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Also Sprach Zarathustra

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Also Sprach Zarathustra

Capítulo 29 · Also Sprach Zarathustra

Von grossen Ereignissen

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Von grossen Ereignissen

Es giebt eine Insel im Meere—unweit den glückseligen Inseln
Zarathustra’s—auf welcher beständig ein Feuerberg raucht; von der sagt
das Volk, und sonderlich sagen es die alten Weibchen aus dem Volke,
dass sie wie ein Felsblock vor das Thor der Unterwelt gestellt sei:
durch den Feuerberg selber aber führe der schmale Weg abwärts, der zu
diesem Thore der Unterwelt geleite.

Um jene Zeit nun, als Zarathustra auf den glückseligen Inseln weilte,
geschah es, dass ein Schiff an der Insel Anker warf, auf welcher der
rauchende Berg steht; und seine Mannschaft gieng an’s Land, um
Kaninchen zu schiessen. Gegen die Stunde des Mittags aber, da der
Capitän und seine Leute wieder beisammen waren, sahen sie plötzlich
durch die Luft einen Mann auf sich zukommen, und eine Stimme sagte
deutlich: „es ist Zeit! Es ist die höchste Zeit!“ Wie die Gestalt ihnen
aber am nächsten war—sie flog aber schnell gleich einem Schatten
vorbei, in der Richtung, wo der Feuerberg lag—da erkannten sie mit
grösster Bestürzung, dass es Zarathustra sei; denn sie hatten ihn Alle
schon gesehn, ausgenommen der Capitän selber, und sie liebten ihn, wie
das Volk liebt: also dass zu gleichen Theilen Liebe und Scheu beisammen
sind.

„Seht mir an! sagte der alte Steuermann, da fährt Zarathustra zur
Hölle!“—

Um die gleiche Zeit, als diese Schiffer an der Feuerinsel landeten,
lief das Gerücht umher, dass Zarathustra verschwunden sei; und als man
seine Freunde fragte, erzählten sie, er sei bei Nacht zu Schiff
gegangen, ohne zu sagen, wohin er reisen wolle.

Also entstand eine Unruhe; nach drei Tagen aber kam zu dieser Unruhe
die Geschichte der Schiffsleute hinzu—und nun sagte alles Volk, dass
der Teufel Zarathustra geholt habe. Seine jünger lachten zwar ob dieses
Geredes; und einer von ihnen sagte sogar: „eher glaube ich noch, dass
Zarathustra sich den Teufel geholt hat.“ Aber im Grunde der Seele waren
sie Alle voll Besorgniss und Sehnsucht: so war ihre Freude gross, als
am fünften Tage Zarathustra unter ihnen erschien.

Und diess ist die Erzählung von Zarathustra’s Gespräch mit dem
Feuerhunde.

Die Erde, sagte er, hat eine Haut; und diese Haut hat Krankheiten. Eine
dieser Krankheiten heisst zum Beispiel: „Mensch.“

Und eine andere dieser Krankheiten heisst „Feuerhund“: über _den_ haben
sich die Menschen Viel vorgelogen und vorlügen lassen.

Diess Geheimniss zu ergründen gieng ich über das Meer: und ich habe die
Wahrheit nackt gesehn, wahrlich! barfuss bis zum Halse.

Was es mit dem Feuerhund auf sich hat, weiss ich nun; und insgleichen
mit all den Auswurf- und Umsturz-Teufeln, vor denen sich nicht nur alte
Weibchen fürchten.

Heraus mit dir, Feuerhund, aus deiner Tiefe! rief ich, und bekenne, wie
tief diese Tiefe ist! Woher ist das, was du da heraufschnaubst?

Du trinkst reichlich am Meere: das verräth deine versalzte
Beredsamkeit! Fürwahr, für einen Hund der Tiefe nimmst du deine Nahrung
zu sehr von der Oberfläche!

Höchstens für den Bauchredner der Erde halt’ ich dich: und immer, wenn
ich Umsturz- und Auswurf-Teufel reden hörte, fand ich sie gleich dir:
gesalzen, lügnerisch und flach.

Ihr versteht zu brüllen und mit Asche zu verdunkeln! Ihr seid die
besten Grossmäuler und lerntet sattsam die Kunst, Schlamm heiss zu
sieden.

Wo ihr seid, da muss stets Schlamm in der Nähe sein, und viel
Schwammichtes, Höhlichtes, Eingezwängtes: das will in die Freiheit.

„Freiheit“ brüllt ihr Alle am liebsten: aber ich verlernte den Glauben
an „grosse Ereignisse,“ sobald viel Gebrüll und Rauch um sie herum ist.

Und glaube mir nur, Freund Höllenlärm! Die grössten Ereignisse—das sind
nicht unsre lautesten, sondern unsre stillsten Stunden.

Nicht um die Erfinder von neuem Lärme: um die Erfinder von neuen
Werthen dreht sich die Welt; _unhörbar_ dreht sie sich.

Und gesteh es nur! Wenig war immer nur geschehn, wenn dein Lärm und
Rauch sich verzog. Was liegt daran, dass eine Stadt zur Mumie wurde,
und eine Bildsäule im Schlamme liegt!

Und diess Wort sage ich noch den Umstürzern von Bildsäulen. Das ist
wohl die grösste Thorheit, Salz in’s Meer und Bildsäulen in den Schlamm
zu werfen.

Im Schlamme eurer Verachtung lag die Bildsäule: aber das ist gerade ihr
Gesetz, dass ihr aus der Verachtung wieder Leben und lebende Schönheit
wächst!

Mit göttlicheren Zügen steht sie nun auf und leidendverführerisch; und
wahrlich! sie wird euch noch Dank sagen, dass ihr sie umstürztet, ihr
Umstürzer!

Diesen Rath aber rathe ich Königen und Kirchen und Allem, was alters-
und tugendschwach ist—lasst euch nur umstürzen! Dass ihr wieder zum
Leben kommt, und zu euch—die Tugend!—

Also redete ich vor dem Feuerhunde: da unterbrach er mich mürrisch und
fragte: „Kirche? Was ist denn das?“

Kirche? antwortete ich, das ist eine Art von Staat, und zwar die
verlogenste. Doch schweig still, du Heuchelhund! Du kennst deine Art
wohl am besten schon!

Gleich dir selber ist der Staat ein Heuchelhund; gleich dir redet er
gern mit Rauch und Gebrülle,—dass er glauben mache, gleich dir, er rede
aus dem Bauch der Dinge.

Denn er will durchaus das wichtigste Thier auf Erden sein, der Staat;
und man glaubt’s ihm auch.—

Als ich das gesagt hatte, gebärdete sich der Feuerhund wie unsinnig vor
Neid. „Wie? schrie er, das wichtigste Thier auf Erden? Und man glaubt’s
ihm auch?“ Und so viel Dampf und grässliche Stimmen kamen ihm aus dem
Schlunde, dass ich meinte, er werde vor Arger und Neid ersticken.

Endlich wurde er stiller, und sein Keuchen liess nach; sobald er aber
stille war, sagte ich lachend:

„Du ärgerst dich, Feuerhund: also habe ich über dich Recht!

Und dass ich auch noch Recht behalte, so höre von einem andern
Feuerhunde: der spricht wirklich aus dem Herzen der Erde.

Gold haucht sein Athem und goldigen Regen: so will’s das Herz ihm. Was
ist ihm Asche und Rauch und heisser Schleim noch!

Lachen flattert aus ihm wie ein buntes Gewölke; abgünstig ist er deinem
Gurgeln und Speien und Grimmen der Ein- geweide!

Das Gold aber und das Lachen—das nimmt er aus dem Herzen der Erde: denn
dass du’s nur weisst,—das Herz der Erde ist von Gold.“

Als diess der Feuerhund vernahm, hielt er’s nicht mehr aus, mir
zuzuhören. Beschämt zog er seinen Schwanz ein, sagte auf eine
kleinlaute Weise Wau! Wau! und kroch hinab in seine Höhle.—

Also erzählte Zarathustra. Seine Jünger aber hörten ihm kaum zu: so
gross war ihre Begierde, ihm von den Schiffsleuten, den Kaninchen und
dem fliegenden Manne zu erzählen.

„Was soll ich davon denken! sagte Zarathustra. Bin ich denn ein
Gespenst?

Aber es wird mein Schatten gewesen sein. Ihr hörtet wohl schon Einiges
vom Wanderer und seinem Schatten?

Sicher aber ist das: ich muss ihn kürzer halten,—er verdirbt mir sonst
noch den Ruf.“

Und nochmals schüttelte Zarathustra den Kopf und wunderte sich. „Was
soll ich davon denken!“ sagte er nochmals.

„Warum schrie denn das Gespenst: es ist Zeit! Es ist die höchste Zeit!

_Wozu_ ist es denn—höchste Zeit?“—

Also sprach Zarathustra.

Der Wahrsager

„- und ich sahe eine grosse Traurigkeit über die Menschen kommen. Die
Besten wurden ihrer Werke müde.

Eine Lehre ergieng, ein Glauben lief neben ihr: „Alles ist leer, Alles
ist gleich, Alles war!“

Und von allen Hügeln klang es wieder: „Alles ist leer, Alles ist
gleich, Alles war!“

Wohl haben wir geerntet: aber warum wurden alle Früchte uns faul und
braun? Was fiel vom bösen Monde bei der letzten Nacht hernieder?

Umsonst war alle Arbeit, Gift ist unser Wein geworden, böser Blick
sengte unsre Felder und Herzen gelb.

Trocken wurden wir Alle; und fällt Feuer auf uns, so stäuben wir der
Asche gleich:—ja das Feuer selber machten wir müde.

Alle Brunnen versiegten uns, auch das Meer wich zurück. Aller Grund
will reissen, aber die Tiefe will nicht schlingen!

„Ach, wo ist noch ein Meer, in dem man ertrinken könnte“: so klingt
unsre Klage - hinweg über flache Sümpfe.

Wahrlich, zum Sterben wurden wir schon zu müde; nun wachen wir noch und
leben fort—in Grabkammern!“—

Also hörte Zarathustra einen Wahrsager reden; und seine Weissagung
gieng ihm zu Herzen und verwandelte ihn. Traurig gieng er umher und
müde; und er wurde Denen gleich, von welchen der Wahrsager geredet
hatte.

Wahrlich, so sagte er zu seinen Jüngern, es ist um ein Kleines, so
kommt diese lange Dämmerung. Ach, wie soll ich mein Licht hinüber
retten!

Dass es mir nicht ersticke in dieser Traurigkeit! Ferneren Welten soll
es ja Licht sein und noch fernsten Nächten!

Dergestalt im Herzen bekümmert gieng Zarathustra umher; und drei Tage
lang nahm er nicht Trank und Speise zu sich, hatte keine Ruhe und
verlor die Rede. Endlich geschah es, dass er in einen tiefen Schlaf
verfiel. Seine jünger aber sassen um ihn in langen Nachtwachen und
warteten mit Sorge, ob er wach werde und wieder rede und genesen sei

Also Sprach Zarathustra

Sinopse

Texto original em DE preservado no Literunico para leitura comparada com a edição/tradução da Copa Literunico. Fonte-base: https://www.gutenberg.org/files/7205/7205-0.txt

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