Teil 26 Wilhelm Tell · Capítulo 26 de 35
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Teil 26

Die Tage ihrer Herrschaft sind gezählt,

Und bald ist ihre Spur nicht mehr zu finden.

Attinghausen.

Die festen Burgen aber in den Landen?

Melchthal.

Sie fallen alle an dem gleichen Tag.

Attinghausen.

Und sind die Edeln dieses Bundes theilhaftig?

Stauffacher.

Wir harren ihres Beistands, wenn es gilt;

Jetzt aber hat der Landmann nur geschworen.

Attinghausen

(richtet sich langsam in die Höhe, mit großem Erstaunen).

Hat sich der Landmann solcher That verwogen,

Aus eignem Mittel, ohne Hülf der Edeln,

Hat er der eignen Kraft so viel vertraut —

Ja, dann bedarf es unserer nicht mehr:

Getröstet können wir zu Grabe steigen,

Es lebt

nach

uns — durch andre Kräfte will

Das Herrliche der Menschheit sich erhalten.

(Er legt seine Hand auf das Haupt des Kindes, das vor ihm auf den

Knieen liegt.)

Aus diesem Haupte, wo der Apfel lag,

Wird euch die neue, bessre Freiheit grünen;

Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,

Und neues Leben blüht aus den Ruinen.

Stauffacher

(zu Walther Fürst)

.

Seht, welcher Glanz sich um sein Aug’ ergießt!

Das ist nicht das Erlöschen der Natur,

Das ist der Strahl schon eines neuen Lebens.

Attinghausen.

Der Adel steigt von seinen alten Burgen,

Und schwört den Städten seinen Bürgereid;

Im

Uechtland

schon, im Thurgau hat’s begonnen,

Die edle

Bern

erhebt ihr herrschend Haupt,

Freiburg

ist eine sichre Burg der Freien,

Die rege

Zürich

waffnet ihre Zünfte

Zum kriegerischen Heer — es bricht die Macht

Der Könige sich an ihren ew’gen Wällen —

(Er spricht das Folgende mit dem Ton eines Sehers — seine Rede

steigt bis zur Begeisterung.)

Die Fürsten seh’ ich und die edeln Herrn

In Harnischen herangezogen kommen,

Ein harmlos Volk von Hirten zu bekriegen.

Auf Tod und Leben wird gekämpft, und herrlich

Wird mancher Paß durch blutige Entscheidung.

Der Landmann stürzt sich mit der nackten Brust,

Ein freies Opfer, in die Schaar der Lanzen!

Er bricht sie, und des Adels Blüthe fällt,

Es hebt die Freiheit siegend ihre Fahne.

(Walther Fürsts und Stauffachers Hände fassend.)

Drum haltet fest zusammen — fest und ewig —

Kein Ort der Freiheit sey dem andern fremd —

Hochwachten stellet aus auf euren Bergen,

Daß sich der Bund zum Bunde rasch versammle —

Seyd einig — einig — einig —

(Er fällt in das Kissen zurück — seine Hände halten entseelt noch

die Andern gefaßt. Fürst und Stauffacher betrachten ihn noch eine

Zeit lang schweigend, dann treten sie hinweg. Jeder seinem Schmerz

überlassen. Unterdessen sind die Knechte still hereingedrungen, sie

nähern sich mit Zeichen eines stillern oder heftigeren Schmerzens,

einige knien bei ihm nieder und weinen auf seine Hand; während

dieser stummen Scene wird die Burgglocke geläutet.)

Rudenz

zu den

Vorigen

.

Rudenz

(rasch eintretend)

.

Lebt er? O, saget, kann er mich noch hören?

Walther Fürst

(deutet hin mit weggewandtem Gesicht).

Ihr

seyd jetzt unser Lehensherr und Schirmer,

Und dieses Schloß hat einen andern Namen.

Rudenz

(erblickt den Leichnam und steht von heftigem Schmerz ergriffen).

O güt’ger Gott! Kommt meine Reu zu spät?

Konnt’ er nicht wen’ge Pulse länger leben,

Um mein geändert Herz zu sehn?

Verachtet hab’ ich seine treue Stimme,

Da er noch wandelte im Licht — er ist

Dahin, ist fort auf immerdar und läßt mir

Die schwere, unbezahlte Schuld! — O, saget!

Schied er dahin im Unmuth gegen mich?

Stauffacher.

Er hörte sterbend noch, was ihr gethan.

Und segnete den Muth, mit dem ihr spracht!

Rudenz

(kniet an dem Todten nieder)

.

Ja, heil’ge Reste eines theuren Mannes!

Entseelter Leichnam! hier gelob’ ich dir’s

In deine kalte Todtenhand — zerrissen

Hab’ ich auf ewig alle fremden Bande;

Zurückgegeben bin ich meinem Volk;

Ein Schweizer bin ich, und ich will es seyn

Von ganzer Seele — —

(Aufstehend.)

Trauert um den Freund,

Den Vater Aller, doch verzaget nicht!

Nicht bloß sein Erbe ist mir zugefallen,

Es steigt sein Herz, sein Geist auf mich herab,

Und leisten soll euch meine frische Jugend,

Was euch sein greises Alter schuldig blieb.

— Ehrwürd’ger Vater, gebt mir eure Hand!

Gebt mir die eurige! Melchthal, auch ihr!

Bedenkt euch nicht! O, wendet euch nicht weg!

Empfanget meinen Schwur und mein Gelübde.

Walther Fürst.

Gebt ihm die Hand. Sein wiederkehrend Herz

Verdient Vertraun.

Melchthal.

Ihr habt den Landmann nichts geachtet.

Sprecht, wessen soll man sich zu euch versehn?

Rudenz.

O, denket nicht des Irrthums meiner Jugend!

Stauffacher

(zu Melchthal)

.

Seyd einig, war das letzte Wort des Vaters.

Gedenket dessen!

Melchthal.

Hier ist meine Hand!

Des Bauern Handschlag, edler Herr, ist auch

Ein Manneswort! Was ist der Ritter ohne

uns

?

Und unser Stand ist älter, als der eure.

Rudenz.

Ich ehr’ ihn, und mein Schwert soll ihn beschützen.

Melchthal.

Der

Arm, Herr Freiherr, der die harte Erde

Sich unterwirft und ihren Schooß befruchtet,

Kann auch des Mannes Brust beschützen.

Rudenz.

Ihr

Sollt

meine

Brust, ich will die

eure

schützen,

So sind wir Einer durch den Andern stark.

— Doch wozu reden, da das Vaterland

Ein Raub noch ist der fremden Tyrannei?

Wenn erst der Boden rein ist von dem Feind,

Dann wollen wir’s in Frieden schon vergleichen.

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