Leia agora
Also Sprach Zarathustra

Universo da obra

Also Sprach Zarathustra

Capítulo 56 · Also Sprach Zarathustra

von trunkenem Mitternachts-Sterbeglücke, welches singt: die Welt ist

56 de 57 ≈ 7 min de leitura

von trunkenem Mitternachts-Sterbeglücke, welches singt: die Welt ist tief und tiefer als der Tag gedacht!

7.

Lass mich! Lass mich! Ich bin zu rein für dich. Rühre mich nicht an!
Ward meine Welt nicht eben vollkommen?

Meine Haut ist zu rein für deine Hände. Lass mich, du dummer tölpischer
dumpfer Tag! Ist die Mitternacht nicht heller?

Die Reinsten sollen der Erde Herrn sein, die Unerkanntesten, Stärksten,
die Mitternachts-Seelen, die heller und tiefer sind als jeder Tag.

Oh Tag, du tappst nach mir? Du tastest nach meinem Glücke? Ich bin dir
reich, einsam, eine Schatzgrube, eine Goldkammer?

Oh Welt, du willst _mich_? Bin ich dir weltlich? Bin ich dir geistlich?
Bin ich dir göttlich? Aber Tag und Welt, ihr seid zu plump,—

—habt klügere Hände, greift nach tieferem Glücke, nach tieferem
Unglücke, greift nach irgend einem Gotte, greift nicht nach mir:

—mein Unglück, mein Glück ist tief, du wunderlicher Tag, aber doch bin
ich kein Gott, keine Gottes-Hölle: tief ist ihr Weh.

8.

Gottes Weh ist tiefer, du wunderliche Welt! Greife nach Gottes Weh,
nicht nach mir! Was bin ich! Eine trunkene süsse Leier,—

eine Mitternachts-Leier, eine Glocken-Unke, die Niemand versteht, aber
welche reden _muss_, vor Tauben, ihr höheren Menschen! Denn ihr
versteht mich nicht!

Dahin! Dahin! Oh Jugend! Oh Mittag! Oh Nachmittag! Nun kam Abend und
Nacht und Mitternacht,—der Hund heult, der Wind:

—ist der Wind nicht ein Hund? Er winselt, er kläfft, er heult. Ach!
Ach! wie sie seufzt! wie sie lacht, wie sie röchelt und keucht, die
Mitternacht!

Wie sie eben nüchtern spricht, diese trunkene Dichterin! sie übertrat
wohl ihre Trunkenheit? sie wurde überwach? sie käut zurück?

—ihr Weh käut sie zurück, im Traume, die alte tiefe Mitternacht, und
mehr noch ihre Lust. Lust nämlich, wenn schon Weh tief ist: Lust ist
tiefer noch als Herzeleid.

8.

Du Weinstock! Was preisest du mich? Ich schnitt dich doch! Ich bin
grausam, du blutest—: was will dein Lob meiner trunkenen Grausamkeit?

„Was vollkommen ward, alles Reife—will sterben!“ so redest du.
Gesegnet, gesegnet sei das Winzermesser! Aber alles Unreife will leben:
wehe!

Weh spricht: „Vergeh! Weg, du Wehe!“ Aber Alles, was leidet, will
leben, dass es reif werde und lustig und sehnsüchtig,

—sehnsüchtig nach Fernerem, Höherem, Hellerem. „Ich will Erben, so
spricht Alles, was leidet, ich will Kinder, ich will nicht _mich_,“—

Lust aber will nicht Erben, nicht Kinder,—Lust will sich selber, will
Ewigkeit, will Wiederkunft, will Alles-sich-ewig-gleich.

Weh spricht: „Brich, blute, Herz! Wandle, Bein! Flügel, flieg! Hinan!
Hinauf! Schmerz!“ Wohlan! Wohlauf! Oh mein altes Herz: Weh spricht:
„vergeh!“

10.

Ihr höheren Menschen, was dünket euch? Bin ich ein Wahrsager? Ein
Träumender? Trunkener? Ein Traumdeuter? Eine Mitternachts-Glocke?

Ein Tropfen Thau’s? Ein Dunst und Duft der Ewigkeit? Hört ihr’s nicht?
Riecht ihr’s nicht? Eben ward meine Welt vollkommen, Mitternacht ist
auch Mittag,—

Schmerz ist auch eine Lust, Fluch ist auch ein Segen, Nacht ist auch
eine Sonne,—geht davon oder ihr lernt: ein Weiser ist auch ein Narr.

Sagtet ihr jemals ja zu Einer Lust? Oh, meine Freunde, so sagtet ihr Ja
auch zu _allem_ Wehe. Alle Dinge sind verkettet, verfädelt, verliebt,—

—wolltet ihr jemals Ein Mal Zwei Mal, spracht ihr jemals „du gefällst
mir, Glück! Husch! Augenblick!“ so wolltet ihr _Alles_ zurück!

—Alles von neuem, Alles ewig, Alles verkettet, verfädelt, verliebt, oh
so _liebtet_ ihr die Welt,—

—ihr Ewigen, liebt sie ewig und allezeit: und auch zum Weh sprecht ihr:
vergeh, aber komm zurück! Denn alle Lust will—Ewigkeit!

11.

Alle Lust will aller Dinge Ewigkeit, will Honig, will Hefe, will
trunkene Mitternacht, will Gräber, will Gräber-Thränen-Trost, will
vergüldetes Abendroth -

—_was_ will nicht Lust! sie ist durstiger, herzlicher, hungriger,
schrecklicher, heimlicher als alles Weh, sie will _sich_, sie beisst in
_sich_, des Ringes Wille ringt in ihr,—

—sie will Liebe, sie will Hass, sie ist überreich, schenkt, wirft weg,
bettelt, dass Einer sie nimmt, dankt dem Nehmenden, sie möchte gern
gehasst sein,—

—so reich ist Lust, dass sie nach Wehe durstet, nach Hölle, nach Hass,
nach Schmach, nach dem Krüppel, nach _Welt_,—denn diese Welt, oh ihr
kennt sie ja!

Ihr höheren Menschen, nach euch sehnt sie sich, die Lust, die
unbändige, selige,—nach eurem Weh, ihr Missrathenen! Nach Missrathenem
sehnt sich alle ewige Lust.

Denn alle Lust will sich selber, drum will sie auch Herzeleid! Oh
Glück, oh Schmerz! Oh brich, Herz! Ihr höheren Menschen, lernt es doch,
Lust will Ewigkeit,

—Lust will _aller_ Dinge Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit!

12.

Lerntet ihr nun mein Lied? Erriethet ihr, was es will? Wohlan! Wohlauf!
Ihr höheren Menschen, so singt mir nun meinen Rundgesang!

Singt mir nun selber das Lied, dess Name ist „Noch ein Mal“, dess Sinn
ist „in alle Ewigkeit!“, singt, ihr höheren Menschen, Zarathustra’s
Rundgesang!

Oh Mensch! Gieb Acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
„Ich schlief, ich schlief—,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht:—
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh—,
Lust—tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit
will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

Das Zeichen

Des Morgens aber nach dieser Nacht sprang Zarathustra von seinem Lager
auf, gürtete sich die Lenden und kam heraus aus seiner Höhle, glühend
und stark, wie eine Morgensonne, die aus dunklen Bergen kommt.

„Du grosses Gestirn, sprach er, wie er einstmal gesprochen hatte, du
tiefes Glücks-Auge, was wäre all dein Glück, wenn du nicht _Die_
hättest, welchen du leuchtest!

Und wenn sie in ihren Kammern blieben, während du schon wach bist und
kommst und schenkst und austheilst: wie würde darob deine stolze Scham
zürnen!

Wohlan! sie schlafen noch, diese höheren Menschen, während _ich_ wach
bin: _das_ sind nicht meine rechten Gefährten! Nicht auf sie warte ich
hier in meinen Bergen.

Zu meinem Werke will ich, zu meinem Tage: aber sie verstehen nicht, was
die Zeichen meines Morgens sind, mein Schritt—ist für sie kein Weckruf.

Sie schlafen noch in meiner Höhle, ihr Traum käut noch an meinen
Mitternächten. Das Ohr, das nach _mir_ horcht,—das _gehorchende_ Ohr
fehlt in ihren Gliedern.“

—Diess hatte Zarathustra zu seinem Herzen gesprochen, als die Sonne
aufgieng: da blickte er fragend in die Höhe, denn er hörte über sich
den scharfen Ruf seines Adlers. „Wohlan! rief er hinauf, so gefällt und
gebührt es mir. Meine Thiere sind wach, denn ich bin wach.

Mein Adler ist wach und ehrt gleich mir die Sonne. Mit Adlers-Klauen
greift er nach dem neuen Lichte. Ihr seid meine rechten Thiere; ich
liebe euch.

Aber noch fehlen mir meine rechten Menschen!“—

Also sprach Zarathustra; da aber geschah es, dass er sich plötzlich wie

Also Sprach Zarathustra

Sinopse

Texto original em DE preservado no Literunico para leitura comparada com a edição/tradução da Copa Literunico. Fonte-base: https://www.gutenberg.org/files/7205/7205-0.txt

Also Sprach Zarathustra

Resenhas do livro

0 publicadas

Ainda não há resenhas para esta obra. A primeira leitura comentada pode começar aqui.

Ir para o carrinho
Mercado de Also Sprach Zarathustra

Leve um fragmento deste universo

Escolha a arte, confira a disponibilidade e adicione o produto ao carrinho sem sair da experiência.

Nenhum livro físico está disponível neste universo.
Relíquias da Obra

Adquira Relíquias da Obra e deixe sua marca registrada, criando valor ao item!

Aguardando Aprovação do Autor
Aguardando grupo autoral Also Sprach Zarathustra Escolha uma Relíquia e envie uma proposta de aquisição, mesmo antes da ativação.
100Relíquias
0Titulares
0 Passagens
Central de RelíquiasDescubra coleções de outros universos e obras.
ver todas
Capítulo 56 carregado no app · 1 livro conectado 1/1
Abrir leitor completo

Capítulos disponíveis para continuar a leitura.

Capítulos de Also Sprach Zarathustra

Capa de Also Sprach Zarathustra
Continue a leitura von trunkenem Mitternachts-Sterbeglücke, welches singt: die Welt ist Capítulo 56 · 56 de 57 · ≈ 7 min
Todos os capítulos 57 disponíveis

Donos de Relíquias

0 titulares

Nenhuma Relíquia desta obra foi adquirida ainda. Seja o primeiro a eternizar seu nome no acervo oficial!

Conhecer as 100 Relíquias

Resenhas do livro

0 publicadas

Ainda não há resenhas para esta obra. A primeira leitura comentada pode começar aqui.

Entrar para resenhar

Posses do livro

0 Leitores com posse
0 Unidades registradas

Nenhuma posse foi registrada publicamente para esta edição.

Adicionais do Universo

Visual ClássicoAbra a leitura editorial, no estilo de uma página de livro
ler
Visual AuroraApresentação imersiva do universo da obra
abrir