Teil 03
Werni
(ist auf den Fels gestiegen)
.
Er stößt schon ab. Gott helf dir, braver Schwimmer!
Sieh, wie das Schifflein auf den Wellen schwankt!
Kuoni
(am Ufer)
.
Die Flut geht drüber weg — Ich seh’s nicht mehr.
Doch, halt, da ist es wieder! Kräftiglich
Arbeitet sich der Wackre durch die Brandung.
Seppi.
Des Landvogts Reiter kommen angesprengt.
Kuoni.
Weiß Gott, sie sind’s! Das war Hülf’ in der Noth.
Ein Trupp landenbergischer Reiter.
Erster Reiter.
Den Mörder gebt heraus, den ihr verborgen!
Zweiter.
Des
Wegs kam er: umsonst verhehlt ihr ihn.
Kuoni
und
Ruodi
.
Wen meint ihr, Reiter?
Erster Reiter
(entdeckt den Nachen)
.
Ha, was seh’ ich! Teufel!
Werni
(oben)
.
Ist’s der im Nachen, den ihr sucht? — Reit zu!
Wenn ihr frisch beilegt, holt ihr ihn noch ein.
Zweiter.
Verwünscht! Er ist entwischt.
Erster
(zum Hirten und Fischer)
.
Ihr habt ihm fortgeholfen.
Ihr sollt uns büßen — Fallt in ihre Heerde!
Die Hütte reißet ein, brennt und schlagt nieder!
(Eilen fort.)
Seppi
(stürzt nach)
.
O meine Lämmer!
Kuoni
(folgt)
.
Weh mir, meine Heerde!
Werni.
Die Wüthriche!
Ruodi
(ringt die Hände)
.
Gerechtigkeit des Himmels!
Wann wird der Retter kommen diesem Lande?
(Folgt ihnen.)
Zweite Scene.
Zu Steinen in Schwytz, eine Linde vor des Stauffachers Hause an
der Landstraße, nächst der Brücke.
Werner Stauffacher
,
Pfeifer von
Luzern
kommen im Gespräche.
Pfeifer.
Ja, ja, Herr Stauffacher, wie ich euch sagte.
Schwört nicht zu Oestreich, wenn ihr’s könnt vermeiden.
Haltet fest am Reich und wacker, wie bisher.
Gott schirme euch bei eurer alten Freiheit!
(Drückt ihm herzlich die Hand und will gehen.)
Stauffacher.
Bleibt doch, bis meine Wirthin kommt — Ihr seyd
Mein Gast zu Schwytz, ich in Luzern der eure.
Pfeifer.
Viel Dank! Muß heute Gersau noch erreichen.
— Was ihr auch Schweres mögt zu leiden haben
Von eurer Vögte Geiz und Uebermuth,
Tragt’s in Geduld! Es kann sich ändern, schnell,
Ein andrer Kaiser kann ans Reich gelangen.
Seyd
ihr erst Oesterreichs, seyd ihr’s auf immer.
Er geht ab. Stauffacher setzt sich kummervoll auf eine Bank unter
der Linde. So findet ihn
Gertrud
, seine Frau, die sich neben
ihn stellt und ihn eine Zeit lang schweigend betrachtet.
Gertrud.
So ernst, mein Freund? Ich kenne dich nicht mehr.
Schon viele Tage seh’ ich’s schweigend an,
Wie finstrer Trübsinn deine Stirne furcht.
Auf deinem Herzen drückt ein still Gebresten.
Vertrau’ es mir: ich bin dein treues Weib,
Und meine Hälfte fordr’ ich deines Grams.
(Stauffacher reicht ihr die Hand und schweigt.)
Was kann dein Herz beklemmen, sag’ es mir.
Gesegnet ist dein Fleiß, dein Glücksstand blüht,
Voll sind die Scheunen, und der Rinder Schaaren,
Der glatten Pferde wohlgenährte Zucht
Ist von den Bergen glücklich heimgebracht
Zur Winterung in den bequemen Ställen.
— Da steht dein Haus, reich, wie ein Edelsitz;
Von schönem Stammholz ist es neu gezimmert
Und nach dem Richtmaß ordentlich gefügt;
Von vielen Fenstern glänzt es wohnlich, hell;
Mit bunten Wappenschildern ist’s bemalt
Und weisen Sprüchen, die der Wandersmann
Verweilend liest und ihren Sinn bewundert.
Stauffacher.
Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt,
Doch, ach — es wankt der Grund, auf dem wir bauten.
Gertrud.
Mein Werner, sage, wie verstehst du das?
Stauffacher.
Vor dieser Linde saß ich jüngst, wie heut,
Das schön Vollbrachte freudig überdenkend,
Da kam daher von Küßnacht, seiner Burg,
Der Vogt mit seinen Reisigen geritten.
Vor diesem Hause hielt er wundernd an;
Doch ich erhob mich schnell, und unterwürfig,
Wie sich’s gebührt, trat ich dem Herrn entgegen,
Der uns des Kaisers richterliche Macht
Vorstellt im Lande. Wessen ist das Haus?
Fragt’ er bösmeinend, denn er wußt’ es wohl.
Doch schnell besonnen ich entgegn’ ihm so:
Dies Haus, Herr Vogt, ist meines Herrn des Kaisers
Und eures und mein Lehen — Da versetzt er:
„Ich bin Regent im Land an Kaisers Statt
Und will nicht, daß der Bauer Häuser baue
Auf seine eigne Hand, und also frei
Hinleb’, als ob er Herr wär’ in dem Lande:
Ich werd’ mich unterstehn, euch das zu wehren.“
Dies sagend, ritt er trutziglich von dannen;
Ich aber blieb mit kummervoller Seele,
Das Wort bedenkend, das der Böse sprach.
Gertrud.
Mein lieber Herr und Ehewirth! Magst du
Ein redlich Wort von deinem Weib vernehmen?
Des edeln Ibergs Tochter rühm’ ich mich.
Des vielerfahrnen Manns. Wir Schwestern saßen,
Die Wolle spinnend, in den langen Nächten,
Wenn bei dem Vater sich des Volkes Häupter
Versammelten, die Pergamente lasen
Der alten Kaiser, und des Landes Wohl
Bedachten in vernünftigem Gespräch.
Aufmerkend hört’ ich da manch kluges Wort,
Was der Verständ’ge denkt, der Gute wünscht,
Und still im Herzen hab’ ich mir’s bewahrt.
So höre denn und acht’ auf meine Rede!
Denn, was dich preßte, sieh, das wußt’ ich längst.
— Dir grollt der Landvogt, möchte gern dir schaden,
Denn du bist ihm ein Hinderniß, daß sich
Der Schwytzer nicht dem neuen Fürstenhaus
Will unterwerfen, sondern treu und fest
Beim Reich beharren, wie die würdigen
Altvordern es gehalten und gethan. —
Ist’s nicht so, Werner? Sag’ es, wenn ich lüge!
Stauffacher.