Teil 06 Wilhelm Tell · Capítulo 6 de 35
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Teil 06

(Gehen ab zu verschiedenen Seiten. Ein plötzlicher

Auflauf entsteht um das Gerüste.)

Meister Steinmetz

(eilt hin)

.

Was gibt’s?

Erster Gesell

(kommt vor, rufend)

.

Der Schieferdecker ist vom Dach gestürzt.

Bertha

stürzt herein.

Gefolge.

Bertha.

Ist er zerschmettert? Rennet, rettet, helft —

Wenn Hülfe möglich ist, rettet, hier ist Gold —

(Wirft ihr Geschmeide unter das Volk.)

Meister.

Mit euerm Gold — Alles ist euch feil

Um Gold: wenn ihr den Vater von den Kindern

Gerissen und den Mann von seinem Weibe,

Und Jammer habt gebracht über die Welt,

Denkt ihr’s mit Golde zu vergüten — Geht!

Wir waren frohe Menschen, eh’ ihr kamt;

Mit euch ist die Verzweiflung eingezogen.

Bertha

(zu dem Frohnvogt, der zurückkommt)

.

Lebt er?

(Frohnvogt gibt ein Zeichen des Gegentheils.)

O unglücksel’ges Schloß, mit Flüchen

Erbaut, und Flüche werden dich bewohnen!

(Geht ab.)

Vierte Scene.

Walther Fürsts Wohnung.

Walther Fürst

und

Arnold vom Melchthal

treten

zugleich ein von verschiedenen Seiten.

Melchthal.

Herr Walther Fürst —

Walther Fürst.

Wenn man uns überraschte!

Bleibt, wo ihr seyd. Wir sind umringt von Spähern.

Melchthal.

Bringt ihr mir nichts von Unterwalden? nichts

Von meinem Vater? Nicht ertrag’ ich’s länger,

Als ein Gefangner müßig hier zu liegen.

Was hab’ ich denn so Sträfliches gethan,

Um mich gleich einem Mörder zu verbergen?

Dem frechen Buben, der die Ochsen mir,

Das trefflichste Gespann, vor meinen Augen

Weg wollte treiben auf des Vogts Geheiß,

Hab’ ich den Finger mit dem Stab gebrochen.

Walther Fürst.

Ihr seyd zu rasch. Der Bube war des Vogts;

Von eurer Obrigkeit war er gesendet.

Ihr wart in Straf’ gefallen, mußtet euch,

Wie schwer sie war, der Buße schweigend fügen.

Melchthal.

Ertragen sollt’ ich die leichtfert’ge Rede

Des Unverschämten: „Wenn der Bauer Brod

Wollt’ essen, mög’ er selbst am Pfluge ziehn!“

In die Seele schnitt mir’s, als der Bub die Ochsen,

Die schönen Thiere, von dem Pfluge spannte;

Dumpf brüllten sie, als hätten sie Gefühl

Der Ungebühr, und stießen mit den Hörnern:

Da übernahm mich der gerechte Zorn,

Und, meiner selbst nicht Herr, schlug ich den Boten.

Walther Fürst.

O, kaum bezwingen wir das eigne Herz;

Wie soll die rasche Jugend sich bezähmen!

Melchthal.

Mich jammert nur der Vater — Er bedarf

So sehr der Pflege, und sein Sohn ist fern.

Der Vogt ist ihm gehässig, weil er stets

Für Recht und Freiheit redlich hat gestritten.

Drum werden sie den alten Mann bedrängen,

Und Niemand ist, der ihn vor Unglimpf schütze.

— Werde mit mir, was will, ich muß hinüber.

Walther Fürst.

Erwartet nur und faßt euch in Geduld,

Bis Nachricht uns herüber kommt vom Walde.

— Ich höre klopfen, geht — Vielleicht ein Bote

Vom Landvogt — Geht hinein — Ihr seyd in Uri

Nicht sicher vor des Landenbergers Arm,

Denn die Tyrannen reichen sich die Hände.

Melchthal.

Sie lehren uns, was wir thun sollten.

Walther Fürst.

Geht!

Ich ruf’ euch wieder, wenn’s hier sicher ist.

(Melchthal geht hinein.)

Der Unglückselige, ich darf ihm nicht

Gestehen, was mir Böses schwant — Wer klopft?

So oft die Thüre rauscht, erwart’ ich Unglück.

Verrath und Argwohn lauscht in allen Ecken;

Bis in das Innerste der Häuser dringen

Die Boten der Gewalt; bald thät’ es Noth,

Wir hätten Schloß und Riegel an den Thüren.

Er öffnet und tritt erstaunt zurück, da

Werner Stauffacher

hereintritt.

Was seh’ ich? Ihr, Herr Werner! Nun, bei Gott!

Ein werther, theurer Gast — kein bessrer Mann

Ist über diese Schwelle noch gegangen.

Seyd hoch willkommen unter meinem Dach!

Was führt euch her? Was sucht ihr hier in Uri?

Stauffacher

(ihm die Hand reichend)

.

Die alten Zeiten und die alte Schweiz.

Walther Fürst.

Die bringt ihr mit euch — Sieh, mir wird so wohl,

Warm geht das Herz mir auf bei euerm Anblick.

— Setzt euch, Herr Werner — Wie verließet ihr

Frau Gertrud, eure angenehme Wirthin,

Des weisen Ibergs hochverständ’ge Tochter?

Von allen Wandrern aus dem deutschen Land,

Die über Meinrads Zell nach Wälschland fahren,

Rühmt jeder euer gastlich Haus — Doch, sagt,

Kommt ihr so eben frisch von Fluelen her,

Und habt euch nirgend sonst noch umgesehen,

Eh’ ihr den Fuß gesetzt auf diese Schwelle?

Stauffacher

(setzt sich)

.

Wohl ein erstaunlich neues Werk hab’ ich

Bereiten sehen, das mich nicht erfreute.

Walther Fürst.

O Freund! da habt ihr’s gleich mit

einem

Blicke!

Stauffacher.

Ein solches ist in Uri nie gewesen —

Seit Menschendenken war kein Twinghof hier,

Und fest war keine Wohnung, als das Grab.

Walther Fürst.

Ein Grab der Freiheit ist’s! Ihr nennt’s mit Namen.

Stauffacher.

Herr Walther Fürst, ich will euch nicht verhalten,

Nicht eine müß’ge Neugier führt mich her;

Mich drücken schwere Sorgen — Drangsal hab’ ich

Zu Haus verlassen, Drangsal find’ ich hier.

Denn ganz unleidlich ist’s, was wir erdulden,

Und dieses Dranges ist kein Ziel zu sehn.

Frei war der Schweizer von Uralters her,

Wir sind’s gewohnt, daß man uns gut begegnet.

Ein Solches war im Lande nie erlebt,

So lang ein Hirte trieb auf diesen Bergen.

Walther Fürst.

Ja, es ist ohne Beispiel, wie sie’s treiben!

Auch unser edler Herr von Attinghausen,

Der noch die alten Zeiten hat gesehn,

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