Teil 16 Wilhelm Tell · Capítulo 16 de 35
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Teil 16

Wer Hirt ist, wintre ruhig seine Heerde

Und werb im Stillen Freunde für den Bund.

Was

noch bis dahin muß erduldet werden,

Erduldet’s! Laßt die Rechnung der Tyrannen

Anwachsen, bis

ein

Tag die allgemeine

Und die besondere Schuld auf einmal zahlt.

Bezähme Jeder die gerechte Wuth,

Und spare für das Ganze seine Rache;

Denn Raub begeht am allgemeinen Gut,

Wer selbst sich hilft in seiner eignen Sache.

(Indem sie zu drei verschiedenen Seiten in größter

Ruhe abgehen, fällt das Orchester mit einem prachtvollen Schwung ein; die

leere Scene bleibt noch eine Zeit lang offen und zeigt das Schauspiel der

aufgehenden Sonne über den Eisgebirgen.)

Dritter Aufzug.

Erste Scene.

Hof vor Tells Hause.

Tell

ist mit der Zimmeraxt,

Hedwig

mit einer

häuslichen Arbeit beschäftigt.

Walther

und

Wilhelm

in

der Tiefe spielen mit einer kleinen Armbrust.

Walther

(singt)

.

Mit dem Pfeil, dem Bogen,

Durch Gebirg’ und Thal,

Kommt der Schütz gezogen

Früh am Morgenstrahl.

Wie im Reich der Lüfte

König ist der Weih —

Durch Gebirg und Klüfte

Herrscht der Schütze frei.

Ihm gehört das Weite;

Was sein Pfeil erreicht,

Das ist seine Beute,

Was da kreucht und fleugt.

(Kommt gesprungen.)

Der Strang ist mir entzwei. Mach mir ihn, Vater.

Tell.

Ich nicht. Ein rechter Schütze hilft sich selbst.

(Knaben entfernen sich.)

Hedwig.

Die Knaben fangen zeitig an zu schießen.

Tell.

Früh übt sich, was ein Meister werden will.

Hedwig.

Ach, wollte Gott, sie lernten’s nie!

Tell.

Sie sollen Alles lernen. Wer durch’s Leben

Sich frisch will schlagen, muß zu Schutz und Trutz

Gerüstet seyn.

Hedwig.

Ach, es wird keiner seine Ruh

Zu Hause finden.

Tell.

Mutter, ich kann’s auch nicht.

Zum Hirten hat Natur mich nicht gebildet;

Rastlos muß ich ein flüchtig Ziel verfolgen.

Dann erst genieß’ ich meines Lebens recht,

Wenn ich mir’s jeden Tag auf’s neu’ erbeute.

Hedwig.

Und an die Angst der Hausfrau denkst du nicht,

Die sich indessen, deiner wartend, härmt.

Denn mich erfüllt’s mit Grausen, was die Knechte

Von euren Wagefahrten sich erzählen.

Bei jedem Abschied zittert mir das Herz,

Daß du mir nimmer werdest wiederkehren.

Ich sehe dich, im wilden Eisgebirg

Verirrt, von einer Klippe zu der andern

Den Fehlsprung thun, seh’, wie die Gemse dich

Rückspringend mit sich in den Abgrund reißt,

Wie eine Windlawine dich verschüttet,

Wie unter dir der trügerische Firn

Einbricht, und du hinabsinkst, ein lebendig

Begrabner, in die schauerliche Gruft —

Ach, den verwegnen Alpenjäger hascht

Der Tod in hundert wechselnden Gestalten!

Das ist ein unglückseliges Gewerb’,

Das halsgefährlich führt am Abgrund hin!

Tell.

Wer frisch umherspäht mit gesunden Sinnen,

Auf Gott vertraut und die gelenke Kraft,

Der ringt sich leicht aus jeder Fahr und Noth;

Den schreckt der Berg nicht, der darauf geboren.

(Er hat seine Arbeit vollendet, legt das Geräth hinweg.)

Jetzt, mein’ ich, hält das Thor auf Jahr und Tag.

Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.

(Nimmt den Hut.)

Hedwig.

Wo gehst du hin?

Tell.

Nach Altorf zu dem Vater.

Hedwig.

Sinnst du auch nichts Gefährliches? Gesteh mir’s!

Tell.

Wie kommst du darauf, Frau?

Hedwig.

Es spinnt sich Etwas

Gegen die Vögte — Auf dem Rütli ward

Getagt, ich weiß, und du bist auch im Bunde.

Tell.

Ich war nicht mit dabei — doch werd’ ich mich

Dem Lande nicht entziehen, wenn es ruft.

Hedwig.

Sie werden dich hinstellen, wo Gefahr ist;

Das Schwerste wird dein Antheil seyn, wie immer.

Tell.

Ein Jeder wird besteuert nach Vermögen.

Hedwig.

Den Unterwaldner hast du auch im Sturme

Ueber den See geschafft — Ein Wunder war’s,

Daß ihr entkommen — Dachtest du denn gar nicht

An Kind und Weib?

Tell.

Lieb Weib, ich dacht’ an euch;

Drum rettet’ ich den Vater seinen Kindern.

Hedwig.

Zu schiffen in dem wüth’gen See! Das heißt

Nicht Gott vertrauen! Das heißt Gott versuchen!

Tell.

Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten.

Hedwig.

Ja, du bist gut und hülfreich, dienest Allen,

Und, wenn du selbst in Noth kommst, hilft dir Keiner.

Tell.

Verhüt’ es Gott, daß ich nicht Hülfe brauche!

(Er nimmt die Armbrust und Pfeile.)

Hedwig.

Was willst du mit der Armbrust? Laß sie hier!

Tell.

Mir fehlt der Arm, wenn mir die Waffe fehlt.

(Die Knaben kommen zurück.)

Walther.

Vater, wo gehst du hin?

Tell.

Nach Altorf, Knabe,

Zum Ehni — Willst du mit?

Walther.

Ja, freilich will ich.

Hedwig.

Der Landvogt ist jetzt dort. Bleib weg von Altorf.

Tell.

Er

geht

, noch heute.

Hedwig.

Drum laß ihn erst fort seyn.

Gemahn’ ihn nicht an dich, du weißt, er grollt uns.

Tell.

Mir soll sein böser Wille nicht viel schaden.

Ich thue recht und scheue keinen Feind.

Hedwig.

Die recht thun, eben die haßt er am meisten.

Tell.

Weil er nicht an sie kommen kann —

Mich

wird

Der Ritter wohl in Frieden lassen, mein’ ich.

Hedwig.

So, weißt du das?

Tell.

Es ist nicht lange her,

Da ging ich jagen durch die wilden Gründe

Des Schächenthals auf menschenleerer Spur,

Und, da ich einsam einen Felsensteig

Verfolgte, wo nicht auszuweichen war,

Denn über mir hing schroff die Felswand her,

Und unten rauschte fürchterlich der Schächen,

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