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Also Sprach Zarathustra

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Also Sprach Zarathustra

Capítulo 33 · Also Sprach Zarathustra

Von euch will er seinen Glauben an sich lernen; er nährt sich an euren

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Von euch will er seinen Glauben an sich lernen; er nährt sich an euren Blicken, er frisst das Lob aus euren Händen.

Euren Lügen glaubt er noch, wenn ihr gut über ihn lügt: denn im
Tiefsten seufzt sein Herz: „was bin _ich_!“

Und wenn das die rechte Tugend ist, die nicht um sich selber weiss:
nun, der Eitle weiss nicht um seine Bescheidenheit!—

Das ist aber meine dritte Menschen-Klugheit, dass ich mir den Anblick
der Bösen nicht verleiden lasse durch eure Furchtsamkeit.

Ich bin selig, die Wunder zu sehn, welche heisse Sonne ausbrütet: Tiger
und Palmen und Klapperschlangen.

Auch unter Menschen giebt es schöne Brut heisser Sonne und viel
Wunderwürdiges an den Bösen.

Zwar, wie eure Weisesten mir nicht gar so weise erschienen: so fand ich
auch der Menschen Bosheit unter ihrem Rufe.

Und oft fragte ich mit Kopfschütteln: Warum noch klappern, ihr
Klapperschlangen?

Wahrlich, es giebt auch für das Böse noch eine Zukunft! Und der
heisseste Süden ist noch nicht entdeckt für den Menschen.

Wie Manches heisst jetzt schon ärgste Bosheit, was doch nur zwölf
Schuhe breit und drei Monate lang ist! Einst aber werden grössere
Drachen zur Welt kommen.

Denn dass dem Übermenschen sein Drache nicht fehle, der Über-Drache,
der seiner würdig ist: dazu muss viel heisse Sonne noch auf feuchten
Urwald glühen!

Aus euren Wildkatzen müssen erst Tiger geworden sein und aus euren
Giftkröten Krokodile: denn der gute Jäger soll eine gute Jagd haben!

Und wahrlich, ihr Guten und Gerechten! An euch ist Viel zum Lachen und
zumal eure Furcht vor dem, was bisher „Teufel“ hiess!

So fremd seid ihr dem Grossen mit eurer Seele, dass euch der Übermensch
_furchtbar_ sein würde in seiner Güte!

Und ihr Weisen und Wissenden, ihr würdet vor dem Sonnenbrande der
Weisheit flüchten, in dem der Übermensch mit Lust seine Nacktheit
badet!

Ihr höchsten Menschen, denen mein Auge begegnete! das ist mein Zweifel
an euch und mein heimliches Lachen: ich rathe, ihr würdet meinen
Übermenschen—Teufel heissen!

Ach, ich ward dieser Höchsten und Besten müde: aus ihrer „Höhe“
verlangte mich hinauf, hinaus, hinweg zu dem Übermenschen!

Ein Grausen überfiel mich, als ich diese Besten nackend sah: da wuchsen
mir die Flügel, fortzuschweben in ferne Zukünfte.

In fernere Zukünfte, in südlichere Süden, als je ein Bildner träumte:
dorthin, wo Götter sich aller Kleider schämen!

Aber verkleidet will ich _euch_ sehn, ihr Nächsten und Mitmenschen, und
gut geputzt, und eitel, und würdig, als „die Guten und Gerechten,“—

Und verkleidet will ich selber unter euch sitzen,—dass ich euch und
mich _verkenne_: das ist nämlich meine letzte Menschen-Klugheit.

Also sprach Zarathustra.

Die stillste Stunde

„Was geschah mir, meine Freunde? Ihr seht mich verstört, fortgetrieben,
unwillig-folgsam, bereit zu gehen—ach, von _euch_ fortzugehen!

Ja, noch Ein Mal muss Zarathustra in seine Einsamkeit: aber unlustig
geht diessmal der Bär zurück in seine Höhle!

Was geschah mir? Wer gebeut diess?—Ach, meine zornige Herrin will es
so, sie sprach zu mir: nannte ich je euch schon ihren Namen?

Gestern gen Abend sprach zu mir _meine stillste Stunde_: das ist der
Name meiner furchtbaren Herrin.

Und so geschah’s,—denn Alles muss ich euch sagen, dass euer Herz sich
nicht verhärte gegen den plötzlich Scheidenden!

Kennt ihr den Schrecken des Einschlafenden?—

Bis in die Zehen hinein erschrickt er, darob, dass ihm der Boden weicht
und der Traum beginnt.

Dieses sage ich euch zum Gleichniss. Gestern, zur stillsten Stunde,
wich mir der Boden: der Traum begann.

Der Zeiger rückte, die Uhr meines Lebens holte Athem—nie hörte ich
solche Stille um mich: also dass mein Herz erschrak.

Dann sprach es ohne Stimme zu mir: „Du weisst es, Zarathustra?“—

Und ich schrie vor Schrecken bei diesem Flüstern, und das Blut wich aus
meinem Gesichte: aber ich schwieg.

Da sprach es abermals ohne Stimme zu mir: „Du weisst es, Zarathustra,
aber du redest es nicht!“—

Und ich antwortete endlich gleich einem Trotzigen: „Ja, ich weiss es,
aber ich will es nicht reden!“

Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Du _willst_ nicht,
Zarathustra? Ist diess auch wahr? Verstecke dich nicht in deinen
Trotz!“—

Und ich weinte und zitterte wie ein Kind und sprach: „Ach, ich wollte
schon, aber wie kann ich es! Erlass mir diess nur! Es ist über meine
Kraft!“

Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Was liegt an dir, Zarathustra!
Sprich dein Wort und zerbrich!“—

Und ich antwortete: „Ach, ist es _mein_ Wort? Wer bin ich? Ich warte
des Würdigeren; ich bin nicht werth, an ihm auch nur zu zerbrechen.“

Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Was liegt an dir? Du bist mir
noch nicht demüthig genug. Die Demuth hat das härteste Fell.“—

Und ich antwortete: „Was trug nicht schon das Fell meiner Demuth! Am
Fusse wohne ich meiner Höhe: wie hoch meine Gipfel sind? Niemand sagte
es mir noch. Aber gut kenne ich meine Thäler.“

Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Oh Zarathustra, wer Berge zu
versetzen hat, der versetzt auch Thäler und Niederungen.“—

Und ich antwortete: „Noch versetzte mein Wort keine Berge, und was ich
redete, erreichte die Menschen nicht. Ich gieng wohl zu den Menschen,
aber noch langte ich nicht bei ihnen an.“

Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Was weisst du _davon_! Der
Thau fällt auf das Gras, wenn die Nacht am verschwiegensten ist.“—

Und ich antwortete: „sie verspotteten mich, als ich meinen eigenen Weg
fand und gieng; und in Wahrheit zitterten damals meine Füsse.“

Und so sprachen sie zu mir: „du verlerntest den Weg, nun verlernst du
auch das Gehen!“

Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Was liegt an ihrem Spotte! Du
bist Einer, der das Gehorchen verlernt hat: nun sollst du befehlen!

Weisst du nicht, _wer_ Allen am nöthigsten thut? Der Grosses befiehlt.

Grosses vollführen ist schwer: aber das Schwerere ist, Grosses
befehlen.

Das ist dein Unverzeihlichstes: du hast die Macht, und du willst nicht
herrschen.“—

Und ich antwortete: „Mir fehlt des Löwen Stimme zu allem Befehlen.“

Da sprach es wieder wie ein Flüstern zu mir: „Die stillsten Worte sind
es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüssen kommen,
lenken die Welt.

Oh Zarathustra, du sollst gehen als ein Schatten dessen, was kommen
muss: so wirst du befehlen und befehlend vorangehen.“—

Und ich antwortete: „Ich schäme mich.“

Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Du musst noch Kind werden und
ohne Scham.

Der Stolz der Jugend ist noch auf dir, spät bist du jung geworden: aber
wer zum Kinde werden will, muss auch noch seine Jugend überwinden.“—

Und ich besann mich lange und zitterte. Endlich aber sagte ich, was ich
zuerst sagte: „Ich will nicht.“

Da geschah ein Lachen um mich. Wehe, wie diess Lachen mir die
Eingeweide zerriss und das Herz aufschlitzte!

Und es sprach zum letzten Male zu mir: „Oh Zarathustra, deine Früchte
sind reif, aber du bist nicht reif für deine Früchte!

So musst du wieder in die Einsamkeit: denn du sollst noch mürbe
werden.“—

Und wieder lachte es und floh: dann wurde es stille um mich wie mit
einer zwiefachen Stille. Ich aber lag am Boden, und der Schweiss floss
mir von den Gliedern.

—Nun hörtet ihr Alles, und warum ich in meine Einsamkeit zurück muss.
Nichts verschwieg ich euch, meine Freunde.

Aber auch diess hörtet ihr von mir, _wer_ immer noch aller Menschen
Verschwiegenster ist—und es sein will!

Ach meine Freunde! Ich hätte euch noch Etwas zu sagen, ich hätte euch
noch Etwas zu geben! Warum gebe ich es nicht? Bin ich denn geizig?“—

Als Zarathustra aber diese Worte gesprochen hatte, überfiel ihn die
Gewalt des Schmerzes und die Nähe des Abschieds von seinen Freunden,
also dass er laut weinte; und Niemand wusste ihn zu trösten. Des Nachts
aber gieng er allein fort und verliess seine Freunde.

Dritter Theil

„Ihr seht nach Oben, wenn ihr nach Erhebung verlangt. Und ich sehe
hinab, weil ich erhoben bin.
Wer von euch kann zugleich lachen und erhoben sein?
Wer auf den höchsten Bergen steigt, der lacht über alle
Trauer-Spiele und Trauer-Ernste.“

Zarathustra, vom Lesen und Schreiben.

Der Wanderer

Um Mitternacht war es, da nahm Zarathustra seinen Weg über den Rücken
der Insel, dass er mit dem frühen Morgen an das andre Gestade käme:
denn dort wollte er zu Schiff steigen. Es gab nämlich allda eine gute
Rhede, an der auch fremde Schiffe gern vor Anker giengen; die nahmen
Manchen mit sich, der von den glückseligen Inseln über das Meer wollte.
Als nun Zarathustra so den Berg hinanstieg, gedachte er unterwegs des
vielen einsamen Wanderns von Jugend an, und wie viele Berge und Rücken
und Gipfel er schon gestiegen sei.

Ich bin ein Wanderer und ein Bergsteiger, sagte er zu seinem Herzen,
ich liebe die Ebenen nicht und es scheint, ich kann nicht lange still
sitzen.

Und was mir nun auch noch als Schicksal und Erlebniss komme,—ein
Wandern wird darin sein und ein Bergsteigen: man erlebt endlich nur
noch sich selber.

Die Zeit ist abgeflossen, wo mir noch Zufälle begegnen durften; und was
_könnte_ jetzt noch zu mir fallen, was nicht schon mein Eigen wäre!

Es kehrt nur zurück, es kommt mir endlich heim—mein eigen Selbst, und
was von ihm lange in der Fremde war und zerstreut unter alle Dinge und
Zufälle.

Und noch Eins weiss ich: ich stehe jetzt vor meinem letzten Gipfel und
vor dem, was mir am längsten aufgespart war. Ach, meinen härtesten Weg
muss ich hinan! Ach, ich begann meine einsamste Wanderung!

Wer aber meiner Art ist, der entgeht einer solchen Stunde nicht: der
Stunde, die zu ihm redet: „Jetzo erst gehst du deinen Weg der Grösse!
Gipfel und Abgrund—das ist jetzt in Eins beschlossen!

Du gehst deinen Weg der Grösse: nun ist deine letzte Zuflucht worden,
was bisher deine letzte Gefahr hiess!

Du gehst deinen Weg der Grösse: das muss nun dein bester Muth sein,
dass es hinter dir keinen Weg mehr giebt!

Du gehst deinen Weg der Grösse; hier soll dir Keiner nachschleichen!
Dein Fuss selber löschte hinter dir den Weg aus, und über ihm steht
geschrieben: Unmöglichkeit.

Und wenn dir nunmehr alle Leitern fehlen, so musst du verstehen, noch
auf deinen eigenen Kopf zu steigen: wie wolltest du anders aufwärts
steigen?

Auf deinen eigenen Kopf und hinweg über dein eigenes Herz! Jetzt muss
das Mildeste an dir noch zum Härtesten werden.

Wer sich stets viel geschont hat, der kränkelt zuletzt an seiner vielen
Schonung. Gelobt sei, was hart macht! Ich lobe das Land nicht, wo
Butter und Honig—fliesst!

Also Sprach Zarathustra

Sinopse

Texto original em DE preservado no Literunico para leitura comparada com a edição/tradução da Copa Literunico. Fonte-base: https://www.gutenberg.org/files/7205/7205-0.txt

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