Universo da obra
Universo da obra
»Vierundzwanzig braune Sklaven ruderten die prächtige Galeere, die den
Prinzen Amgiad zu dem Palast des Kalifen bringen sollte. Der Prinz aber,
in seinen Purpurmantel gehüllt, lag allein auf dem Verdeck unter dem
dunkelblauen, sternbesäten Nachthimmel, und sein Blick --«
Bis hierher hatte die Kleine laut gelesen; jetzt, beinahe plötzlich,
fielen ihr die Augen zu. Die Eltern sahen einander lächelnd an, Fridolin
beugte sich zu ihr nieder, küßte sie auf das blonde Haar und klappte das
Buch zu, das auf dem noch nicht abgeräumten Tische lag. Das Kind sah auf
wie ertappt.
»Neun Uhr,« sagte der Vater, »es ist Zeit schlafen zu gehen.« Und da
sich nun auch Albertine zu dem Kind herabgebeugt hatte, trafen sich die
Hände der Eltern auf der geliebten Stirn, und mit zärtlichem Lächeln,
das nun nicht mehr dem Kinde allein galt, begegneten sich ihre Blicke.
Das Fräulein trat ein, mahnte die Kleine, den Eltern gute Nacht zu
sagen; gehorsam erhob sie sich, reichte Vater und Mutter die Lippen zum
Kuß und ließ sich von dem Fräulein ruhig aus dem Zimmer führen. Fridolin
und Albertine aber, nun allein geblieben unter dem rötlichen Schein der
Hängelampe, hatten es mit einemmal eilig, ihre vor dem Abendessen
begonnene Unterhaltung über die Erlebnisse auf der gestrigen Redoute
wiederaufzunehmen.
Es war in diesem Jahre ihr erstes Ballfest gewesen, an dem sie gerade
noch vor Karnevalschluß teilzunehmen sich entschlossen hatten. Was
Fridolin betraf, so war er gleich beim Eintritt in den Saal wie ein
mit Ungeduld erwarteter Freund von zwei roten Dominos begrüßt worden,
über deren Person er sich nicht klar zu werden vermochte, obzwar
sie über allerlei Geschichten aus seiner Studenten- und Spitalzeit
auffallend genauen Bescheid wußten. Aus der Loge, in die sie ihn mit
verheißungsvoller Freundlichkeit geladen, hatten sie sich mit dem
Versprechen entfernt, sehr bald, und zwar unmaskiert, zurückzukommen,
waren aber so lange fortgeblieben, daß er, ungeduldig geworden,
vorzog, sich ins Parterre zu begeben, wo er den beiden fragwürdigen
Erscheinungen wieder zu begegnen hoffte. So angestrengt er auch
umherspähte, nirgends vermochte er sie zu erblicken; statt ihrer aber
hing sich unversehens ein anderes weibliches Wesen in seinen Arm:
seine Gattin, die sich eben jäh einem Unbekannten entzogen, dessen
melancholisch-blasiertes Wesen und fremdländischer, anscheinend
polnischer Akzent sie anfangs bestrickt, der sie aber plötzlich durch
ein unerwartet hingeworfenes, häßlich-freches Wort verletzt, ja
erschreckt hatte. Und so saßen Mann und Frau, im Grunde froh, einem
enttäuschend banalen Maskenspiel entronnen zu sein, bald wie zwei
Liebende, unter andern verliebten Paaren, im Büfettraum bei Austern
und Champagner, plauderten sich vergnügt, als hätten sie eben erst
Bekanntschaft miteinander geschlossen, in eine Komödie der Galanterie,
des Widerstandes, der Verführung und des Gewährens hinein; und nach
einer raschen Wagenfahrt durch die weiße Winternacht sanken sie einander
daheim zu einem schon lange Zeit nicht mehr so heiß erlebten Liebesglück
in die Arme. Ein grauer Morgen weckte sie allzubald. Den Gatten
forderte sein Beruf schon in früher Stunde an die Betten seiner Kranken;
Hausfrau- und Mutterpflichten ließen Albertine kaum länger ruhen. So
waren die Stunden nüchtern und vorbestimmt in Alltagspflicht und Arbeit
hingegangen, die vergangene Nacht, Anfang wie Ende, war verblaßt; und
jetzt erst, da beider Tagewerk vollendet, das Kind schlafen gegangen
und von nirgendher eine Störung zu gewärtigen war, stiegen die
Schattengestalten von der Redoute, der melancholische Unbekannte und die
roten Dominos, wieder zur Wirklichkeit empor; und jene unbeträchtlichen
Erlebnisse waren mit einemmal vom trügerischen Scheine versäumter
Möglichkeiten zauberhaft und schmerzlich umflossen. Harmlose und doch
lauernde Fragen, verschmitzte, doppeldeutige Antworten wechselten hin
und her; keinem von beiden entging, daß der andere es an der letzten
Aufrichtigkeit fehlen ließ, und so fühlten sich beide zu gelinder
Rache aufgelegt. Sie übertrieben das Maß der Anziehung, das von ihren
unbekannten Redoutenpartnern auf sie ausgestrahlt hätte, spotteten der
eifersüchtigen Regungen, die der andere merken ließ, und leugneten
ihre eigenen weg. Doch aus dem leichten Geplauder über die nichtigen
Abenteuer der verflossenen Nacht gerieten sie in ein ernsteres Gespräch
über jene verborgenen, kaum geahnten Wünsche, die auch in die klarste
und reinste Seele trübe und gefährliche Wirbel zu reißen vermögen, und
sie redeten von den geheimen Bezirken, nach denen sie kaum Sehnsucht
verspürten und wohin der unfaßbare Wind des Schicksals sie doch einmal,
und wär's auch nur im Traum, verschlagen könnte. Denn so völlig sie
einander in Gefühl und Sinnen angehörten, sie wußten, daß gestern
nicht zum erstenmal ein Hauch von Abenteuer, Freiheit und Gefahr sie
angerührt; bang, selbstquälerisch, in unlauterer Neugier versuchten sie
eines aus dem andern Geständnisse hervorzulocken und, ängstlich näher
zusammenrückend, forschte jedes in sich nach irgendeiner Tatsache, so
gleichgültig, nach einem Erlebnis, so nichtig es sein mochte, das für
das Unsagbare als Ausdruck gelten, und dessen aufrichtige Beichte sie
vielleicht von einer Spannung und einem Mißtrauen befreien könnte, das
allmählich unerträglich zu werden anfing. Albertine, ob sie nun die
Ungeduldigere, die Ehrlichere oder die Gütigere von den beiden war, fand
zuerst den Mut zu einer offenen Mitteilung; und mit etwas schwankender
Stimme fragte sie Fridolin, ob er sich des jungen Mannes erinnere, der
im letztverflossenen Sommer am dänischen Strand eines Abends mit zwei
Offizieren am benachbarten Tisch gesessen, während des Abendessens
ein Telegramm erhalten und sich daraufhin eilig von seinen Freunden
verabschiedet hatte.
Fridolin nickte. »Was war's mit dem?« fragte er.
»Ich hatte ihn schon des Morgens gesehen,« erwiderte Albertine, »als er
eben mit seiner gelben Handtasche eilig die Hoteltreppe hinanstieg. Er
hatte mich flüchtig gemustert, aber erst ein paar Stufen höher blieb
er stehen, wandte sich nach mir um, und unsere Blicke mußten sich
begegnen. Er lächelte nicht, ja, eher schien mir, daß sein Antlitz sich
verdüsterte, und mir erging es wohl ähnlich, denn ich war bewegt wie
noch nie. Den ganzen Tag lag ich traumverloren am Strand. Wenn er mich
riefe --so meinte ich zu wissen --, ich hätte nicht widerstehen können.
Zu allem glaubte ich mich bereit; dich, das Kind, meine Zukunft
hinzugeben, glaubte ich mich so gut wie entschlossen, und zugleich
--wirst du es verstehen? -- warst du mir teurer als je. Gerade an
diesem Nachmittag, du mußt dich noch erinnern, fügte es sich, daß wir
so vertraut über tausend Dinge, auch über unsere gemeinsame Zukunft,
auch über das Kind plauderten, wie schon seit lange nicht mehr. Bei
Sonnenuntergang saßen wir auf dem Balkon, du und ich, da ging er vorüber
unten am Strand, ohne aufzublicken, und ich war beglückt, ihn zu sehen.
Dir aber strich ich über die Stirne und küßte dich aufs Haar, und in
meiner Liebe zu dir war zugleich viel schmerzliches Mitleid. Am Abend
war ich sehr schön, du hast es mir selber gesagt, und trug eine weiße
Rose im Gürtel. Es war vielleicht kein Zufall, daß der Fremde mit seinen
Freunden in unserer Nähe saß. Er blickte nicht zu mir her, ich aber
spielte mit dem Gedanken, aufzustehen, an seinen Tisch zu treten und ihm
zu sagen: Da bin ich, mein Erwarteter, mein Geliebter, -- nimm mich hin.
In diesem Augenblick brachte man ihm das Telegramm, er las, erblaßte,
flüsterte dem jüngeren der beiden Offiziere einige Worte zu, und mit
einem rätselhaften Blick mich streifend, verließ er den Saal.«
»Und?« fragte Fridolin trocken, als sie schwieg.
»Nichts weiter. Ich weiß nur, daß ich am nächsten Morgen mit einer
gewissen Bangigkeit erwachte. Wovor mir mehr bangte -- ob davor, daß
er abgereist, oder davor, daß er noch da sein könnte --, das weiß ich
nicht, das habe ich auch damals nicht gewußt. Doch als er auch mittags
verschwunden blieb, atmete ich auf. Frage mich nicht weiter, Fridolin,
ich habe dir die ganze Wahrheit gesagt. --Und auch du hast an jenem
Strand irgend etwas erlebt, -- ich weiß es.«
Fridolin erhob sich, ging ein paarmal im Zimmer auf und ab, dann sagte
er: »Du hast recht.« Er stand am Fenster, das Antlitz im Dunkel. »Des
Morgens,« begann er mit verschleierter, etwas feindseliger Stimme,
»manchmal sehr früh noch, ehe du aufgestanden warst, pflegte ich längs
des Ufers dahinzuwandern, über den Ort hinaus; und, so früh es war,
immer lag schon die Sonne hell und stark über dem Meer. Da draußen am
Strand gab es kleine Landhäuser, wie du weißt, die, jedes, dastanden,
eine kleine Welt für sich, manche mit umplankten Gärten, manche auch nur
von Wald umgeben, und die Badehütten waren von den Häusern durch die
Landstraße und ein Stück Strand getrennt. Kaum daß ich je in so früher
Stunde Menschen begegnete; und Badende waren überhaupt niemals zu
sehen. Eines Morgens aber wurde ich ganz plötzlich einer weiblichen
Gestalt gewahr, die, eben noch unsichtbar gewesen, auf der schmalen
Terrasse einer in den Sand gepfählten Badehütte, einen Fuß vor den
andern setzend, die Arme nach rückwärts an die Holzwand gespreitet,
sich vorsichtig weiterbewegte. Es war ein ganz junges, vielleicht
fünfzehnjähriges Mädchen mit aufgelöstem blonden Haar, das über die
Schultern und auf der einen Seite über die zarte Brust herabfloß. Das
Mädchen sah vor sich hin, ins Wasser hinab, langsam glitt es längs der
Wand weiter, mit gesenktem Auge nach der andern Ecke hin, und plötzlich
stand es mir gerade gegenüber; mit den Armen griff sie weit hinter
sich, als wollte sie sich fester anklammern, sah auf und erblickte mich
plötzlich. Ein Zittern ging durch ihren Leib, als müßte sie sinken oder
fliehen. Doch da sie auf dem schmalen Brett sich doch nur ganz langsam
hätte weiterbewegen können, entschloß sie sich innezuhalten, -- und
stand nun da, zuerst mit einem erschrockenen, dann mit einem zornigen,
endlich mit einem verlegenen Gesicht. Mit einemmal aber lächelte sie,
lächelte wunderbar; es war ein Grüßen, ja ein Winken in ihren Augen,
--und zugleich ein leiser Spott, mit dem sie ganz flüchtig zu ihren
Füßen das Wasser streifte, das mich von ihr trennte. Dann reckte sie
den jungen schlanken Körper hoch, wie ihrer Schönheit froh, und, wie
leicht zu merken war, durch den Glanz meines Blicks, den sie auf sich
fühlte, stolz und süß erregt. So standen wir uns gegenüber, vielleicht
zehn Sekunden lang, mit halboffenen Lippen und flimmernden Augen.
Unwillkürlich breitete ich meine Arme nach ihr aus, Hingebung und Freude
war in ihrem Blick. Mit einemmal aber schüttelte sie heftig den Kopf,
löste einen Arm von der Wand, deutete gebieterisch, ich solle mich
entfernen; und als ich es nicht gleich über mich brachte zu gehorchen,
kam ein solches Bitten, ein solches Flehen in ihre Kinderaugen, daß mir
nichts anderes übrigblieb, als mich abzuwenden. So rasch als möglich
setzte ich meinen Weg wieder fort; ich sah mich kein einziges Mal nach
ihr um, nicht eigentlich aus Rücksicht, aus Gehorsam, aus Ritterlichkeit,
sondern darum, weil ich unter ihrem letzten Blick eine solche, über
alles je Erlebte hinausgehende Bewegung verspürt hatte, daß ich mich
einer Ohnmacht nah fühlte.« Und er schwieg.
»Und wie oft«, fragte Albertine, vor sich hinsehend und ohne jede
Betonung, »bist du nachher noch denselben Weg gegangen?«
»Was ich dir erzählt habe,« erwiderte Fridolin, »ereignete sich zufällig
am letzten Tag unseres Aufenthalts in Dänemark. Auch ich weiß nicht,
was unter anderen Umständen geworden wäre. Frag' auch du nicht weiter,
Albertine.«
Er stand immer noch am Fenster, unbeweglich. Albertine erhob sich, trat
auf ihn zu, ihr Auge war feucht und dunkel, leicht gerunzelt die Stirn.
»Wir wollen einander solche Dinge künftighin immer gleich erzählen«,
sagte sie.
Er nickte stumm.
»Versprich's mir.«
Er zog sie an sich. »Weißt du das nicht?« fragte er; aber seine Stimme
klang immer noch hart.
Sie nahm seine Hände, streichelte sie und sah zu ihm auf mit umflorten
Augen, auf deren Grund er ihre Gedanken zu lesen vermochte. Jetzt dachte
sie seiner andern, wirklicherer, dachte seiner Jünglingserlebnisse, in
deren manche sie eingeweiht war, da er, ihrer eifersüchtigen Neugier
allzu willig nachgebend, ihr in den ersten Ehejahren manches verraten,
ja, wie ihm oftmals scheinen wollte, preisgegeben, was er lieber für
sich hätte behalten sollen. In dieser Stunde, er wußte es, drängte
manche Erinnerung sich ihr mit Notwendigkeit auf, und er wunderte sich
kaum, als sie, wie aus einem Traum, den halbvergessenen Namen einer
seiner Jugendgeliebten aussprach. Doch wie ein Vorwurf, ja wie eine
leise Drohung klang er ihm entgegen.
Er zog ihre Hände an seine Lippen.
»In jedem Wesen -- glaub' es mir, wenn es auch wohlfeil klingen mag,
-- in jedem Wesen, das ich zu lieben meinte, habe ich immer nur dich
gesucht. Das weiß ich besser, als du es verstehen kannst, Albertine.«
Sie lächelte trüb. »Und wenn es auch mir beliebt hätte, zuerst auf die
Suche zu gehen?« sagte sie. Ihr Blick veränderte sich, wurde kühl und
undurchdringlich. Er ließ ihre Hände aus den seinen gleiten, als hätte
er sie auf einer Unwahrheit, auf einem Verrat ertappt; sie aber sagte:
»Ach, wenn ihr wüßtet«, und wieder schwieg sie.
»Wenn wir wüßten --? Was willst du damit sagen?«
Mit seltsamer Härte erwiderte sie: »Ungefähr, was du dir denkst, mein
Lieber.«
»Albertine -- so gibt es etwas, was du mir verschwiegen hast?«
Sie nickte und blickte mit einem sonderbaren Lächeln vor sich hin.
Unfaßbare, unsinnige Zweifel wachten in ihm auf.
»Ich verstehe nicht recht«, sagte er. »Du warst kaum siebzehn, als wir
uns verlobten.«
»Sechzehn vorbei, ja, Fridolin. Und doch --« sie sah ihm hell in die
Augen -- »lag es nicht an mir, daß ich noch jungfräulich deine Gattin
wurde.«
»Albertine --!«
Und sie erzählte:
»Es war am Wörthersee, ganz kurz vor unserer Verlobung, Fridolin, da
stand an einem schönen Sommerabend ein sehr hübscher junger Mensch an
meinem Fenster, das auf die große, weite Wiese hinaussah, wir plauderten
miteinander, und ich dachte im Laufe dieser Unterhaltung, ja höre nur,
was ich dachte: Was ist das doch für ein lieber, entzückender, junger
Mensch, -- er müßte jetzt nur ein Wort sprechen, freilich, das richtige
müßte es sein, so käme ich zu ihm hinaus auf die Wiese und spazierte mit
ihm, wohin es ihm beliebte, -- in den Wald vielleicht; -- oder schöner
noch wäre es, wir führen im Kahn zusammen in den See hinaus -- und
er könnte von mir in dieser Nacht alles haben, was er nur verlangte.
Ja, das dachte ich mir. -- Aber er sprach das Wort nicht aus, der
entzückende junge Mensch; er küßte nur zart meine Hand, -- und am Morgen
darauf fragte er mich -- ob ich seine Frau werden wollte. Und ich sagte
ja.«
Fridolin ließ unmutig ihre Hand los. »Und wenn an jenem Abend«, sagte er
dann, »zufällig ein anderer an deinem Fenster gestanden hätte und ihm
wäre das richtige Wort eingefallen, zum Beispiel -- --« er dachte nach,
welchen Namen er nennen sollte, da streckte sie schon wie abwehrend die
Arme vor.
»Ein anderer, wer immer es gewesen wäre, er hätte sagen können, was er
wollte, -- es hätte ihm wenig geholfen. Und wärst nicht du es gewesen,
der vor dem Fenster stand,« -- sie lächelte zu ihm auf --, »dann wäre
wohl auch der Sommerabend nicht so schön gewesen.«
Er verzog spöttisch den Mund. »So sagst du in diesem Augenblick, so
glaubst du vielleicht in diesem Augenblick. Aber --«
Es klopfte. Das Dienstmädchen trat ein und meldete, die Hausbesorgerin
aus der Schreyvogelgasse sei da, den Herrn Doktor zum Hofrat zu holen,
dem es wieder sehr schlecht gehe. Fridolin begab sich ins Vorzimmer,
erfuhr von der Botin, daß der Hofrat einen Herzanfall erlitten und sich
sehr übel befinde; und er versprach, unverzüglich hinzukommen.
»Du willst fort --?« fragte ihn Albertine, als er sich rasch zum
Fortgehen bereit machte, so ärgerlichen Tons, als füge er ihr mit
Vorbedacht ein Unrecht zu.
Fridolin erwiderte, beinah verwundert: »Ich muß wohl.«
Sie seufzte leicht.
»Es wird hoffentlich nicht so schlimm sein,« sagte Fridolin, »bisher
haben ihm drei Centi Morphin immer noch über den Anfall weggeholfen.«
Das Stubenmädchen hatte den Pelz gebracht, Fridolin küßte Albertine
ziemlich zerstreut, als wäre das Gespräch der letzten Stunde aus seinem
Gedächtnis schon weggewischt, auf Stirn und Mund und eilte davon.
Texto original em alemão de Traumnovelle, de Arthur Schnitzler, organizado para leitura no Aurora e cotejo com a tradução brasileira do Literunico.
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