Teil 25 Wilhelm Tell · Capítulo 25 de 35
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Teil 25

(Walther Tell richtet sich auf.)

Walther Fürst.

Kann ich sie trösten? Hab’ ich selber Trost?

Häuft alles Leiden sich auf meinem Haupt?

Hedwig

(hereindringend)

.

Wo ist mein Kind? Laßt mich, ich muß es sehn —

Stauffacher.

Faßt euch! Bedenkt, daß ihr im Haus des Todes —

Hedwig

(stürzt auf den Knaben)

.

Mein Wälty! O, er lebt mir!

Walther Tell

(hängt an ihr)

.

Arme Mutter!

Hedwig.

Ist’s auch gewiß? Bist du mir unverletzt?

(Betrachtet ihn mit ängstlicher Sorgfalt.)

Und es ist möglich? Konnt’ er auf dich zielen?

Wie konnt’ er’s? O, er hat kein Herz — er konnte

Den Pfeil abdrücken auf sein eignes Kind!

Walther Fürst.

Er that’s mit Angst, mit schmerzzerrissner Seele;

Gezwungen that er’s, denn es galt das Leben.

Hedwig.

O, hätt’ er eines Vaters Herz, eh’ er’s

Gethan, er wäre tausendmal gestorben!

Stauffacher.

Ihr solltet Gottes gnäd’ge Schickung preisen,

Die es so gut gelenkt —

Hedwig.

Kann ich vergessen

Wie’s hätte kommen

können

? — Gott des Himmels!

Und lebt’ ich achtzig Jahr — ich seh den Knaben ewig

Gebunden stehn, den Vater auf ihn zielen,

Und ewig fliegt der Pfeil mir in das Herz.

Melchthal.

Frau, wüßtet ihr, wie ihn der Vogt gereizt!

Hedwig.

O rohes Herz der Männer! Wenn ihr Stolz

Beleidigt wird, dann achten sie nichts mehr;

Sie setzen in der blinden Wuth des Spiels

Das Haupt des Kindes und das Herz der Mutter!

Baumgarten.

Ist eures Mannes Loos nicht hart genug,

Daß ihr mit schwerem Tadel ihn noch kränkt?

Für

seine

Leiden habt ihr kein Gefühl?

Hedwig

(kehrt sich nach ihm um und sieht ihn mit einem großen Blick an).

Hast du nur Thränen für des Freundes Unglück?

— Wo waret ihr, da man den Trefflichen

In Bande schlug? Wo war

da

eure Hülfe?

Ihr sahet zu, ihr ließt das Gräßliche geschehn;

Geduldig littet ihr’s, daß man den Freund

Aus eurer Mitte führte — Hat der Tell

Auch so an euch gehandelt? Stand er auch

Bedauernd da, als hinter dir die Reiter

Des Landvogts drangen, als der wüth’ge See

Vor dir erbrauste? Nicht mit müß’gen Thränen

Beklagt’ er dich, in den Nachen sprang er, Weib

Und Kind vergaß er und befreite dich —

Walther Fürst.

Was konnten wir zu seiner Rettung wagen,

Die kleine Zahl, die unbewaffnet war!

Hedwig

(wirft sich an seine Brust)

.

O Vater! Und auch du hast ihn verloren!

Das Land, wir alle haben ihn verloren!

Uns allen fehlt er, ach, wir fehlen ihm!

Gott rette seine Seele vor Verzweiflung.

Zu ihm hinab ins öde Burgverließ

Dringt keines Freundes Trost — Wenn er erkrankte!

Ach, in des Kerkers feuchter Finsterniß

Muß er erkranken — Wie die Alpenrose

Bleicht und verkümmert in der Sumpfesluft,

So ist für ihn kein Leben als im Licht

Der Sonne, in dem Balsamstrom der Lüfte.

Gefangen! Er! Sein Athem ist die Freiheit;

Er kann nicht leben in dem Hauch der Grüfte.

Stauffacher.

Beruhigt euch! Wir Alle wollen handeln,

Um seinen Kerker aufzuthun.

Hedwig.

Was könnt

ihr

schaffen ohne ihn? — So lang

Der Tell noch frei war, ja, da war noch Hoffnung,

Da hatte noch die Unschuld einen Freund,

Da hatte einen Helfer der Verfolgte,

Euch Alle rettete der Tell — Ihr Alle

Zusammen könnt nicht

seine

Fesseln lösen!

(Der Freiherr erwacht.)

Baumgarten.

Er regt sich, still!

Attinghausen

(sich aufrichtend)

.

Wo ist er?

Stauffacher.

Wer?

Attinghausen.

Er fehlt mir,

Verläßt mich in dem letzten Augenblick!

Stauffacher.

Er meint den Junker — Schickte man nach ihm?

Walther Fürst.

Es ist nach ihm gesendet — Tröstet euch!

Er hat sein Herz gefunden, er ist unser.

Attinghausen.

Hat er gesprochen für sein Vaterland?

Stauffacher.

Mit Heldenkühnheit.

Attinghausen.

Warum kommt er nicht,

Um meinen letzten Segen zu empfangen?

Ich fühle, daß es schleunig mit mir endet.

Stauffacher.

Nicht also, edler Herr! Der kurze Schlaf

Hat euch erquickt, und hell ist euer Blick.

Attinghausen.

Der Schmerz ist Leben, er verließ mich auch.

Das Leiden ist, so wie die Hoffnung, aus.

(Er bemerkt den Knaben.)

Wer ist der Knabe?

Walther Fürst.

Segnet ihn, o Herr!

Er ist mein Enkel und ist vaterlos.

(Hedwig sinkt mit dem Knaben vor dem Sterbenden nieder.)

Attinghausen.

Und vaterlos lass’ ich euch Alle, Alle

Zurück — Weh mir, daß meine letzten Blicke

Den Untergang des Vaterlands gesehen!

Mußt’ ich des Lebens höchstes Maß erreichen,

Um ganz mit allen Hoffnungen zu sterben!

Stauffacher

(zu Walther Fürst)

.

Soll er in diesem finstern Kummer scheiden?

Erhellen wir ihm nicht die letzte Stunde

Mit schönem Strahl der Hoffnung? — Edler Freiherr!

Erhebet euren Geist! Wir sind nicht ganz

Verlassen, sind nicht rettungslos verloren.

Attinghausen.

Wer soll euch retten?

Walther Fürst.

Wir uns selbst. Vernehmt!

Es haben die drei Lande sich das Wort

Gegeben, die Tyrannen zu verjagen.

Geschlossen ist der Bund; ein heil’ger Schwur

Verbindet uns. Es wird gehandelt werden,

Eh noch das Jahr den neuen Kreis beginnt.

Euer Staub wird ruhn in einem freien Lande.

Attinghausen.

O, saget mir! Geschlossen ist der Bund?

Melchthal.

Am gleichen Tage werden alle drei

Waldstätte sich erheben. Alles ist

Bereit, und das Geheimniß wohlbewahrt

Bis jetzt, obgleich viel Hunderte es theilen.

Hohl ist der Boden unter den Tyrannen;

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