Teil 27 Wilhelm Tell · Capítulo 27 de 35
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Teil 27

(Nachdem er einen Augenblick inne gehalten.)

Ihr schweigt? Ihr habt mir nichts zu sagen? Wie?

Verdien’ ich’s noch nicht, daß ihr mir vertraut?

So muß ich wider euren Willen mich

In das Geheimniß eures Bundes drängen.

— Ihr habt getagt — geschworen auf dem Rütli —

Ich weiß — weiß Alles, was ihr dort verhandelt,

Und, was mir nicht von euch vertrauet ward,

Ich hab’s bewahrt gleichwie ein heilig Pfand.

Nie war ich meines Landes Feind, glaubt mir,

Und niemals hätt’ ich gegen euch gehandelt.

— Doch übel thatet ihr, es zu verschieben,

Die Stunde dringt, und rascher That bedarf’s —

Der Tell war schon das Opfer eures Säumens —

Stauffacher.

Das Christfest abzuwarten schwuren wir.

Rudenz.

Ich war nicht dort, ich hab’ nicht mitgeschworen.

Wartet ihr ab, ich handle.

Melchthal.

Was? Ihr wolltet —

Rudenz.

Des Landes Vätern zähl’ ich mich jetzt bei,

Und meine erste Pflicht ist, euch zu schützen.

Walther Fürst.

Der Erde diesen theuren Staub zu geben,

Ist eure nächste Pflicht und heiligste.

Rudenz.

Wenn wir das Land befreit, dann legen wir

Den frischen Kranz des Siegs ihm auf die Bahre.

O Freunde! eure Sache nicht allein,

Ich habe meine eigne auszufechten

Mit dem Tyrannen — Hört und wißt! Verschwunden

Ist meine Bertha, heimlich weggeraubt,

Mit kecker Frevelthat, aus unsrer Mitte!

Stauffacher.

Solcher Gewaltthat hätte der Tyrann

Wider die freie Edle sich verwogen?

Rudenz.

O meine Freunde! euch versprach ich Hülfe,

Und ich zuerst muß sie von euch erflehn.

Geraubt, entrissen ist mir die Geliebte.

Wer weiß, wo sie der Wüthende verbirgt,

Welcher Gewalt sie frevelnd sich erkühnen,

Ihr Herz zu zwingen zum verhaßten Band!

Verlaßt mich nicht, o, helft mir sie erretten —

Sie liebt euch! o, sie hat’s verdient ums Land,

Daß alle Arme sich für sie bewaffnen —

Walther Fürst.

Was wollt ihr unternehmen?

Rudenz.

Weiß ich’s? Ach

In dieser Nacht, die ihr Geschick umhüllt,

In dieses Zweifels ungeheurer Angst,

Wo ich nichts Festes zu erfassen weiß,

Ist mir nur dieses in der Seele klar:

Unter den Trümmern der Tyrannenmacht

Allein kann sie hervorgegraben werden;

Die Vesten alle müssen wir bezwingen,

Ob wir vielleicht in ihren Kerker dringen.

Melchthal.

Kommt, führt uns an! Wir folgen euch. Warum

Bis morgen sparen, was wir heut vermögen?

Frei war der Tell, als wir im Rütli schwuren,

Das Ungeheure war noch nicht geschehen.

Es bringt die Zeit ein anderes Gesetz;

Wer ist so feig, der jetzt noch könnte zagen!

Rudenz

(zu Stauffacher und Walther Fürst)

.

Indeß bewaffnet und zum Werk bereit,

Erwartet ihr der Berge Feuerzeichen;

Denn, schneller als ein Botensegel fliegt,

Soll euch die Botschaft unsers Siegs erreichen,

Und, seht ihr leuchten die willkommnen Flammen,

Dann auf die Feinde stürzt, wie Wetters Strahl,

Und brecht den Bau der Tyrannei zusammen.

(Gehen ab.)

Dritte Scene.

Die hohle Gasse bei Küßnacht.

Man steigt von hinten zwischen Felsen herunter, und die Wanderer

werden, ehe sie auf der Scene erscheinen, schon von der Höhe

gesehen. Felsen umschließen die ganze Scene; auf einem der

vordersten ist ein Vorsprung mit Gesträuch bewachsen.

Tell

(tritt auf mit der Armbrust)

.

Durch diese hohle Gasse muß er kommen;

Es führt kein andrer Weg nach Küßnacht — Hier

Vollend’ ich’s — Die Gelegenheit ist günstig.

Dort der Hollunderstrauch verbirgt mich ihm;

Von dort herab kann ihn mein Pfeil erlangen;

Des Weges Enge wehret den Verfolgern.

Mach deine Rechnung mit dem Himmel, Vogt!

Fort mußt du, deine Uhr ist abgelaufen.

Ich lebte still und harmlos — das Geschoß

War auf des Waldes Thiere nur gerichtet,

Meine Gedanken waren rein von Mord —

Du

hast aus meinem Frieden mich heraus

Geschreckt; in gährend Drachengift hast du

Die Milch der frommen Denkart mir verwandelt;

Zum Ungeheuren hast du mich gewöhnt —

Wer sich des Kindes Haupt zum Ziele setzte,

Der kann auch treffen in das Herz des Feinds.

Die armen Kindlein, die unschuldigen,

Das treue Weib muß ich vor deiner Wuth

Beschützen, Landvogt! — Da, als ich den Bogenstrang

Anzog — als mir die Hand erzitterte —

Als du mit grausam teufelischer Lust

Mich zwangst, aufs Haupt des Kindes anzulegen —

Als ich ohnmächtig flehend rang vor dir,

Damals gelobt’ ich mir in meinem Innern

Mit furchtbarm Eidschwur, den nur Gott gehört,

Daß meines

nächsten

Schusses

erstes

Ziel

Dein Herz seyn sollte — Was ich mir gelobt

In jenes Augenblickes Höllenqualen,

Ist eine heil’ge Schuld — ich will sie zahlen.

Du bist mein Herr und meines Kaisers Vogt;

Doch nicht der Kaiser hätte sich erlaubt,

Was

du

— Er sandte dich in diese Lande,

Um Recht zu sprechen — strenges, denn er zürnet —

Doch nicht, um mit der mörderischen Lust

Dich jedes Gräuels straflos zu erfrechen;

Es lebt ein Gott, zu strafen und zu rächen.

Komm du hervor, du Bringer bittrer Schmerzen,

Mein theures Kleinod jetzt, mein höchster Schatz —

Ein Ziel will ich dir geben, das bis jetzt

Der frommen Bitte undurchdringlich war —

Doch

dir

soll es nicht widerstehn — Und du,

Vertraute Bogensehne, die so oft

Mir treu gedient hat in der Freude Spielen,

Verlass’ mich nicht im fürchterlichen Ernst!

Nur jetzt noch halte fest, du treuer Strang,

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