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Also Sprach Zarathustra

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Also Sprach Zarathustra

Capítulo 25 · Also Sprach Zarathustra

Von den Erhabenen

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Von den Erhabenen

Still ist der Grund meines Meeres: wer erriethe wohl, dass er
scherzhafte Ungeheuer birgt!

Unerschütterlich ist meine Tiefe: aber sie glänzt von schwimmenden
Räthseln und Gelächtern.

Einen Erhabenen sah ich heute, einen Feierlichen, einen Büsser des
Geistes: oh wie lachte meine Seele ob seiner Hässlichkeit!

Mit erhobener Brust und Denen gleich, welche den Athem an sich ziehn:
also stand er da, der Erhabene, und schweigsam:

Behängt mit hässlichen Wahrheiten, seiner Jagdbeute, und reich an
zerrissenen Kleidern; auch viele Dornen hiengen an ihm—aber noch sah
ich keine Rose.

Noch lernte er das Lachen nicht und die Schönheit. Finster kam dieser
Jäger zurück aus dem Walde der Erkenntniss.

Vom Kampfe kehrte er heim mit wilden Thieren: aber aus seinem Ernste
blickt auch noch ein wildes Thier—ein unüberwundenes!

Wie ein Tiger steht er immer noch da, der springen will; aber ich mag
diese gespannten Seelen nicht, unhold ist mein Geschmack allen diesen
Zurückgezognen.

Und ihr sagt mir, Freunde, dass nicht zu streiten sei über Geschmack
und Schmecken? Aber alles Leben ist Streit um Geschmack und Schmecken!

Geschmack: das ist Gewicht zugleich und Wagschale und Wägender; und
wehe allem Lebendigen, das ohne Streit um Gewicht und Wagschale und
Wägende leben wollte!

Wenn er seiner Erhabenheit müde würde, dieser Erhabene: dann erst würde
seine Schönheit anheben,—und dann erst will ich ihn schmecken und
schmackhaft finden.

Und erst, wenn er sich von sich selber abwendet, wird er über seinen
eignen Schatten springen—und, wahrlich! hinein in _seine_ Sonne.

Allzulange sass er im Schatten, die Wangen bleichten dem Büsser des
Geistes; fast verhungerte er an seinen Erwartungen.

Verachtung ist noch in seinem Auge; und Ekel birgt sich an seinem
Munde. Zwar ruht er jetzt, aber seine Ruhe hat sich noch nicht in die
Sonne gelegt.

Dem Stiere gleich sollte er thun; und sein Glück sollte nach Erde
riechen und nicht nach Verachtung der Erde.

Als weissen Stier möchte ich ihn sehn, wie er schnaubend und brüllend
der Pflugschar vorangeht: und sein Gebrüll sollte noch alles Irdische
preisen!

Dunkel noch ist sein Antlitz; der Hand Schatten spielt auf ihm.
Verschattet ist noch der Sinn seines Auges.

Seine That selber ist noch der Schatten auf ihm: die Hand verdunkelt
den Handelnden. Noch hat er seine That nicht überwunden.

Wohl liebe ich an ihm den Nacken des Stiers: aber nun will ich auch
noch das Auge des Engels sehn.

Auch seinen Helden-Willen muss er noch verlernen: ein Gehobener soll er
mir sein und nicht nur ein Erhabener:—der Äther selber sollte ihn
heben, den Willenlosen!

Er bezwang Unthiere, er löste Räthsel: aber erlösen sollte er auch noch
seine Unthiere und Räthsel, zu himmlischen Kindern sollte er sie noch
verwandeln.

Noch hat seine Erkenntniss nicht lächeln gelernt und ohne Eifersucht
sein; noch ist seine strömende Leidenschaft nicht stille geworden in
der Schönheit.

Wahrlich, nicht in der Sattheit soll sein Verlangen schweigen und
untertauchen, sondern in der Schönheit! Die Anmuth gehört zur Grossmuth
des Grossgesinnten.

Den Arm über das Haupt gelegt: so sollte der Held ausruhn, so sollte er
auch noch sein Ausruhen überwinden.

Aber gerade dem Helden ist das _Schöne_ aller Dinge Schwerstes.
Unerringbar ist das Schöne allem heftigen Willen.

Ein Wenig mehr, ein Wenig weniger: das gerade ist hier Viel, das ist
hier das Meiste.

Mit lässigen Muskeln stehn und mit abgeschirrtem Willen: das ist das
Schwerste euch Allen, ihr Erhabenen!

Wenn die Macht gnädig wird und herabkommt in’s Sichtbare: Schönheit
heisse ich solches Herabkommen.

Und von Niemandem will ich so als von dir gerade Schönheit, du
Gewaltiger: deine Güte sei deine letzte Selbst- Überwältigung.

Alles Böse traue ich dir zu: darum will ich von dir das Gute.

Wahrlich, ich lachte oft der Schwächlinge, welche sich gut glauben,
weil sie lahme Tatzen haben!

Der Säule Tugend sollst du nachstreben: schöner wird sie immer und
zarter, aber inwendig härter und tragsamer, je mehr sie aufsteigt.

Ja, du Erhabener, einst sollst du noch schön sein und deiner eignen
Schönheit den Spiegel vorhalten.

Dann wird deine Seele vor göttlichen Begierden schaudern; und Anbetung
wird noch in deiner Eitelkeit sein!

Diess nämlich ist das Geheimniss der Seele: erst, wenn sie der Held
verlassen hat, naht ihr, im Traume,—der Über-Held.

Also sprach Zarathustra.

Vom Lande der Bildung

Zu weit hinein flog ich in die Zukunft: ein Grauen überfiel mich.

Und als ich um mich sah, siehe! da war die Zeit mein einziger
Zeitgenosse.

Da floh ich rückwärts, heimwärts—und immer eilender: so kam ich zu
euch, ihr Gegenwärtigen, und in’s Land der Bildung.

Zum ersten Male brachte ich ein Auge mit für euch, und gute Begierde:
wahrlich, mit Sehnsucht im Herzen kam ich.

Aber wie geschah mir? So angst mir auch war,—ich musste lachen! Nie sah
mein Auge etwas so Buntgesprenkeltes!

Ich lachte und lachte, während der Fuss mir noch zitterte und das Herz
dazu: „hier ist ja die Heimat aller Farbentöpfe!“—sagte ich.

Mit fünfzig Klexen bemalt an Gesicht und Gliedern: so sasset ihr da zu
meinem Staunen, ihr Gegenwärtigen!

Und mit fünfzig Spiegeln um euch, die eurem Farbenspiele schmeichelten
und nachredeten!

Wahrlich, ihr könntet gar keine bessere Maske tragen, ihr
Gegenwärtigen, als euer eignes Gesicht ist! Wer könnte euch—_erkennen_!

Vollgeschrieben mit den Zeichen der Vergangenheit, und auch diese
Zeichen überpinselt mit neuen Zeichen: also habt ihr euch gut versteckt
vor allen Zeichendeutern!

Und wenn man auch Nierenprüfer ist: wer glaubt wohl noch, dass ihr
Nieren habt! Aus Farben scheint ihr gebacken und aus geleimten Zetteln.

Alle Zeiten und Völker blicken bunt aus euren Schleiern; alle Sitten
und Glauben reden bunt aus euren Gebärden.

Wer von euch Schleier und Überwürfe und Farben und Gebärden abzöge:
gerade genug würde er übrig behalten, um die Vögel damit zu
erschrecken.

Wahrlich, ich selber bin der erschreckte Vogel, der euch einmal nackt
sah und ohne Farbe; und ich flog davon, als das Gerippe mir Liebe
zuwinkte.

Lieber wollte ich doch noch Tagelöhner sein in der Unterwelt und bei
den Schatten des Ehemals!—feister und voller als ihr sind ja noch die
Unterweltlichen!

Diess, ja diess ist Bitterniss meinen Gedärmen, dass ich euch weder
nackt, noch bekleidet aushalte, ihr Gegenwärtigen!

Alles Unheimliche der Zukunft, und was je verflogenen Vögeln Schauder
machte, ist wahrlich heimlicher noch und traulicher als eure
„Wirklichkeit“.

Denn so sprecht ihr: „Wirkliche sind wir ganz, und ohne Glauben und
Aberglauben“ : also brüstet ihr euch—ach, auch noch ohne Brüste!

Ja, wie solltet ihr glauben _können_, ihr Buntgesprenkelten!—die ihr
Gemälde seid von Allem, was je geglaubt wurde!

Wandelnde Widerlegungen seid ihr des Glaubens selber, und aller
Gedanken Gliederbrechen. _Unglaubwürdige_: also heisse _ich_ euch, ihr
Wirklichen!

Alle Zeiten schwätzen wider einander in euren Geistern; und aller
Zeiten Träume und Geschwätz waren wirklicher noch als euer Wachsein
ist!

Unfruchtbare seid ihr: _darum_ fehlt es euch an Glauben. Aber wer
schaffen musste, der hatte auch immer seine Wahr-Träume und
Stern-Zeichen—und glaubte an Glauben!—

Halboffne Thore seid ihr, an denen Todtengräber warten. Und das ist
_eure_ Wirklichkeit: „Alles ist werth, dass es zu Grunde geht.“

Ach, wie ihr mir dasteht, ihr Unfruchtbaren, wie mager in den Rippen!
Und Mancher von euch hatte wohl dessen selber ein Einsehen.

Und er sprach: „es hat wohl da ein Gott, als ich schlief, mir heimlich
Etwas entwendet? Wahrlich, genug, sich ein Weibchen daraus zu bilden!

Wundersam ist die Armuth meiner Rippen!“ also sprach schon mancher
Gegenwärtige.

Ja, zum Lachen seid ihr mir, ihr Gegenwärtigen! Und sonderlich, wenn
ihr euch über euch selber wundert!

Und wehe mir, wenn ich nicht lachen könnte über eure Verwunderung, und
alles Widrige aus euren Näpfen hinunter trinken müsste!

So aber will ich’s mit euch leichter nehmen, da ich _Schweres_ zu
tragen habe; und was thut’s mir, wenn sich Käfer und Flügelwürmer noch
auf mein Bündel setzen!

Wahrlich, es soll mir darob nicht schwerer werden! Und nicht aus euch,
ihr Gegenwärtigen, soll mir die grosse Müdigkeit kommen.—Ach, wohin
soll ich nun noch steigen mit meiner Sehnsucht! Von allen Bergen schaue
ich aus nach Vater- und Mutterländern.

Aber Heimat fand ich nirgends: unstät bin ich in allen Städten und ein
Aufbruch an allen Thoren.

Fremd sind mir und ein Spott die Gegenwärtigen, zu denen mich jüngst
das Herz trieb; und vertrieben bin ich aus Vater- und Mutterländern.

So liebe ich allein noch meiner _Kinder Land_, das unentdeckte, im
fernsten Meere: nach ihm heisse ich meine Segel suchen und suchen.

An meinen Kindern will ich es gut machen, dass ich meiner Väter Kind
bin: und an aller Zukunft—_diese_ Gegenwart!

Also sprach Zarathustra.

Also Sprach Zarathustra

Sinopse

Texto original em DE preservado no Literunico para leitura comparada com a edição/tradução da Copa Literunico. Fonte-base: https://www.gutenberg.org/files/7205/7205-0.txt

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