Universo da obra
Universo da obra
Nur noch die Vögel sind über ihm. Und wenn der Mensch noch fliegen
lernte, wehe! _wohinauf_—würde seine Raublust fliegen!
So will ich Mann und Weib: kriegstüchtig den Einen, gebärtüchtig das
Andre, beide aber tanztüchtig mit Kopf und Beinen.
Und verloren sei uns der Tag, wo nicht Ein Mal getanzt wurde! Und
falsch heisse uns jede Wahrheit, bei der es nicht Ein Gelächter gab!
Euer Eheschliessen: seht zu, dass es nicht ein schlechtes _Schliessen_
sei! Ihr schlosset zu schnell: so _folgt_ daraus—Ehebrechen!
Und besser noch Ehebrechen als Ehe-biegen, Ehelügen!—So sprach mir ein
Weib: „wohl brach ich die Ehe, aber zuerst brach die Ehe—mich!“
Schlimm-Gepaarte fand ich immer als die schlimmsten Rachsüchtigen: sie
lassen es aller Welt entgelten, dass sie nicht mehr einzeln laufen.
Desswillen will ich, dass Redliche zu einander reden: „wir lieben uns:
lasst uns _zusehn_, dass wir uns lieb behalten! Oder soll unser
Versprechen ein Versehen sein?“
—„Gebt uns eine Frist und kleine Ehe, dass wir zusehn, ob wir zur
grossen Ehe taugen! Es ist ein grosses Ding, immer zu Zwein sein!“
Also rathe ich allen Redlichen; und was wäre denn meine Liebe zum
Übermenschen und zu Allem, was kommen soll, wenn ich anders riethe und
redete!
Nicht nur fort euch zu pflanzen, sondern _hinauf_—dazu, oh meine
Brüder, helfe euch der Garten der Ehe!
Wer über alte Ursprünge weise wurde, siehe, der wird zuletzt nach
Quellen der Zukunft suchen und nach neuen Ursprüngen.—
Oh meine Brüder, es ist nicht über lange, da werden _neue Völker_
entspringen und neue Quellen hinab in neue Tiefen rauschen.
Das Erdbeben nämlich—das verschüttet viel Brunnen, das schafft viel
Verschmachten: das hebt auch innre Kräfte und Heimlichkeiten an’s
Licht.
Das Erdbeben macht neue Quellen offenbar. Im Erdbeben alter Völker
brechen neue Quellen aus.
Und wer da ruft: „Siehe hier ein Brunnen für viele Durstige, Ein Herz
für viele Sehnsüchtige, Ein Wille für viele Werkzeuge“ :—um den sammelt
sich ein _Volk_, das ist: viel Versuchende.
Wer befehlen kann, wer gehorchen muss—Das wird da versucht! Ach, mit
welch langem Suchen und Rathen und Missrathen und Lernen und
Neu-Versuchen!
Die Menschen-Gesellschaft: die ist ein Versuch, so lehre ich’s,—ein
langes Suchen: sie sucht aber den Befehlenden!—
—ein Versuch, oh meine Brüder! Und _kein_ „Vertrag“! Zerbrecht,
zerbrecht mir solch Wort der Weich-Herzen und Halb- und Halben!
Oh meine Brüder! Bei Welchen liegt doch die grösste Gefahr aller
Menschen-Zukunft? Ist es nicht bei den Guten und Gerechten?—
—als bei Denen, die sprechen und im Herzen fühlen: „wir wissen schon,
was gut ist und gerecht, wir haben es auch; wehe Denen, die hier noch
suchen!“—
Und was für Schaden auch die Bösen thun mögen: der Schaden der Guten
ist der schädlichste Schaden!
Und was für Schaden auch die Welt-Verleumder thun mögen: der Schaden
der Guten ist der schädlichste Schaden.
Oh meine Brüder, den Guten und Gerechten sah Einer einmal in’s Herz,
der da sprach: „es sind die Pharisäer.“ Aber man verstand ihn nicht.
Die Guten und Gerechten selber durften ihn nicht verstehen: ihr Geist
ist eingefangen in ihr gutes Gewissen. Die Dummheit der Guten ist
unergründlich klug.
Das aber ist die Wahrheit: die Guten _müssen_ Pharisäer sein,—sie haben
keine Wahl!
Die Guten _müssen_ Den kreuzigen, der sich seine eigne Tugend erfindet!
Das _ist_ die Wahrheit!
Der Zweite aber, der ihr Land entdeckte, Land, Herz und Erdreich der
Guten und Gerechten: das war, der da fragte: „wen hassen sie am
meisten?“
Den _Schaffenden_ hassen sie am meisten: den, der Tafeln bricht und
alte Werthe, den Brecher—den heissen sie Verbrecher.
Die Guten nämlich—die _können_ nicht schaffen: die sind immer der
Anfang vom Ende:-
—sie kreuzigen Den, der neue Werthe auf neue Tafeln schreibt, sie
opfern _sich_ die Zukunft,—sie kreuzigen alle Menschen-Zukunft!
Die Guten—die waren immer der Anfang vom Ende.—
Oh meine Brüder, verstandet ihr auch diess Wort? Und was ich einst
sagte vom „letzten Menschen“ ?—
Bei Welchen liegt die grösste Gefahr aller Menschen-Zukunft? Ist es
nicht bei den Guten und Gerechten?
Zerbrecht, zerbrecht mir die Guten und Gerechten!—Oh meine Brüder,
verstandet ihr auch diess Wort?
Ihr flieht von mir? Ihr seid erschreckt? Ihr zittert vor diesem Worte?
Oh meine Brüder, als ich euch die Guten zerbrechen hiess und die Tafeln
der Guten: da erst schiffte ich den Menschen ein auf seine hohe See.
Und nun erst kommt ihm der grosse Schrecken, das grosse Um-sich-sehn,
die grosse Krankheit, der grosse Ekel, die grosse See-Krankheit.
Falsche Küsten und falsche Sicherheiten lehrten euch die Guten; in
Lügen der Guten wart ihr geboren und geborgen. Alles ist in den Grund
hinein verlogen und verbogen durch die Guten.
Aber wer das Land „Mensch“ entdeckte, entdeckte auch das Land
„Menschen-Zukunft“. Nun sollt ihr mir Seefahrer sein, wackere,
geduldsame!
Aufrecht geht mir bei Zeiten, oh meine Brüder, lernt aufrecht gehn! Das
Meer stürmt: Viele wollen an euch sich wieder aufrichten.
Das Meer stürmt: Alles ist im Meere. Wohlan! Wohlauf! Ihr alten
Seemanns-Herzen!
Was Vaterland! _Dorthin_ will unser Steuer, wo unser _Kinder-Land_ ist!
Dorthinaus, stürmischer als das Meer, stürmt unsre grosse Sehnsucht!—
„Warum so hart!—sprach zum Diamanten einst die Küchen-Kohle; sind wir
denn nicht Nah-Verwandte?“—
Warum so weich? Oh meine Brüder, also frage _ich_ euch: seid ihr denn
nicht—meine Brüder?
Warum so weich, so weichend und nachgebend? Warum ist so viel Leugnung,
Verleugnung in eurem Herzen? So wenig Schicksal in eurem Blicke?
Und wollt ihr nicht Schicksale sein und Unerbittliche: wie könntet ihr
mit mir —siegen?
Und wenn eure Härte nicht blitzen und scheiden und zerschneiden will:
wie könntet ihr einst mit mir—schaffen?
Die Schaffenden nämlich sind hart. Und Seligkeit muss es euch dünken,
eure Hand auf Jahrtausende zu drücken wie auf Wachs,—
—Seligkeit, auf dem Willen von Jahrtausenden zu schreiben wie auf
Erz,—härter als Erz, edler als Erz. Ganz hart ist allein das Edelste.
Diese neue Tafel, oh meine Brüder, stelle ich über euch: werdet hart!—
Oh du mein Wille! Du Wende aller Noth du _meine_ Nothwendigkeit!
Bewahre mich vor allen kleinen Siegen!
Du Schickung meiner Seele, die ich Schicksal heisse! Du-In-mir!
Über-mir! Bewahre und spare mich auf zu Einem grossen Schicksale!
Und deine letzte Grösse, mein Wille, spare dir für dein Letztes
auf,—dass du unerbittlich bist _in_ deinem Siege! Ach, wer unterlag
nicht seinem Siege!
Ach, wessen Auge dunkelte nicht in dieser trunkenen Dämmerung! Ach,
wessen Fuss taumelte nicht und verlernte im Siege—stehen!—
—Dass ich einst bereit und reif sei im grossen Mittage: bereit und reif
gleich glühendem Erze, blitzschwangrer Wolke und schwellendem
Milch-Euter:—
—bereit zu mir selber und zu meinem verborgensten Willen: ein Bogen
brünstig nach seinem Pfeile, ein Pfeil brünstig nach seinem Sterne:—
—ein Stern bereit und reif in seinem Mittage, glühend, durchbohrt,
selig vor vernichtenden Sonnen-Pfeilen:—
—eine Sonne selber und ein unerbittlicher Sonnen-Wille, zum Vernichten
bereit im Siegen!
Oh Wille, Wende aller Noth, du _meine_ Nothwendigkeit! Spare mich auf
zu Einem grossen Siege!—
Also sprach Zarathustra.
Der Genesende
Eines Morgens, nicht lange nach seiner Rückkehr zur Höhle, sprang
Zarathustra von seinem Lager auf wie ein Toller, schrie mit furchtbarer
Stimme und gebärdete sich, als ob noch Einer auf dem Lager läge, der
nicht davon aufstehn wolle; und also tönte Zarathustra’s Stimme, dass
seine Thiere erschreckt hinzukamen, und dass aus allen Höhlen und
Schlupfwinkeln, die Zarathustra’s Höhle benachbart waren, alles Gethier
davon huschte,—fliegend, flatternd, kriechend, springend, wie ihm nur
die Art von Fuss und Flügel gegeben war. Zarathustra aber redete diese
Worte:
Herauf, abgründlicher Gedanke, aus meiner Tiefe! Ich bin dein Hahn und
Morgen-Grauen, verschlafener Wurm: auf! auf! Meine Stimme soll dich
schon wach krähen!
Knüpfe die Fessel deiner Ohren los: horche! Denn ich will dich hören!
Auf! Auf! Hier ist Donners genug, dass auch Gräber horchen lernen!
Und wische den Schlaf und alles Blöde, Blinde aus deinen Augen! Höre
mich auch mit deinen Augen: meine Stimme ist ein Heilmittel noch für
Blindgeborne.
Und bist du erst wach, sollst du mir ewig wach bleiben. Nicht ist das
_meine_ Art, Urgrossmütter aus dem Schlafe wecken, dass ich sie
heisse—weiterschlafen!
Du regst dich, dehnst dich, röchelst? Auf! Auf! Nicht röcheln—reden
sollst du mir! Zarathustra ruft dich, der Gottlose!
Ich, Zarathustra, der Fürsprecher des Lebens, der Fürsprecher des
Leidens, der Fürsprecher des Kreises—dich rufe ich, meinen
abgründlichsten Gedanken!
Heil mir! Du kommst—ich höre dich! Mein Abgrund _redet_, meine letzte
Tiefe habe ich an’s Licht gestülpt!
Heil mir! Heran! Gieb die Hand—ha! lass! Haha!—Ekel, Ekel, Ekel—wehe
mir!
Kaum aber hatte Zarathustra diese Worte gesprochen, da stürzte er
nieder gleich einem Todten und blieb lange wie ein Todter. Als er aber
wieder zu sich kam, da war er bleich und zitterte und blieb liegen und
wollte lange nicht essen noch trinken. Solches Wesen dauerte an ihm
sieben Tage; seine Thiere verliessen ihn aber nicht bei Tag und Nacht,
es sei denn, dass der Adler ausflog, Speise zu holen. Und was er holte
und zusammenraubte, das legte er auf Zarathustra’s Lager: also dass
Zarathustra endlich unter gelben und rothen Beeren, Trauben,
Rosenäpfeln, wohlriechendem Krautwerke und Pinien-Zapfen lag. Zu seinen
Füssen aber waren zwei Lämmer gebreitet, welche der Adler mit Mühe
ihren Hirten abgeraubt hatte.
Endlich, nach sieben Tagen, richtete sich Zarathustra auf seinem Lager
auf, nahm einen Rosenapfel in die Hand, roch daran und fand seinen
Geruch lieblich. Da glaubten seine Thiere, die Zeit sei gekommen, mit
ihm zu reden.
„Oh Zarathustra, sagten sie, nun liegst du schon sieben Tage so, mit
schweren Augen: willst du dich nicht endlich wieder auf deine Füsse
stellen?
Tritt hinaus aus deiner Höhle: die Welt wartet dein wie ein Garten. Der
Wind spielt mit schweren Wohlgerüchen, die zu dir wollen; und alle
Bäche möchten dir nachlaufen.
Alle Dinge sehnen sich nach dir, dieweil du sieben Tage allein
bliebst,—tritt hinaus aus deiner Höhle! Alle Dinge wollen deine Ärzte
sein!
Kam wohl eine neue Erkenntniss zu dir, eine saure, schwere? Gleich
angesäuertem Teige lagst du, deine Seele gieng auf und schwoll über
alle ihre Ränder.—„
—Oh meine Thiere, antwortete Zarathustra, schwätzt also weiter und
lasst mich zuhören! Es erquickt mich so, dass ihr schwätzt: wo
geschwätzt wird, da liegt mir schon die Welt wie ein Garten.
Wie lieblich ist es, dass Worte und Töne da sind: sind nicht Worte und
Töne Regenbogen und Schein-Brücken zwischen Ewig-Geschiedenem?
Zu jeder Seele gehört eine andre Welt; für jede Seele ist jede andre
Seele eine Hinterwelt.
Zwischen dem Ähnlichsten gerade lügt der Schein am schönsten; denn die
kleinste Kluft ist am schwersten zu überbrücken.
Für mich—wie gäbe es ein Ausser-mir? Es giebt kein Aussen! Aber das
vergessen wir bei allen Tönen; wie lieblich ist es, dass wir vergessen!
Sind nicht den Dingen Namen und Töne geschenkt, dass der Mensch sich an
den Dingen erquicke? Es ist eine schöne Narrethei, das Sprechen: damit
tanzt der Mensch über alle Dinge.
Wie lieblich ist alles Reden und alle Lüge der Töne! Mit Tönen tanzt
unsre Liebe auf bunten Regenbögen.—
—„Oh Zarathustra, sagten darauf die Thiere, Solchen, die denken wie
wir, tanzen alle Dinge selber: das kommt und reicht sich die Hand und
lacht und flieht—und kommt zurück.
Alles geht, Alles kommt zurück; ewig rollt das Rad des Seins. Alles
stirbt, Alles blüht wieder auf, ewig läuft das Jahr des Seins.
Alles bricht, Alles wird neu gefügt; ewig baut sich das gleiche Haus
des Seins. Alles scheidet, Alles grüsst sich wieder; ewig bleibt sich
treu der Ring des Seins.
In jedem Nu beginnt das Sein; um jedes Hier rollt sich die Kugel Dort.
Die Mitte ist überall. Krumm ist der Pfad der Ewigkeit.“—
—Oh ihr Schalks-Narren und Drehorgeln! antwortete Zarathustra und
lächelte wieder, wie gut wisst ihr, was sich in sieben Tagen erfüllen
musste:—
—und wie jenes Unthier mir in den Schlund kroch und mich würgte! Aber
ich biss ihm den Kopf ab und spie ihn weg von mir.
Und ihr,—ihr machtet schon ein Leier-Lied daraus? Nun aber liege ich
da, müde noch von diesem Beissen und Wegspein, krank noch von der
eigenen Erlösung.
Und ihr schautet dem Allen zu? Oh meine Thiere, seid auch ihr grausam?
Habt ihr meinem grossen Schmerze zuschaun wollen, wie Menschen thun?
Der Mensch nämlich ist das grausamste Thier.
Bei Trauerspielen, Stierkämpfen und Kreuzigungen ist es ihm bisher am
wohlsten geworden auf Erden; und als er sich die Hölle erfand, siehe,
da war das sein Himmel auf Erden.
Wenn der grosse Mensch schreit—: flugs läuft der kleine hinzu; und die
Zunge hängt ihm aus dem Halse vor Lüsternheit. Er aber heisst es sein
„Mitleiden.“
Der kleine Mensch, sonderlich der Dichter—wie eifrig klagt er das Leben
in Worten an! Hört hin, aber überhört mir die Lust nicht, die in allem
Anklagen ist!
Solche Ankläger des Lebens: die überwindet das Leben mit einem
Augenblinzeln. „Du liebst mich? sagt die Freche; warte noch ein Wenig,
noch habe ich für dich nicht Zeit.“
Der Mensch ist gegen sich selber das grausamste Thier; und bei Allem,
was sich „Sünder“ und „Kreuzträger“ und „Büsser“ heisst, überhört mir
die Wollust nicht, die in diesem Klagen und Anklagen ist!
Und ich selber—will ich damit des Menschen Ankläger sein? Ach, meine
Thiere, Das allein lernte ich bisher, dass dem Menschen sein Bösestes
nöthig ist zu seinem Besten,—
—dass alles Böseste seine beste _Kraft_ ist und der härteste Stein dem
höchsten Schaffenden; und dass der Mensch besser _und_ böser werden
muss: -
Nicht an _diess_ Marterholz war ich geheftet, dass ich weiss: der
Mensch ist böse,—sondern ich schrie, wie noch Niemand geschrien hat:
„Ach dass sein Bösestes so gar klein ist! Ach dass sein Bestes so gar
klein ist!“
Der grosse Überdruss am Menschen—_der_ würgte mich und war mir in den
Schlund gekrochen: und was der Wahrsager wahrsagte: „Alles ist gleich,
es lohnt sich Nichts, Wissen würgt.“
Eine lange Dämmerung hinkte vor mir her, eine todesmüde, todestrunkene
Traurigkeit, welche mit gähnendem Munde redete.
„Ewig kehrt er wieder, der Mensch, dess du müde bist, der kleine
Mensch“—so gähnte meine Traurigkeit und schleppte den Fuss und konnte
nicht einschlafen.
Zur Höhle wandelte sich mir die Menschen-Erde, ihre Brust sank hinein,
alles Lebendige ward mir Menschen-Moder und Knochen und morsche
Vergangenheit.
Mein Seufzen sass auf allen Menschen-Gräbern und konnte nicht mehr
aufstehn; mein Seufzen und Fragen unkte und würgte und nagte und klagte
bei Tag und Nacht:
—„ach, der Mensch kehrt ewig wieder! Der kleine Mensch kehrt ewig
wieder!“—
Nackt hatte ich einst Beide gesehn, den grössten Menschen und den
kleinsten Menschen: allzuähnlich einander,—allzumenschlich auch den
Grössten noch!
Allzuklein der Grösste!—Das war mein Überdruss am Menschen! Und ewige
Wiederkunft auch des Kleinsten!—Das war mein Überdruss an allem Dasein!
Ach, Ekel! Ekel! Ekel!—- Also sprach Zarathustra und seufzte und
schauderte; denn er erinnerte sich seiner Krankheit. Da liessen ihn
aber seine Thiere nicht weiter reden.
„Sprich nicht weiter, du Genesender!—so antworteten ihm seine Thiere,
sondern geh hinaus, wo die Welt auf dich wartet gleich einem Garten.
Geh hinaus zu den Rosen und Bienen und Taubenschwärmen! Sonderlich aber
zu den Singe-Vögeln: dass du ihnen das _Singen_ ablernst!
Singen nämlich ist für Genesende; der Gesunde mag reden. Und wenn auch
der Gesunde Lieder will, will er andre Lieder doch als der Genesende.“
—„Oh ihr Schalks-Narren und Drehorgeln, so schweigt doch!—antwortete
Zarathustra und lächelte über seine Thiere. Wie gut ihr wisst, welchen
Trost ich mir selber in sieben Tagen erfand!
Dass ich wieder singen müsse,—_den_ Trost erfand ich mir und _diese_
Genesung: wollt ihr auch daraus gleich wieder ein Leier-Lied machen?“
—„Sprich nicht weiter, antworteten ihm abermals seine Thiere; lieber
noch, du Genesender, mache dir erst eine Leier zurecht, eine neue
Leier!
Denn siehe doch, oh Zarathustra! Zu deinen neuen Liedern bedarf es
neuer Leiern.
Singe und brause über, oh Zarathustra, heile mit neuen Liedern deine
Seele: dass du dein grosses Schicksal tragest, das noch keines Menschen
Schicksal war!
Denn deine Thiere wissen es wohl, oh Zarathustra, wer du bist und
werden musst: siehe, du bist der Lehrer der ewigen Wiederkunft—, das
ist nun _dein_ Schicksal!
Dass du als der Erste diese Lehre lehren musst,—wie sollte diess grosse
Schicksal nicht auch deine grösste Gefahr und Krankheit sein!
Siehe, wir wissen, was du lehrst: dass alle Dinge ewig wiederkehren und
wir selber mit, und dass wir schon ewige Male dagewesen sind, und alle
Dinge mit uns.
Du lehrst, dass es ein grosses Jahr des Werdens giebt, ein Ungeheuer
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