es eine
Klage und ein Schmerz sein.

Siehe, diesen Schmerz selber gebar noch das Eine Gewissen: und dieses
Gewissens letzter Schimmer glüht noch auf deiner Trübsal.

Aber du willst den Weg deiner Trübsal gehen, welches ist der Weg zu dir
selber? So zeige mir dein Recht und deine Kraft dazu!

Bist du eine neue Kraft und ein neues Recht? Eine erste Bewegung? Ein
aus sich rollendes Rad? Kannst du auch Sterne zwingen, dass sie um dich
sich drehen?

Ach, es giebt so viel Lüsternheit nach Höhe! Es giebt so viel Krämpfe
der Ehrgeizigen! Zeige mir, dass du keiner der Lüsternen und
Ehrgeizigen bist!

Ach, es giebt so viel grosse Gedanken, die thun nicht mehr als ein
Blasebalg: sie blasen auf und machen leerer.

Frei nennst du dich? Deinen herrschenden Gedanken will ich hören und
nicht, dass du einem Joche entronnen bist.

Bist du ein Solcher, der einem Joche entrinnen _durfte_? Es giebt
Manchen, der seinen letzten Werth wegwarf, als er seine Dienstbarkeit
wegwarf.

Frei wovon? Was schiert das Zarathustra! Hell aber soll mir dein Auge
künden: frei _wozu_?

Kannst du dir selber dein Böses und dein Gutes geben und deinen Willen
über dich aufhängen wie ein Gesetz? Kannst du dir selber Richter sein
und Rächer deines Gesetzes?

Furchtbar ist das Alleinsein mit dem Richter und Rächer des eignen
Gesetzes. Also wird ein Stern hinausgeworfen in den öden Raum und in
den eisigen Athem des Alleinseins.

Heute noch leidest du an den Vielen, du Einer: heute noch hast du
deinen Muth ganz und deine Hoffnungen.

Aber einst wird dich die Einsamkeit müde machen, einst wird dein Stolz
sich krümmen und dein Muth knirschen. Schreien wirst du einst „ich bin
allein!“

Einst wirst du dein Hohes nicht mehr sehn und dein Niedriges allzunahe;
dein Erhabnes selbst wird dich fürchten machen wie ein Gespenst.
Schreien wirst du einst: „Alles ist falsch!“

Es giebt Gefühle, die den Einsamen tödten wollen; gelingt es ihnen
nicht, nun, so müssen sie selber sterben! Aber vermagst du das, Mörder
zu sein?

Kennst du, mein Bruder, schon das Wort „Verachtung“? Und die Qual
deiner Gerechtigkeit, Solchen gerecht zu sein, die dich verachten?

Du zwingst Viele, über dich umzulernen; das rechnen sie dir hart an. Du
kamst ihnen nahe und giengst doch vorüber: das verzeihen sie dir
niemals.

Du gehst über sie hinaus: aber je höher du steigst, um so kleiner sieht
dich das Auge des Neides. Am meisten aber wird der Fliegende gehasst.

„Wie wolltet ihr gegen mich gerecht sein!—musst du sprechen—ich erwähle
mir eure Ungerechtigkeit als den mir zugemessnen Theil.“

Ungerechtigkeit und Schmutz werfen sie nach dem Einsamen: aber, mein
Bruder, wenn du ein Stern sein willst, so musst du ihnen desshalb nicht
weniger leuchten!

Und hüte dich vor den Guten und Gerechten! Sie kreuzigen gerne Die,
welche sich ihre eigne Tugend erfinden,—sie hassen den Einsamen.

Hüte dich auch vor der heiligen Einfalt! Alles ist ihr unheilig, was
nicht einfältig ist; sie spielt auch gerne mit dem Feuer—der
Scheiterhaufen.

Und hüte dich auch vor den Anfällen deiner Liebe! Zu schnell streckt
der Einsame Dem die Hand entgegen, der ihm begegnet.

Manchem Menschen darfst du nicht die Hand geben, sondern nur die Tatze:
und ich will, dass deine Tatze auch Krallen habe.

Aber der schlimmste Feind, dem du begegnen kannst, wirst du immer dir
selber sein; du selber lauerst dir auf in Höhlen und Wäldern.

Einsamer, du gehst den Weg zu dir selber! Und an dir selber fuhrt dein
Weg vorbei und an deinen sieben Teufeln!

Ketzer wirst du dir selber sein und Hexe und Wahrsager und Narr und
Zweifler und Unheiliger und Bösewicht.

Verbrennen musst du dich wollen in deiner eignen Flamme: wie wolltest
du neu werden, wenn du nicht erst Asche geworden bist!

Einsamer, du gehst den Weg des Schaffenden: einen Gott willst du dir
schaffen aus deinen sieben Teufeln!

Einsamer, du gehst den Weg des Liebenden: dich selbst liebst du und
desshalb verachtest du dich, wie nur Liebende verachten.

Schaffen will der Liebende, weil er verachtet! Was weiss Der von Liebe,
der nicht gerade verachten musste, was er liebte!

Mit deiner Liebe gehe in deine Vereinsamung und mit deinem Schaffen,
mein Bruder; und spät erst wird die Gerechtigkeit dir nachhinken.

Mit meinen Thränen gehe in deine Vereinsamung, mein Bruder. Ich liebe
Den, der über sich selber hinaus schaffen will und so zu Grunde geht.—

Also sprach Zarathustra.

Also Sprach Zarathustra

Sinopse

Texto original em DE preservado no Literunico para leitura comparada com a edição/tradução da Copa Literunico. Fonte-base: https://www.gutenberg.org/files/7205/7205-0.txt

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