Teil 24 Wilhelm Tell · Capítulo 24 de 35
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Teil 24

Tell.

Auf den Wellen treibt er.

Fischer.

Ist’s möglich? Aber

ihr

? wie seyd ihr hier?

Seyd euren Banden und dem Sturm entkommen?

Tell.

Durch Gottes gnäd’ge Fürsehung — Hört an!

Fischer

und

Knabe

.

O, redet, redet!

Tell.

Was in Altorf sich

Begeben, wißt ihr’s?

Fischer.

Alles weiß ich, redet!

Tell.

Daß mich der Landvogt fahen ließ und binden,

Nach seiner Burg zu Küßnacht wollte führen.

Fischer.

Und sich mit euch zu Flüelen eingeschifft,

Wir wissen Alles. Sprecht, wie ihr entkommen?

Tell.

Ich lag im Schiff mit Stricken fest gebunden,

Wehrlos, ein aufgegebner Mann — Nicht hofft’ ich,

Das frohe Licht der Sonne mehr zu sehn,

Die Gattin und der Kinder liebes Antlitz,

Und trostlos blickt’ ich in die Wasserwüste —

Fischer.

O armer Mann!

Tell.

So fuhren wir dahin,

Der Vogt, Rudolph der Harras und die Knechte.

Mein Köcher aber mit der Armbrust lag

Am hintern Gransen bei dem Steuerruder.

Und, als wir an die Ecke jetzt gelangt

Beim kleinen Axen, da verhängt’ es Gott,

Daß solch ein grausam mördrisch Ungewitter

Gählings herfürbrach aus des Gotthardts Schlünden,

Daß allen Ruderern das Herz entsank,

Und meinten Alle, elend zu ertrinken.

Da hört’ ich’s, wie der Diener einer sich

Zum Landvogt wendet’ und die Worte sprach:

Ihr sehet eure Noth und unsre, Herr,

Und daß wir All’ am Rand des Todes schweben —

Die Steuerleute aber wissen sich

Vor großer Furcht nicht Rath und sind des Fahrens

Nicht wohl berichtet — Nun aber ist der Tell

Ein starker Mann und weiß ein Schiff zu steuern.

Wie, wenn wir sein jetzt brauchten in der Noth?

Da sprach der Vogt zu mir: Tell, wenn du dir’s

Getrautest, uns zu helfen aus dem Sturm,

So möcht’ ich dich der Bande wohl entled’gen.

Ich aber sprach: Ja, Herr, mit Gottes Hülfe

Getrau’ ich mir’s und helf’ uns wohl hiedannen.

So ward ich meiner Bande los und stand

Am Steuerruder und fuhr redlich hin:

Doch schielt ich seitwärts, wo mein Schießzeug lag,

Und an dem Ufer merkt’ ich scharf umher,

Wo sich ein Vortheil aufthät zum Entspringen.

Und, wie ich eines Felsenriffs gewahre,

Das abgeplattet vorsprang in den See —

Fischer.

Ich kenn’s, es ist am Fuß des großen Axen,

Doch nicht für möglich acht’ ich’s — so gar steil

Geht’s an — vom Schiff es springend abzureichen —

Tell.

Schrie ich den Knechten, handlich zuzugehn,

Bis daß wir vor die Felsenplatte kämen,

Dort, rief ich, sey das Aergste überstanden —

Und, als wir sie frischrudernd bald erreicht,

Fleh’ ich die Gnade Gottes an und drücke,

Mit allen Leibeskräften angestemmt,

Den hintern Gransen an die Felswand hin.

Jetzt, schnell mein Schießzeug fassend, schwing ich selbst

Hochspringend auf die Platte mich hinauf,

Und mit gewalt’gem Fußstoß hinter mich

Schleudr’ ich das Schifflein in den Schlund der Wasser —

Dort mag’s, wie Gott will, auf den Wellen treiben!

So bin ich hier, gerettet aus des Sturmes

Gewalt und aus der schlimmeren der Menschen.

Fischer.

Tell, Tell! ein sichtbar Wunder hat der Herr

An euch gethan; kaum glaub’ ich’s meinen Sinnen.

Doch, saget, wo gedenket ihr jetzt hin?

Denn Sicherheit ist nicht für euch, wofern

Der Landvogt lebend diesem Sturm entkommt.

Tell.

Ich hört’ ihn sagen, da ich noch im Schiff

Gebunden lag, er woll’ bei Brunnen landen,

Und über Schwytz nach seiner Burg mich führen.

Fischer.

Will er den Weg dahin zu Lande nehmen?

Tell.

Er denkt’s.

Fischer.

O, so verbergt euch ohne Säumen!

Nicht zweimal hilft euch Gott aus seiner Hand.

Tell.

Nennt mir den nächsten Weg nach Arth und Küßnacht.

Fischer.

Die offne Straße zieht sich über Steinen;

Doch einen kürzern Weg und heimlichern

Kann euch mein Knabe über Lowerz führen.

Tell

(gibt ihm die Hand)

.

Gott lohn’ euch eure Gutthat. Lebet wohl.

(Geht und kehrt wieder um.)

— Habt ihr nicht auch im Rütli mitgeschworen?

Mir däucht, man nannt’ euch mir —

Fischer.

Ich war dabei

Und hab’ den Eid des Bundes mit beschworen.

Tell.

So eilt nach Bürglen, thut die Lieb mir an!

Mein Weib verzagt um mich; verkündet ihr,

Daß ich gerettet sey und wohl geborgen.

Fischer.

Doch wohin sag’ ich ihr, daß ihr geflohn?

Tell.

Ihr werdet meinen Schwäher bei ihr finden

Und Andre, die im Rütli mit geschworen —

Sie sollen wacker seyn und gutes Muths:

Der Tell sey frei und seines Armes mächtig;

Bald werden sie ein Weitres von mir hören.

Fischer.

Was habt ihr im Gemüth? Entdeckt mir’s frei.

Tell.

Ist es gethan

, wird’s auch zur Rede kommen.

(Geht ab.)

Fischer.

Zeig’ ihm den Weg, Jenni — Gott steh’ ihm bei!

Er führt’s zum Ziel, was er auch unternommen.

(Geht ab.)

Zweite Scene.

Edelhof zu Attinghausen.

Der Freiherr

, in einem Armsessel, sterbend.

Walther

Fürst.

Stauffacher

,

Melchthal

und

Baumgarten

um ihn beschäftigt.

Walther Tell

, kniend

vor dem Sterbenden.

Walther Fürst.

Es ist vorbei mit ihm, er ist hinüber.

Stauffacher.

Er liegt nicht wie ein Todter — Seht, die Feder

Auf seinen Lippen regt sich! Ruhig ist

Sein Schlaf und friedlich lächeln seine Züge.

(Baumgarten geht an die Thüre und spricht mit Jemand.)

Walther Fürst

(zu Baumgarten)

.

Wer ist’s?

Baumgarten

(kommt zurück)

.

Es ist Frau Hedwig, eure Tochter;

Sie will euch sprechen, will den Knaben sehn.

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