Teil 08 Wilhelm Tell · Capítulo 8 de 35
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Teil 08

In seiner Höhle nicht mehr sicher ist?

— Sind wir denn wehrlos? Wozu lernten wir

Die Armbrust spannen und die schwere Wucht

Der Streitaxt schwingen? Jedem Wesen ward

Ein Nothgewehr in der Verzweiflungsangst.

Es stellt sich der erschöpfte Hirsch und zeigt

Der Meute sein gefürchtetes Geweih,

Die Gemse reißt den Jäger in den Abgrund —

Der Pflugstier selbst, der sanfte Hausgenoß

Des Menschen, der die ungeheure Kraft

Des Halses duldsam unters Joch gebogen,

Springt auf, gereizt, wetzt sein gewaltig Horn,

Und schleudert seinen Feind den Wolken zu.

Walther Fürst.

Wenn die drei Lande dächten, wie wir drei,

So möchten wir vielleicht etwas vermögen.

Stauffacher.

Wenn Uri hilft, wenn Unterwalden hilft,

Der Schwytzer wird die alten Bünde ehren.

Melchthal.

Groß ist in Unterwalden meine Freundschaft

Und Jeder wagt mit Freuden Leib und Blut,

Wenn er am Andern einen Rücken hat

Und Schirm — O fromme Väter dieses Landes!

Ich stehe, nur ein Jüngling, zwischen euch,

Den Vielerfahrnen — meine Stimme muß

Bescheiden schweigen in der Landsgemeinde.

Nicht, weil ich jung bin und nicht viel erlebte,

Verachtet meinen Rath und meine Rede;

Nicht lüstern jugendliches Blut, mich treibt

Des höchsten Jammers schmerzliche Gewalt,

Was auch den Stein des Felsen muß erbarmen.

Ihr selbst seyd Väter, Häupter eines Hauses

Und wünscht euch einen tugendhaften Sohn,

Der eures Hauptes heil’ge Locken ehre,

Und euch den Stern des Auges fromm bewache.

O, weil ihr selbst an eurem Leib und Gut

Noch nichts erlitten, eure Augen sich

Noch frisch und hell in ihren Kreisen regen,

So sey euch darum unsre Noth nicht fremd.

Auch über euch hängt das Tyrannenschwert:

Ihr habt das Land von Oestreich abgewendet,

Kein anderes war meines Vaters Unrecht;

Ihr seyd in gleicher Mitschuld und Verdammniß.

Stauffacher

(zu Walther Fürst)

.

Beschließet

ihr

! Ich bin bereit zu folgen.

Walther Fürst.

Wir wollen hören, was die edeln Herrn

Von Sillinen, von Attinghausen rathen —

Ihr Name, denk’ ich, wird uns Freunde werben.

Melchthal.

Wo ist ein Name in dem Waldgebirg’

Ehrwürdiger, als eurer und der eure?

An solcher Namen echte Währung glaubt

Das Volk, sie haben guten Klang im Lande.

Ihr habt ein reiches Erb von Vätertugend

Und habt es selber reich vermehrt — Was braucht’s

Des Edelmanns? Laßt’s uns allein vollenden!

Wären wir doch allein im Land! Ich meine,

Wir wollten uns schon selbst zu schirmen wissen.

Stauffacher.

Die Edeln drängt nicht gleiche Noth mit uns:

Der Strom, der in den Niederungen wüthet,

Bis jetzt hat er die Höhn noch nicht erreicht —

Doch ihre Hülfe wird uns nicht entstehn,

Wenn sie das Land in Waffen erst erblicken.

Walther Fürst.

Wäre ein Obmann zwischen uns und Oestreich,

So möchte Recht entscheiden und Gesetz.

Doch, der uns unterdrückt, ist unser Kaiser

Und höchster Richter — so muß

Gott uns helfen

Durch unsern Arm

— Erforschet

ihr

die Männer

Von Schwytz, ich will in Uri Freunde werben.

Wen aber senden wir nach Unterwalden? —

Melchthal.

Mich sendet hin — Wem läg’ es näher an —

Walther Fürst.

Ich geb’s nicht zu; ihr seyd mein Gast, ich muß

Für eure Sicherheit gewähren!

Melchthal.

Laßt mich!

Die Schliche kenn’ ich und die Felsensteige;

Auch Freunde find’ ich gnug; die mich dem Feind

Verhehlen und ein Obdach gern gewähren.

Stauffacher.

Laßt ihn mit Gott hinüber gehn. Dort drüben

Ist kein Verräther — so verabscheut ist

Die Tyrannei, daß sie kein Werkzeug findet.

Auch der Alzeller soll uns nid dem Wald

Genossen werben und das Land erregen.

Melchthal.

Wie bringen wir uns sichre Kunde zu,

Daß wir den Argwohn der Tyrannen täuschen?

Stauffacher.

Wir könnten uns zu

Brunnen

oder

Treib

Versammeln, wo die Kaufmannsschiffe landen.

Walther Fürst.

So offen dürfen wir das Werk nicht treiben.

— Hört meine Meinung. — Links am See, wenn man

Nach Brunnen fährt, dem Mythenstein grad über,

Liegt eine Matte heimlich im Gehölz,

Das

Rütli

heißt sie bei dem Volk der Hirten,

Weil dort die Waldung ausgereutet ward.

Dort ist’s, wo unsre Landmark und die eure

(Zu Melchthal.)

Zusammen gränzen, und in kurzer Fahrt

(Zu Stauffacher.)

Trägt euch der leichte Kahn von Schwytz herüber.

Auf öden Pfaden können wir dahin

Bei Nachtzeit wandern und uns still berathen,

Dahin mag Jeder zehn vertraute Männer

Mitbringen, die herzeinig sind mit uns,

So können wir gemeinsam das Gemeine

Besprechen und mit Gott es frisch beschließen.

Stauffacher.

So sey’s. Jetzt reicht mir eure biedre Rechte,

Reicht ihr die eure her, und so wie wir

Drei Männer

jetzo, unter uns die Hände

Zusammenflechten, redlich ohne Falsch,

So wollen wir

drei Länder

auch, zu Schutz

Und Trutz zusammenstehn auf Tod und Leben.

Walther Fürst

und

Melchthal

.

Auf Tod und Leben.

(Sie halten die Hände noch einige Pausen lang

zusammengeflochten und schweigen.)

Melchthal.

Blinder, alter Vater,

Du kannst den Tag der Freiheit nicht mehr

schauen

;

Du sollst ihn

hören

— Wenn von Alp zu Alp

Die Feuerzeichen flammend sich erheben,

Die festen Schlösser der Tyrannen fallen,

In deine Hütte soll der Schweizer wallen,

Zu deinem Ohr die Freudenkunde tragen,

Und hell in deiner Nacht soll es dir tagen!

(Sie gehen auseinander.)

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