Teil 35
Und muntern Laufs führt euch ein andrer Strom
Ins Land Italien hinab, euch das gelobte —
(Man hört den Kuhreihen von vielen Alphörnern geblasen.)
Ich höre Stimmen. Fort!
Hedwig
(eilt herein)
.
Wo bist du, Tell?
Der Vater kommt! Es nahn in frohem Zug
Die Eidgenossen alle —
Parricida
(verhüllt sich)
.
Weh mir!
Ich darf nicht weilen bei den Glücklichen.
Tell.
Geh’, liebes Weib. Erfrische diesen Mann!
Belad’ ihn reich mit Gaben, denn sein Weg
Ist weit, und keine Herberg findet er.
Eile! Sie nahn.
Hedwig.
Wer ist es!
Tell.
Forsche nicht!
Und wenn er geht, so wende deine Augen,
Daß sie nicht sehen, welchen Weg er wandelt!
Parricida geht auf den Tell zu mit einer raschen Bewegung;
dieser aber bedeutet ihm mit der Hand und geht. Wenn Beide zu
verschiedenen Seiten abgegangen, verändert sich der Schauplatz, und
man sieht in der
Letzten Scene.
den ganzen Thalgrund vor Tells Wohnung, nebst den Anhöhen, welche
ihn einschließen, mit Landleuten besetzt, welche sich zu einem
Ganzen gruppiren. Andere kommen über einen hohen Steg, der über
den Schächen führt, gezogen. Walther Fürst mit den beiden Knaben,
Melchthal und Stauffacher kommen vorwärts; Andere drängen nach; wie
Tell heraustritt, empfangen ihn Alle mit lautem Frohlocken.
Alle.
Es lebe Tell! der Schütz und der Erretter!
Indem sich die Vordersten um den Tell drängen und ihn umarmen,
erscheinen noch
Rudenz
und
Bertha
, jener die
Landleute, diese die Hedwig umarmend. Die Musik vom Berge begleitet
diese stumme Scene. Wenn sie geendigt, tritt Bertha in die Mitte
des Volks.
Bertha.
Landleute! Eidgenossen! Nehmt mich auf
In euern Bund, die erste Glückliche,
Die Schutz gefunden in der Freiheit Land.
In eure tapfre Hand leg’ ich mein Recht,
Wollt ihr als eure Bürgerin mich schützen?
Landleute.
Das wollen wir mit Gut und Blut.
Bertha.
Wohlan!
So reich’ ich diesem Jüngling meine Rechte,
Die freie Schweizerin dem freien Mann!
Rudenz.
Und frei erklär’ ich alle meine Knechte.
(Indem die Musik von Neuem rasch einfällt, fällt der Vorhang.)