Teil 10 Wilhelm Tell · Capítulo 10 de 35
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Teil 10

Als du in diesen Thälern dir erworben.

— Geh hin, verkaufe deine freie Seele,

Nimm Land zu Lehen, werd’ ein Fürstenknecht,

Da du ein Selbstherr seyn kannst und ein Fürst

Auf deinem eignen Erb’ und freien Boden.

Ach, Uly! Uly! Bleibe bei den Deinen!

Geh nicht nach Altorf — O, verlaß sie nicht,

Die heil’ge Sache deines Vaterlands!

— Ich bin der Letzte meines Stamms — Mein Name

Endet mit mir. Da hängen Helm und Schild;

Die werden sie mir in das Grab mitgeben.

Und muß ich denken bei dem letzten Hauch,

Daß du mein brechend Auge nur erwartest,

Um hinzugehn vor diesen neuen Lehnhof

Und meine edeln Güter, die ich frei

Von Gott empfing, von Oestreich zu empfangen!

Rudenz.

Vergebens widerstreben wir dem König.

Die Welt gehört ihm: wollen wir allein

Uns eigensinnig steifen und verstocken,

Die Länderkette ihm zu unterbrechen,

Die er gewaltig rings um uns gezogen?

Sein

sind die Märkte, die Gerichte,

sein

Die Kaufmannsstraßen, und das Saumroß selbst,

Das auf den Gotthardt ziehet, muß ihm zollen.

Von seinen Ländern wie mit einem Netz

Sind wir umgarnet rings und eingeschlossen.

— Wird uns das Reich beschützen? Kann es selbst

Sich schützen gegen Oestreichs wachsende Gewalt?

Hilft Gott uns nicht, kein Kaiser kann uns helfen.

Was ist zu geben auf der Kaiser Wort,

Wenn sie in Geld- und Kriegesnoth die Städte,

Die untern Schirm des Adlers sich geflüchtet,

Verpfänden dürfen und dem Reich veräußern?

— Nein, Oheim! Wohlthat ist’s und weise Vorsicht

In diesen schweren Zeiten der Parteiung,

Sich anzuschließen an ein mächtig Haupt.

Die Kaiserkrone geht von Stamm zu Stamm,

Die

hat für treue Dienste kein Gedächtniß.

Doch, um den mächt’gen Erbherrn wohl verdienen,

Heißt Saaten in die Zukunft streun.

Attinghausen.

Bist du so weise?

Willst heller sehn, als deine edeln Väter,

Die um der Freiheit kostbarn Edelstein

Mit Gut und Blut und Heldenkraft gestritten?

— Schiff nach

Luzern

hinunter, frage

dort

,

Wie Oestreichs Herrschaft lastet auf den Ländern.

Sie werden kommen, unsre Schaf’ und Rinder

Zu zählen, unsre Alpen abzumessen,

Den Hochflug und das Hochgewilde bannen

In unsern freien Wäldern, ihren Schlagbaum

An unsre Brücken, unsre Thore setzen,

Mit unsrer Armuth ihre Länderkäufe,

Mit unserm Blute ihre Kriege zahlen —

— Nein, wenn wir unser Blut dran setzen sollen,

So sey’s

für uns

— wohlfeiler kaufen wir

Die Freiheit als die Knechtschaft ein!

Rudenz.

Was können wir

Ein Volk der Hirten, gegen Albrechts Heere!

Attinghausen.

Lern dieses Volk der Hirten kennen, Knabe!

Ich kenn’s, ich hab’ es angeführt in Schlachten,

Ich hab’ es fechten sehen bei Favenz.

Sie sollen kommen, uns ein Joch aufzwingen,

Das wir entschlossen sind

nicht

zu ertragen!

— O, lerne fühlen, welches Stamms du bist!

Wirf nicht für eiteln Glanz und Flitterschein

Die echte Perle deines Werthes hin —

Das Haupt zu heißen eines

freien

Volks,

Das dir aus Liebe nur sich herzlich weiht,

Das treulich zu dir steht in Kampf und Tod —

Das

sey dein Stolz,

des

Adels rühme dich —

Die angebornen Bande knüpfe fest,

Ans Vaterland, ans theure, schließ dich an,

Das halte fest mit deinem ganzen Herzen.

Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft;

Dort in der fremden Welt stehst du allein,

Ein schwankes Rohr, das jeder Sturm zerknickt.

O, komm, du hast uns lang nicht mehr gesehn,

Versuch’s mit uns nur

einen

Tag — nur heute

Geh nicht nach Altorf — hörst du? heute nicht;

Den

einen

Tag nur schenke dich den Deinen!

(Er faßt seine Hand.)

Rudenz.

Ich gab mein Wort — Laßt mich — Ich bin gebunden.

Attinghausen

(läßt seine Hand los, mit Ernst).

Du bist gebunden — Ja, Unglücklicher,

Du bist’s, doch nicht durch Wort und Schwur,

Gebunden bist du durch der Liebe Seile!

(Rudenz wendet sich weg.)

— Verbirg dich, wie du willst. Das Fräulein ist’s,

Bertha von Bruneck, die zur Herrenburg

Dich zieht, dich fesselt an des Kaisers Dienst.

Das Ritterfräulein willst du dir erwerben

Mit deinem Abfall von dem Land — Betrüg dich nicht!

Dich anzulocken, zeigt man dir die Braut;

Doch deiner Unschuld ist sie nicht beschieden.

Rudenz.

Genug hab’ ich gehört. Gehabt euch wohl.

(Er geht ab.)

Attinghausen.

Wahnsinn’ger Jüngling, bleib! Er geht dahin!

Ich kann ihn nicht erhalten, nicht erretten —

So ist der Wolfenschießen abgefallen

Von seinem Land — so werden Andre folgen,

Der fremde Zauber reißt die Jugend fort,

Gewaltsam strebend über unsre Berge.

— O unglücksel’ge Stunde, da das Fremde

In diese still beglückten Thäler kam,

Der Sitten fromme Unschuld zu zerstören!

Das Neue dringt herein mit Macht, das Alte,

Das Würd’ge scheidet, andre Zeiten kommen,

Es lebt ein andersdenkendes Geschlecht!

Was thu’ ich hier? Sie sind begraben Alle,

Mit denen ich gewaltet und gelebt.

Unter der Erde schon liegt

meine

Zeit;

Wohl dem, der mit der

neuen

nicht mehr braucht zu leben!

(Geht ab.)

Zweite Scene.

Eine Wiese, von hohen Felsen

und Wald umgeben.

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