Universo da obra
Universo da obra
„Du lobst mich, entgegnete der Gewissenhafte, indem du mich von dir
abtrennst, wohlan! Aber ihr Anderen, was sehe ich? Ihr sitzt alle noch
mit lüsternen Augen da—:
Ihr freien Seelen, wohin ist eure Freiheit! Fast, dünkt mich’s, gleicht
ihr Solchen, die lange schlimmen tanzenden nackten Mädchen zusahn: eure
Seelen tanzen selber!
In euch, ihr höheren Menschen, muss Mehr von Dem sein, was der Zauberer
seinen bösen Zauber- und Truggeist nennt:—wir müssen wohl verschieden
sein.
Und wahrlich, wir sprachen und dachten genug mitsammen, ehe Zarathustra
heimkam zu seiner Höhle, als dass ich nicht wüsste: wir _sind_
verschieden.
Wir _suchen_ Verschiednes auch hier oben, ihr und ich. Ich nämlich
suche _mehr Sicherheit_, desshalb kam ich zu Zarathustra. Der nämlich
ist noch der festeste Thurm und Wille—
—heute, wo Alles wackelt, wo alle Erde bebt. Ihr aber, wenn ich eure
Augen sehe, die ihr macht, fast dünkt mich’s, ihr sucht mehr
_Unsicherheit_,
—mehr Schauder, mehr Gefahr, mehr Erdbeben. Euch gelüstet, fast dünkt
mich’s so, vergebt meinem Dünkel, ihr höheren Menschen—
—euch gelüstet nach dem schlimmsten gefährlichsten Leben, das _mir_ am
meisten Furcht macht, nach dem Leben wilder Thiere, nach Wäldern,
Höhlen, steilen Bergen und Irr- Schlünden.
Und nicht die Führer _aus_ der Gefahr gefallen euch am besten, sondern
die euch von allen Wegen abführen, die Verführer. Aber, wenn solch
Gelüsten an euch _wirklich_ ist, so dünkt es mich trotzdem _unmöglich_.
Furcht nämlich—das ist des Menschen Erb- und Grundgefühl; aus der
Furcht erklärt sich jegliches, Erbsünde und Erbtugend. Aus der Furcht
wuchs auch _meine_ Tugend, die heisst: Wissenschaft.
Die Furcht nämlich vor wildem Gethier—die wurde dem Menschen am
längsten angezüchtet, einschliesslich das Thier, das er in sich selber
birgt und fürchtet:—Zarathustra heisst es „das innere Vieh“.
Solche lange alte Furcht, endlich fein geworden, geistlich,
geistig—heute, dünkt mich, heisst sie: Wissenschaft.“—
Also sprach der Gewissenhafte; aber Zarathustra, der eben in seine
Höhle zurückkam und die letzte Rede gehört und errathen hatte, warf dem
Gewissenhaften eine Hand voll Rosen zu und lachte ob seiner
„Wahrheiten“ . „Wie! rief er, was hörte ich da eben? Wahrlich, mich
dünkt, du bist ein Narr oder ich selber bin’s: und deine „Wahrheit“
stelle ich rucks und flugs auf den Kopf.
_Furcht_ nämlich—ist unsre Ausnahme. Muth aber und Abenteuer und Lust
am Ungewissen, am Ungewagten,—_Muth_ dünkt mich des Menschen ganze
Vorgeschichte.
Den wildesten muthigsten Thieren hat er alle ihre Tugenden abgeneidet
und abgeraubt: so erst wurde er—zum Menschen.
_Dieser_ Muth, endlich fein geworden, geistlich, geistig, dieser
Menschen-Muth mit Adler-Flügeln und Schlangen-Klugheit: _der_, dünkt
mich, heisst heute—„
„Zarathustra“! schrien Alle, die beisammen sassen, wie aus Einem Munde
und machten dazu ein grosses Gelächter; es hob sich aber von ihnen wie
eine schwere Wolke. Auch der Zauberer lachte und sprach mit Klugheit:
„Wohlan! Er ist davon, mein böser Geist!
Und habe ich euch nicht selber vor ihm gewarnt, als ich sagte, dass er
ein Betrüger sei, ein Lug- und Truggeist?
Sonderlich nämlich, wenn er sich nackend zeigt. Aber was kann _ich_ für
seine Tücken! Habe _ich_ ihn und die Welt geschaffen?
Wohlan! Seien wir wieder gut und guter Dinge! Und ob schon Zarathustra
böse blickt—seht ihn doch! er ist mir gram—:
—bevor die Nacht kommt, lernt er wieder, mich lieben und loben, er kann
nicht lange leben, ohne solche Thorheiten zu thun.
_Der_—liebt seine Feinde: diese Kunst versteht er am besten von Allen,
die ich sah. Aber er nimmt Rache dafür—an seinen Freunden!“
Also sprach der alte Zauberer, und die höheren Menschen zollten ihm
Beifall: so dass Zarathustra herumgieng und mit Bosheit und Liebe
seinen Freunden die Hände schüttelte,—gleichsam als Einer, der an Allen
Etwas gutzumachen und abzubitten hat. Als er aber dabei an die Thür
seiner Höhle kam, siehe, da gelüstete ihn schon wieder nach der guten
Luft da draussen und nach seinen Thieren,—und er wollte hinaus
schlüpfen.
Unter Töchtern der Wüste
„Gehe nicht davon! sagte da der Wanderer, welcher sich den Schatten
Zarathustra’s nannte, bleibe bei uns, es möchte uns sonst die alte
dumpfe Trübsal wieder anfallen.
Schon gab uns jener alte Zauberer von seinem Schlimmsten zum Besten,
und siehe doch, der gute fromme Papst da hat Thränen in den Augen und
hat sich ganz wieder auf’s Meer der Schwermuth eingeschifft.
Diese Könige mögen wohl vor uns noch gute Miene machen: das lernten
_Die_ nämlich von uns Allen heute am Besten! Hätten sie aber keine
Zeugen, ich wette, auch bei ihnen fienge das böse Spiel wieder an—
—das böse Spiel der ziehenden Wolken, der feuchten Schwermuth, der
verhängten Himmel, der gestohlenen Sonnen, der heulenden Herbst-Winde,
—das böse Spiel unsres Heulens und Nothschreiens: bleibe bei uns, oh
Zarathustra! Hier ist viel verborgenes Elend, das reden will, viel
Abend, viel Wolke, viel dumpfe Luft!
Du nährtest uns mit starker Manns-Kost und kräftigen Sprüchen: lass es
nicht zu, dass uns zum Nachtisch die weichlichen weiblichen Geister
wieder anfallen!
Du allein machst die Luft um dich herum stark und klar! Fand ich je auf
Erden so gute Luft als bei dir in deiner Höhle?
Viele Länder sah ich doch, meine Nase lernte vielerlei Luft prüfen und
abschätzen: aber bei dir schmecken meine Nüstern ihre grösste Lust!
Es sei denn,—es sei denn—, oh vergieb eine alte Erinnerung! Vergieb mir
ein altes Nachtisch-Lied, das ich einst unter Töchtern der Wüste
dichtete:—
—bei denen nämlich gab es gleich gute helle morgenländische Luft; dort
war ich am fernsten vom wolkigen feuchten schwermüthigen Alt-Europa!
Damals liebte ich solcherlei Morgenland-Mädchen und andres blaues
Himmelreich, über dem keine Wolken und keine Gedanken hängen.
Ihr glaubt es nicht, wie artig sie dasassen, wenn sie nicht tanzten,
tief, aber ohne Gedanken, wie kleine Geheimnisse, wie bebänderte
Räthsel, wie Nachtisch-Nüsse—
bunt und fremd fürwahr! aber ohne Wolken: Räthsel, die sich rathen
lassen: solchen Mädchen zu Liebe erdachte ich damals einen
Nachtisch-Psalm.“
Also sprach der Wanderer und Schatten; und ehe Jemand ihm antwortete,
hatte er schon die Harfe des alten Zauberers ergriffen, die Beine
gekreuzt und blickte gelassen und weise um sich:—mit den Nüstern aber
zog er langsam und fragend die Luft ein, wie Einer, der in neuen
Ländern neue fremde Luft kostet. Darauf hob er mit einer Art Gebrüll zu
singen an.
Die Wüste wächst: weh Dem, der Wüsten birgt!
—Ha! Feierlich!
In der That feierlich!
Ein würdiger Anfang!
Afrikanisch feierlich!
Eines Löwen würdig,
Oder eines moralischen Brüllaffen—
—aber Nichts für euch,
Ihr allerliebsten Freundinnen,
Zu deren Füssen mir
Zum ersten Male,
Einem Europäer, unter Palmen
Zu sitzen vergönnt ist. Sela.
Wunderbar wahrlich!
Da sitze ich nun,
Der Wüste nahe und bereits
So fern wieder der Wüste,
Auch in Nichts noch verwüstet:
Nämlich hinabgeschluckt
Texto original em DE preservado no Literunico para leitura comparada com a edição/tradução da Copa Literunico. Fonte-base: https://www.gutenberg.org/files/7205/7205-0.txt
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