von seiner Trübsal. Also Sprach Zarathustra · Capítulo 30 de 57
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von seiner Trübsal.

von seiner Trübsal.

Diess aber ist die Rede, welche Zarathustra sprach, als er aufwachte;

seine Stimme aber kam zu seinen Jüngern wie aus weiter Ferne.

Hört mir doch den Traum, den ich träumte, ihr Freunde, und helft mir

seinen Sinn rathen!

Ein Räthsel ist er mir noch, dieser Traum; sein Sinn ist verborgen in

ihm und eingefangen und fliegt noch nicht über ihn hin mit freien

Flügeln.

Allem Leben hatte ich abgesagt, so träumte mir. Zum Nacht- und

Grabwächter war ich worden, dort auf der einsamen Berg-Burg des Todes.

Droben hütete ich seine Särge: voll standen die dumpfen Gewölbe von

solchen Siegeszeichen. Aus gläsernen Särgen blickte mich überwundenes

Leben an.

Den Geruch verstaubter Ewigkeiten athmete ich: schwül und verstaubt lag

meine Seele. Und wer hätte dort auch seine Seele lüften können!

Helle der Mitternacht war immer um mich, Einsamkeit kauerte neben ihr;

und, zudritt, röchelnde Todesstille, die schlimmste meiner Freundinnen.

Schlüssel führte ich, die rostigsten aller Schlüssel; und ich verstand

es, damit das knarrendste aller Thore zu öffnen.

Einem bitterbösen Gekrächze gleich lief der Ton durch die langen Gänge,

wenn sich des Thores Flügel hoben: unhold schrie dieser Vogel, ungern

wollte er geweckt sein.

Aber furchtbarer noch und herzzuschnürender war es, wenn es wieder

schwieg und rings stille ward, und ich allein sass in diesem tückischen

Schweigen.

So gieng mir und schlich die Zeit, wenn Zeit es noch gab: was weiss ich

davon! Aber endlich geschah das, was mich weckte.

Dreimal schlugen Schläge an’s Thor, gleich Donnern, es hallten und

heulten die Gewölbe dreimal wieder: da gieng ich zum Thore.

Alpa! rief ich, wer trägt seine Asche zu Berge? Alpa! Alpa! Wer trägt

seine Asche zu Berge?

Und ich drückte den Schlüssel und hob am Thore und mühte mich. Aber

noch keinen Fingerbreit stand es offen:

Da riss ein brausender Wind seine Flügel auseinander: pfeifend,

schrillend und schneidend warf er mir einen schwarzen Sarg zu:

Und im Brausen und Pfeifen und Schrillen zerbarst der Sarg und spie

tausendfältiges Gelächter aus.

Und aus tausend Fratzen von Kindern, Engeln, Eulen, Narren und

kindergrossen Schmetterlingen lachte und höhnte und brauste es wider

mich.

Grässlich erschrak ich darob: es warf mich nieder. Und ich schrie vor

Grausen, wie nie ich schrie.

Aber der eigne Schrei weckte mich auf:—und ich kam zu mir.—

Also erzählte Zarathustra seinen Traum und schwieg dann: denn er wusste

noch nicht die Deutung seines Traumes. Aber der jünger, den er am

meisten lieb hatte, erhob sich schnell, fasste die Hand Zarathustra’s

und sprach:

„Dein Leben selber deutet uns diesen Traum, oh Zarathustra!

Bist du nicht selber der Wind mit schrillem Pfeifen, der den Burgen des

Todes die Thore aufreisst?

Bist du nicht selber der Sarg voll bunter Bosheiten und Engelsfratzen

des Lebens?

Wahrlich, gleich tausendfältigem Kindsgelächter kommt Zarathustra in

alle Todtenkammern, lachend über diese Nacht- und Grabwächter, und wer

sonst mit düstern Schlüsseln rasselt.

Schrecken und umwerfen wirst du sie mit deinem Gelächter; Ohnmacht und

Wachwerden wird deine Macht über sie beweisen.

Und auch, wenn die lange Dämmerung kommt und die Todesmüdigkeit, wirst

du an unserm Himmel, nicht untergehn, du Fürsprecher des Lebens!

Neue Sterne liessest du uns sehen und neue Nachtherrlichkeiten;

wahrlich, das Lachen selber spanntest du wie ein buntes Gezelt über

uns.

Nun wird immer Kindes-Lachen aus Särgen quellen; nun wird immer

siegreich ein starker Wind kommen aller Todesmüdigkeit: dessen bist du

uns selber Bürge und Wahrsager!

Wahrlich, _sie selber träumtest du_, deine Feinde: das war dein

schwerster Traum!

Aber wie du von ihnen aufwachtest und zu dir kamst, also sollen sie

selber von sich aufwachen—und zu dir kommen!“—

So sprach der jünger; und alle Anderen drängten sich nun um Zarathustra

und ergriffen ihn bei den Händen und wollten ihn bereden, dass er vom

Bette und von der Traurigkeit lasse und zu ihnen zurückkehre.

Zarathustra aber sass aufgerichtet auf seinem Lager, und mit fremdem

Blicke. Gleichwie Einer, der aus langer Fremde heimkehrt, sah er auf

seine Jünger und prüfte ihre Gesichter; und noch erkannte er sie nicht.

Als sie aber ihn hoben und auf die Füsse stellten, siehe, da

verwandelte sich mit Einem Male sein Auge; er begriff Alles, was

geschehen war, strich sich den Bart und sagte mit starker Stimme:

„Wohlan! Diess nun hat seine Zeit; sorgt mir aber dafür, meine jünger,

dass wir eine gute Mahlzeit machen, und in Kürze! Also gedenke ich

Busse zu thun für schlimme Träume!

Der Wahrsager aber soll an meiner Seite essen und trinken: und

wahrlich, ich will ihm noch ein Meer zeigen, in dem er ertrinken kann!“

Also sprach Zarathustra. Darauf aber blickte er dem jünger, welcher den

Traumdeuter abgegeben hatte, lange in’s Gesicht und schüttelte dabei

den Kopf. -

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