von meinem Lied verstanden? In dir ist Wenig von einem Zaubergeiste.“ Also Sprach Zarathustra · Capítulo 54 de 57
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von meinem Lied verstanden? In dir ist Wenig von einem Zaubergeiste.“

von meinem Lied verstanden? In dir ist Wenig von einem Zaubergeiste.“

„Du lobst mich, entgegnete der Gewissenhafte, indem du mich von dir

abtrennst, wohlan! Aber ihr Anderen, was sehe ich? Ihr sitzt alle noch

mit lüsternen Augen da—:

Ihr freien Seelen, wohin ist eure Freiheit! Fast, dünkt mich’s, gleicht

ihr Solchen, die lange schlimmen tanzenden nackten Mädchen zusahn: eure

Seelen tanzen selber!

In euch, ihr höheren Menschen, muss Mehr von Dem sein, was der Zauberer

seinen bösen Zauber- und Truggeist nennt:—wir müssen wohl verschieden

sein.

Und wahrlich, wir sprachen und dachten genug mitsammen, ehe Zarathustra

heimkam zu seiner Höhle, als dass ich nicht wüsste: wir _sind_

verschieden.

Wir _suchen_ Verschiednes auch hier oben, ihr und ich. Ich nämlich

suche _mehr Sicherheit_, desshalb kam ich zu Zarathustra. Der nämlich

ist noch der festeste Thurm und Wille—

—heute, wo Alles wackelt, wo alle Erde bebt. Ihr aber, wenn ich eure

Augen sehe, die ihr macht, fast dünkt mich’s, ihr sucht mehr

_Unsicherheit_,

—mehr Schauder, mehr Gefahr, mehr Erdbeben. Euch gelüstet, fast dünkt

mich’s so, vergebt meinem Dünkel, ihr höheren Menschen—

—euch gelüstet nach dem schlimmsten gefährlichsten Leben, das _mir_ am

meisten Furcht macht, nach dem Leben wilder Thiere, nach Wäldern,

Höhlen, steilen Bergen und Irr- Schlünden.

Und nicht die Führer _aus_ der Gefahr gefallen euch am besten, sondern

die euch von allen Wegen abführen, die Verführer. Aber, wenn solch

Gelüsten an euch _wirklich_ ist, so dünkt es mich trotzdem _unmöglich_.

Furcht nämlich—das ist des Menschen Erb- und Grundgefühl; aus der

Furcht erklärt sich jegliches, Erbsünde und Erbtugend. Aus der Furcht

wuchs auch _meine_ Tugend, die heisst: Wissenschaft.

Die Furcht nämlich vor wildem Gethier—die wurde dem Menschen am

längsten angezüchtet, einschliesslich das Thier, das er in sich selber

birgt und fürchtet:—Zarathustra heisst es „das innere Vieh“.

Solche lange alte Furcht, endlich fein geworden, geistlich,

geistig—heute, dünkt mich, heisst sie: Wissenschaft.“—

Also sprach der Gewissenhafte; aber Zarathustra, der eben in seine

Höhle zurückkam und die letzte Rede gehört und errathen hatte, warf dem

Gewissenhaften eine Hand voll Rosen zu und lachte ob seiner

„Wahrheiten“ . „Wie! rief er, was hörte ich da eben? Wahrlich, mich

dünkt, du bist ein Narr oder ich selber bin’s: und deine „Wahrheit“

stelle ich rucks und flugs auf den Kopf.

_Furcht_ nämlich—ist unsre Ausnahme. Muth aber und Abenteuer und Lust

am Ungewissen, am Ungewagten,—_Muth_ dünkt mich des Menschen ganze

Vorgeschichte.

Den wildesten muthigsten Thieren hat er alle ihre Tugenden abgeneidet

und abgeraubt: so erst wurde er—zum Menschen.

_Dieser_ Muth, endlich fein geworden, geistlich, geistig, dieser

Menschen-Muth mit Adler-Flügeln und Schlangen-Klugheit: _der_, dünkt

mich, heisst heute—„

„Zarathustra“! schrien Alle, die beisammen sassen, wie aus Einem Munde

und machten dazu ein grosses Gelächter; es hob sich aber von ihnen wie

eine schwere Wolke. Auch der Zauberer lachte und sprach mit Klugheit:

„Wohlan! Er ist davon, mein böser Geist!

Und habe ich euch nicht selber vor ihm gewarnt, als ich sagte, dass er

ein Betrüger sei, ein Lug- und Truggeist?

Sonderlich nämlich, wenn er sich nackend zeigt. Aber was kann _ich_ für

seine Tücken! Habe _ich_ ihn und die Welt geschaffen?

Wohlan! Seien wir wieder gut und guter Dinge! Und ob schon Zarathustra

böse blickt—seht ihn doch! er ist mir gram—:

—bevor die Nacht kommt, lernt er wieder, mich lieben und loben, er kann

nicht lange leben, ohne solche Thorheiten zu thun.

_Der_—liebt seine Feinde: diese Kunst versteht er am besten von Allen,

die ich sah. Aber er nimmt Rache dafür—an seinen Freunden!“

Also sprach der alte Zauberer, und die höheren Menschen zollten ihm

Beifall: so dass Zarathustra herumgieng und mit Bosheit und Liebe

seinen Freunden die Hände schüttelte,—gleichsam als Einer, der an Allen

Etwas gutzumachen und abzubitten hat. Als er aber dabei an die Thür

seiner Höhle kam, siehe, da gelüstete ihn schon wieder nach der guten

Luft da draussen und nach seinen Thieren,—und er wollte hinaus

schlüpfen.

Unter Töchtern der Wüste

1.

„Gehe nicht davon! sagte da der Wanderer, welcher sich den Schatten

Zarathustra’s nannte, bleibe bei uns, es möchte uns sonst die alte

dumpfe Trübsal wieder anfallen.

Schon gab uns jener alte Zauberer von seinem Schlimmsten zum Besten,

und siehe doch, der gute fromme Papst da hat Thränen in den Augen und

hat sich ganz wieder auf’s Meer der Schwermuth eingeschifft.

Diese Könige mögen wohl vor uns noch gute Miene machen: das lernten

_Die_ nämlich von uns Allen heute am Besten! Hätten sie aber keine

Zeugen, ich wette, auch bei ihnen fienge das böse Spiel wieder an—

—das böse Spiel der ziehenden Wolken, der feuchten Schwermuth, der

verhängten Himmel, der gestohlenen Sonnen, der heulenden Herbst-Winde,

—das böse Spiel unsres Heulens und Nothschreiens: bleibe bei uns, oh

Zarathustra! Hier ist viel verborgenes Elend, das reden will, viel

Abend, viel Wolke, viel dumpfe Luft!

Du nährtest uns mit starker Manns-Kost und kräftigen Sprüchen: lass es

nicht zu, dass uns zum Nachtisch die weichlichen weiblichen Geister

wieder anfallen!

Du allein machst die Luft um dich herum stark und klar! Fand ich je auf

Erden so gute Luft als bei dir in deiner Höhle?

Viele Länder sah ich doch, meine Nase lernte vielerlei Luft prüfen und

abschätzen: aber bei dir schmecken meine Nüstern ihre grösste Lust!

Es sei denn,—es sei denn—, oh vergieb eine alte Erinnerung! Vergieb mir

ein altes Nachtisch-Lied, das ich einst unter Töchtern der Wüste

dichtete:—

—bei denen nämlich gab es gleich gute helle morgenländische Luft; dort

war ich am fernsten vom wolkigen feuchten schwermüthigen Alt-Europa!

Damals liebte ich solcherlei Morgenland-Mädchen und andres blaues

Himmelreich, über dem keine Wolken und keine Gedanken hängen.

Ihr glaubt es nicht, wie artig sie dasassen, wenn sie nicht tanzten,

tief, aber ohne Gedanken, wie kleine Geheimnisse, wie bebänderte

Räthsel, wie Nachtisch-Nüsse—

bunt und fremd fürwahr! aber ohne Wolken: Räthsel, die sich rathen

lassen: solchen Mädchen zu Liebe erdachte ich damals einen

Nachtisch-Psalm.“

Also sprach der Wanderer und Schatten; und ehe Jemand ihm antwortete,

hatte er schon die Harfe des alten Zauberers ergriffen, die Beine

gekreuzt und blickte gelassen und weise um sich:—mit den Nüstern aber

zog er langsam und fragend die Luft ein, wie Einer, der in neuen

Ländern neue fremde Luft kostet. Darauf hob er mit einer Art Gebrüll zu

singen an.

2.

Die Wüste wächst: weh Dem, der Wüsten birgt!

—Ha! Feierlich!

In der That feierlich!

Ein würdiger Anfang!

Afrikanisch feierlich!

Eines Löwen würdig,

Oder eines moralischen Brüllaffen—

—aber Nichts für euch,

Ihr allerliebsten Freundinnen,

Zu deren Füssen mir

Zum ersten Male,

Einem Europäer, unter Palmen

Zu sitzen vergönnt ist. Sela.

Wunderbar wahrlich!

Da sitze ich nun,

Der Wüste nahe und bereits

So fern wieder der Wüste,

Auch in Nichts noch verwüstet:

Nämlich hinabgeschluckt

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