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Also Sprach Zarathustra

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Also Sprach Zarathustra

Capítulo 23 · Also Sprach Zarathustra

Von euch her, meinen liebsten Todten, kommt mir ein süsser Geruch, ein

23 de 57 ≈ 5 min de leitura

Von euch her, meinen liebsten Todten, kommt mir ein süsser Geruch, ein
herz- und thränenlösender. Wahrlich, er erschüttert und löst das Herz
dem einsam Schiffenden.

Immer noch bin ich der Reichste und Bestzubeneidende—ich der Einsamste!
Denn ich _hatte_ euch doch, und ihr habt mich noch: sagt, wem fielen,
wie mir, solche Rosenäpfel vom Baume?

Immer noch bin ich eurer Liebe Erbe und Erdreich, blühend zu eurem
Gedächtnisse von bunten wildwachsenen Tugenden, oh ihr Geliebtesten!

Ach, wir waren gemacht, einander nahe zu bleiben, ihr holden fremden
Wunder; und nicht schüchternen Vögeln gleich kamt ihr zu mir und meiner
Begierde—nein, als Trauende zu dem Trauenden!

Ja, zur Treue gemacht, gleich mir, und zu zärtlichen Ewigkeiten: muss
ich nun euch nach eurer Untreue heissen, ihr göttlichen Blicke und
Augenblicke: keinen andern Namen lernte ich noch.

Wahrlich, zu schnell starbt ihr mir, ihr Flüchtlinge. Doch floht ihr
mich nicht, noch floh ich euch: unschuldig sind wir einander in unsrer
Untreue.

_Mich_ zu tödten, erwürgte man euch, ihr Singvögel meiner Hoffnungen!
Ja, nach euch, ihr Liebsten, schoss immer die Bosheit Pfeile—mein Herz
zu treffen!

Und sie traf! Wart ihr doch stets mein Herzlichstes, mein Besitz und
mein Besessen-sein: _darum_ musstet ihr jung sterben und allzu frühe!

Nach dem Verwundbarsten, das ich besass, schoss man den Pfeil: das
waret ihr, denen die Haut einem Flaume gleich ist und mehr noch dem
Lächeln, das an einem Blick erstirbt!

Aber diess Wort will ich zu meinen Feinden reden: was ist alles
Menschen-Morden gegen Das, was ihr mir thatet!

Böseres thatet ihr mir, als aller Menschen-Mord ist;
Unwiederbringliches nahmt ihr mir:—also rede ich zu euch, meine Feinde!

Mordetet ihr doch meiner Jugend Gesichte und liebste Wunder! Meine
Gespielen nahmt ihr mir, die seligen Geister! Ihrem Gedächtnisse lege
ich diesen Kranz und diesen Fluch nieder.

Diesen Fluch gegen euch, meine Feinde! Machtet ihr doch mein Ewiges
kurz, wie ein Ton zerbricht in kalter Nacht! Kaum als Aufblinken
göttlicher Augen kam es mir nur,—als Augenblick!

Also sprach zur guten Stunde einst meine Reinheit: „göttlich sollen mir
alle Wesen sein.“

Da überfielt ihr mich mit schmutzigen Gespenstern; ach, wohin floh nun
jene gute Stunde!

„Alle Tage sollen mir heilig sein“ —so redete einst die Weisheit meiner
Jugend: wahrlich, einer fröhlichen Weisheit Rede!

Aber da stahlt ihr Feinde mir meine Nächte und verkauftet sie zu
schlafloser Qual: ach, wohin floh nun jene fröhliche Weisheit?

Einst begehrte ich nach glücklichen Vogelzeichen: da führtet ihr mir
ein Eulen-Unthier über den Weg, ein widriges. Ach, wohin floh da meine
zärtliche Begierde?

Allem Ekel gelobte ich einst zu entsagen: da verwandeltet ihr meine
Nahen und Nächsten in Eiterbeulen. Ach, wohin floh da mein edelstes
Gelöbniss?

Als Blinder gieng ich einst selige Wege: da warft ihr Unflath auf den
Weg des Blinden: und nun ekelte ihn des alten Blinden-Fusssteigs.

Und als ich mein Schwerstes that und meiner Überwindungen Sieg feierte:
da machtet ihr Die, welche mich liebten, schrein, ich thue ihnen am
wehesten.

Wahrlich, das war immer euer Thun: ihr vergälltet mir meinen besten
Honig und den Fleiss meiner besten Bienen.

Meiner Mildthätigkeit sandtet ihr immer die frechsten Bettler zu; um
mein Mitleiden drängtet ihr immer die unheilbar Schamlosen. So
verwundetet ihr meine Tugend in ihrem Glauben.

Und legte ich noch mein Heiligstes zum Opfer hin: flugs stellte eure
„Frömmigkeit“ ihre fetteren Gaben dazu: also dass im Dampfe eures
Fettes noch mein Heiligstes erstickte.

Und einst wollte ich tanzen, wie nie ich noch tanzte: über alle Himmel
weg wollte ich tanzen. Da überredetet ihr meinen liebsten Sänger.

Und nun stimmte er eine schaurige dumpfe Weise an; ach, er tutete mir,
wie ein düsteres Horn, zu Ohren!

Mörderischer Sänger, Werkzeug der Bosheit, Unschuldigster! Schon stand
ich bereit zum besten Tanze: da mordetest du mit deinen Tönen meine
Verzückung!

Nur im Tanze weiss ich der höchsten Dinge Gleichniss zu reden:—und nun
blieb mir mein höchstes Gleichniss ungeredet in einen Gliedern!

Ungeredet und unerlöst blieb mir die höchste Hoffnung! Und es starben
mir alle Gesichte und Tröstungen meiner Jugend!

Wie ertrug ich’s nur? Wie verwand und überwand ich solche Wunden? Wie
erstand meine Seele wieder aus diesen Gräbern?

Ja, ein Unverwundbares, Unbegrabbares ist an mir, ein
Felsensprengendes: das heisst _mein Wille_. Schweigsam schreitet es und
unverändert durch die Jahre.

Seinen Gang will er gehn auf meinen Füssen, mein alter Wille;
herzenshart ist ihm der Sinn und unverwundbar.

Unverwundbar bin ich allein an meiner Ferse. Immer noch lebst du da und
bist dir gleich, Geduldigster! Immer noch brachst du dich durch alle
Gräber!

In dir lebt auch noch das Unerlöste meiner Jugend; und als Leben und
Jugend sitzest du hoffend hier auf gelben Grab-Trümmern.

Ja, noch bist du mir aller Gräber Zertrümmerer: Heil dir, mein Wille!
Und nur wo Gräber sind, giebt es Auferstehungen.—

Also sang Zarathustra.—

Also Sprach Zarathustra

Sinopse

Texto original em DE preservado no Literunico para leitura comparada com a edição/tradução da Copa Literunico. Fonte-base: https://www.gutenberg.org/files/7205/7205-0.txt

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