von unzähligen Vögeln umschwärmt und umflattert hörte,—das Geschwirr so Also Sprach Zarathustra · Capítulo 57 de 57
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von unzähligen Vögeln umschwärmt und umflattert hörte,—das Geschwirr so

von unzähligen Vögeln umschwärmt und umflattert hörte,—das Geschwirr so

vieler Flügel aber und das Gedräng um sein Haupt war so gross, dass er

die Augen schloss. Und wahrlich, einer Wolke gleich fiel es über ihn

her, einer Wolke von Pfeilen gleich, welche sich über einen neuen Feind

ausschüttet. Aber siehe, hier war es eine Wolke der Liebe, und über

einen neuen Freund.

„Was geschieht mir?“ dachte Zarathustra in seinem erstaunten Herzen und

liess sich langsam auf dem grossen Steine nieder, der neben dem

Ausgange seiner Höhle lag. Aber, indem er mit den Händen um sich und

über sich und unter sich griff, und den zärtlichen Vögeln wehrte,

siehe, da geschah ihm etwas noch Seltsameres: er griff nämlich dabei

unvermerkt in ein dichtes warmes Haar-Gezottel hinein; zugleich aber

erscholl vor ihm ein Gebrüll,—ein sanftes langes Löwen-Brüllen.

„Das Zeichen kommt,“ sprach Zarathustra und sein Herz verwandelte sich.

Und in Wahrheit, als es helle vor ihm wurde, da lag ihm ein gelbes

mächtiges Gethier zu Füssen und schmiegte das Haupt an seine Knie und

wollte nicht von ihm lassen vor Liebe und that einem Hunde gleich,

welcher seinen alten Herrn wiederfindet. Die Tauben aber waren mit

ihrer Liebe nicht minder eifrig als der Löwe; und jedes Mal, wenn eine

Taube über die Nase des Löwen huschte, schüttelte der Löwe das Haupt

und wunderte sich und lachte dazu.

Zu dem Allen sprach Zarathustra nur Ein Wort: „meine Kinder sind nahe,

meine Kinder“—, dann wurde er ganz stumm. Sein Herz aber war gelöst,

und aus seinen Augen tropften Thränen herab und fielen auf seine Hände.

Und er achtete keines Dings mehr und sass da, unbeweglich und ohne dass

er sich noch gegen die Thiere wehrte. Da flogen die Tauben ab und zu

und setzten sich ihm auf die Schulter und liebkosten sein weisses Haar

und wurden nicht müde mit Zärtlichkeit und Frohlocken. Der starke Löwe

aber leckte immer die Thränen, welche auf die Hände Zarathustra’s

herabfielen und brüllte und brummte schüchtern dazu. Also trieben es

diese Thiere.—

Diess Alles dauerte eine lange Zeit, oder eine kurze Zeit: denn, recht

gesprochen, giebt es für dergleichen Dinge auf Erden _keine_ Zeit—.

Inzwischen aber waren die höheren Menschen in der Höhle Zarathustra’s

wach geworden und ordneten sich mit einander zu einem Zuge an, dass sie

Zarathustra entgegen giengen und ihm den Morgengruss böten: denn sie

hatten gefunden, als sie erwachten, dass er schon nicht mehr unter

ihnen weilte. Als sie aber zur Thür der Höhle gelangten, und das

Geräusch ihrer Schritte ihnen voranlief, da stutzte der Löwe gewaltig,

kehrte sich mit Einem Male von Zarathustra ab und sprang, wild

brüllend, auf die Höhle los; die höheren Menschen aber, als sie ihn

brüllen hörten, schrien alle auf, wie mit Einem Munde, und flohen

zurück und waren im Nu verschwunden.

Zarathustra selber aber, betäubt und fremd, erhob sich von seinem

Sitze, sah um sich, stand staunend da, fragte sein Herz, besann sich

und war allein. „Was hörte ich doch? sprach er endlich langsam, was

geschah mir eben?“

Und schon kam ihm die Erinnerung, und er begriff mit Einem Blicke

Alles, was zwischen Gestern und Heute sich begeben hatte. „Hier ist ja

der Stein, sprach er und strich sich den Bart, auf _dem_ sass ich

gestern am Morgen; und hier trat der Wahrsager zu mir, und hier hörte

ich zuerst den Schrei, den ich eben hörte, den grossen Nothschrei.

Oh ihr höheren Menschen, von _eurer_ Noth war’s ja, dass gestern am

Morgen jener alte Wahrsager mir wahrsagte,—

—zu eurer Noth wollte er mich verfuhren und versuchen: oh Zarathustra,

sprach er zu mir, ich komme, dass ich dich zu deiner letzten Sünde

verführe.

Zu meiner letzten Sünde? rief Zarathustra und lachte zornig über sein

eigenes Wort: _was_ blieb mir doch aufgespart als meine letzte Sünde?“

—Und noch ein Mal versank Zarathustra in sich und setzte sich wieder

auf den grossen Stein nieder und sann nach. Plötzlich sprang er empor,—

„Mitleiden! Das Mitleiden mit dem höheren Menschen! schrie er auf, und

sein Antlitz verwandelte sich in Erz. Wohlan! _Das_—hatte seine Zeit!

Mein Leid und mein Mitleiden—was liegt daran! Trachte ich denn nach

_Glücke_? Ich trachte nach meinem _Werke_!

Wohlan! Der Löwe kam, meine Kinder sind nahe, Zarathustra ward reif,

meine Stunde kam:—

Dies ist _mein_ Morgen, _mein_ Tag hebt an: herauf nun, herauf, du

grosser Mittag!“—

Also sprach Zarathustra und verliess seine Höhle, glühend und stark,

wie eine Morgensonne, die aus dunklen Bergen kommt.

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