Teil 23 Wilhelm Tell · Capítulo 23 de 35
Obra Menu

Teil 23

Als ich von Flüelen abfuhr; doch der Sturm,

Der eben jetzt im Anzug ist, und der

Auch mich gezwungen, eilends hier zu landen,

Mag ihre Abfahrt wohl verhindert haben.

Fischer.

Der Tell in Fesseln, in des Vogts Gewalt!

O, glaubt, er wird ihn tief genug vergraben,

Daß er des Tages Licht nicht wieder sieht!

Denn fürchten muß er die gerechte Rache

Des freien Mannes, den er schwer gereizt!

Kunz.

Der Altlandammann auch, der edle Herr

Von Attinghausen, sagt man, lieg’ am Tode.

Fischer.

So bricht der letzte Anker unsrer Hoffnung!

Der war es noch allein, der seine Stimme

Erheben durfte für des Volkes Rechte!

Kunz.

Der Sturm nimmt überhand. Gehabt euch wohl!

Ich nehme Herberg’ in dem Dorf; denn heut

Ist doch an keine Abfahrt mehr zu denken.

(Geht ab.)

Fischer.

Der Tell gefangen, und der Freiherr todt!

Erheb die freche Stirne, Tyrannei,

Wirf alle Scham hinweg! Der Mund der Wahrheit

Ist stumm, das sehn’de Auge ist geblendet,

Der Arm, der retten sollte, ist gefesselt!

Knabe.

Es hagelt schwer. Kommt in die Hütte, Vater,

Es ist nicht kommlich, hier im Freien hausen.

Fischer.

Raset, ihr Winde! Flammt herab, ihr Blitze!

Ihr Wolken berstet! Gießt herunter, Ströme

Des Himmels, und ersäuft das Land! Zerstört

Im Keim die ungeborenen Geschlechter!

Ihr wilden Elemente, werdet Herr!

Ihr Bären, kommt, ihr alten Wölfe wieder

Der großen Wüste! euch gehört das Land.

Wer wird hier leben wollen ohne Freiheit!

Knabe.

Hört, wie der Abgrund tost, der Wirbel brüllt,

So hat’s noch nie gerast in diesem Schlunde!

Fischer.

Zu zielen auf des eignen Kindes Haupt,

Solches ward keinem Vater noch geboten!

Und die Natur soll nicht in wildem Grimm

Sich drob empören — O, mich soll’s nicht wundern,

Wenn sich die Felsen bücken in die See,

Wenn jene Zacken, jene Eisesthürme,

Die nie aufthauten seit dem Schöpfungstag,

Von ihren hohen Kulmen niederschmelzen,

Wenn die Berge brechen, wenn die alten Klüfte

Einstürzen, eine zweite Sündflut alle

Wohnstätten der Lebendigen verschlingt!

(Man hört läuten.)

Knabe.

Hört ihr, sie läuten droben auf dem Berg.

Gewiß hat man ein Schiff in Noth gesehn

Und zieht die Glocke, daß gebetet werde.

(Steigt auf eine Anhöhe.)

Fischer.

Wehe dem Fahrzeug, das, jetzt unterwegs,

In dieser furchtbarn Wiege wird gewiegt!

Hier ist das Steuer unnütz und der Steurer,

Der Sturm ist Meister, Wind und Welle spielen

Ball mit dem Menschen — Da ist nah und fern

Kein Busen, der ihm freundlich Schutz gewährte!

Handlos und schroff ansteigend starren ihm

Die Felsen, die unwirthlichen, entgegen

Und weisen ihm nur ihre steinern schroffe Brust.

Knabe

(deutet links)

.

Vater, ein Schiff! es kommt von Flüelen her.

Fischer.

Gott helf den armen Leuten! Wenn der Sturm

In dieser Wasserkluft sich erst verfangen,

Dann rast er um sich mit des Raubthiers Angst,

Das an des Gitters Eisenstäbe schlägt!

Die Pforte sucht er heulend sich vergebens;

Denn ringsum schränken ihn die Felsen ein,

Die himmelhoch den engen Paß vermauern.

(Er steigt auf eine Anhöhe.)

Knabe.

Es ist das Herrenschiff von Uri, Vater,

Ich kenn’s am rothen Dach und an der Fahne.

Fischer.

Gerichte Gottes! Ja, er ist es selbst,

Der Landvogt, der da fährt — Dort schifft er hin

Und führt im Schiffe sein Verbrechen mit!

Schnell hat der Arm des Rächers ihn gefunden,

Jetzt kennt er über sich den stärkern Herrn.

Diese Wellen geben nicht auf seine Stimme,

Diese Felsen bücken ihre Häupter nicht

Vor seinem Hute — Knabe, bete nicht!

Greif nicht dem Richter in den Arm!

Knabe.

Ich bete für den Landvogt nicht — Ich bete

Für den Tell, der auf dem Schiff sich mit befindet.

Fischer.

O Unvernunft des blinden Elements!

Mußt du, um

einen

Schuldigen zu treffen,

Das Schiff mit sammt dem Steuermann verderben.

Knabe.

Sieh, sieh, sie waren glücklich schon vorbei

Am

Buggisgrat

; doch die Gewalt des Sturms,

Der von dem Teufelsmünster widerprallt,

Wirft sie zum großen

Axenberg

zurück.

— Ich seh sie nicht mehr.

Fischer.

Dort ist das

Hackmesser

,

Wo schon der Schiffe mehrere gebrochen.

Wenn sie nicht weislich dort vorüberlenken,

So wird das Schiff zerschmettert an der Fluh,

Die sich gähstotzig absenkt in die Tiefe.

— Sie haben einen guten Steuermann

Am Bord; könnt’ Einer retten, wär’s der Tell;

Doch dem sind Arm’ und Hände ja gefesselt.

Wilhelm Tell

mit der Armbrust.

(Er kommt mit raschen Schritten, blickt erstaunt umher und zeigt

die heftigste Bewegung. Wenn er mitten auf der Scene ist, wirft er

sich nieder, die Hände zu der Erde und dann zum Himmel ausbreitend).

Knabe

(bemerkt ihn)

.

Sieh, Vater, wer der Mann ist, der dort kniet?

Fischer.

Er faßt die Erde an mit seinen Händen

Und scheint wie außer sich zu seyn.

Knabe

(kommt vorwärts).

Was seh’ ich! Vater! Vater, kommt und seht!

Fischer

(nähert sich)

.

Wer ist es? — Gott im Himmel! Was? der Tell?

Wie kommt ihr hieher? Redet!

Knabe.

Wart ihr nicht

Dort auf dem Schiff gefangen und gebunden?

Fischer.

Ihr wurdet nicht nach Küßnacht abgeführt?

Tell

(steht auf)

.

Ich bin befreit.

Fischer

und

Knabe

.

Befreit! O Wunder Gottes!

Knabe.

Wo kommt ihr her?

Tell.

Dort aus dem Schiffe.

Fischer.

Was?

Knabe

(zugleich)

.

Wo ist der Landvogt?

1/1
Menu

Fazer anotação