Teil 15 Wilhelm Tell · Capítulo 15 de 35
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Teil 15

Von unsern Vätern, wollen wir bewahren,

Nicht ungezügelt nach dem Neuen greifen.

Dem Kaiser bleibe, was des Kaisers ist;

Wer einen Herrn hat, dien’ ihm pflichtgemäß.

Meier.

Ich trage Gut von Oesterreich zu Lehen.

Walther Fürst.

Ihr fahret fort, Oestreich die Pflicht zu leisten.

Jost von Weiler.

Ich steure an die Herrn von Rappersweil.

Walther Fürst.

Ihr fahret fort, zu zinsen und zu steuern.

Rösselmann.

Der großen Frau zu Zürich bin ich vereidet.

Walther Fürst.

Ihr gebt dem Kloster, was des Klosters ist.

Stauffacher.

Ich trage keine Lehen, als des Reichs.

Walther Fürst.

Was seyn muß, das geschehe, doch nicht drüber.

Die Vögte wollen wir mit ihren Knechten

Verjagen und die festen Schlösser brechen;

Doch, wenn es seyn mag, ohne Blut. Es sehe

Der Kaiser, daß wir nothgedrungen nur

Der Ehrfurcht fromme Pflichten abgeworfen.

Und, sieht er uns in unsern Schranken bleiben,

Vielleicht besiegt er staatsklug seinen Zorn;

Denn bill’ge Furcht erwecket sich ein Volk,

Das mit dem Schwerte in der Faust sich

mäßigt

.

Reding.

Doch lasset hören,

wie

vollenden wir’s?

Es hat der Feind die Waffen in der Hand,

Und nicht fürwahr in Frieden wird er weichen.

Stauffacher.

Er wird’s, wenn er in Waffen uns erblickt;

Wir überraschen ihn, eh’ er sich rüstet.

Meier.

Ist bald gesprochen, aber schwer gethan.

Uns ragen in dem Land zwei feste Schlösser,

Die geben Schirm dem Feind und werden furchtbar,

Wenn uns der König in das Land sollt’ fallen.

Roßberg und Sarnen muß bezwungen seyn,

Eh man ein Schwert erhebt in den drei Landen.

Stauffacher.

Säumt man so lang, so wird der Feind gewarnt;

Zu Viele sind’s, die das Geheimniß theilen.

Meier.

In den Waldstätten find’t sich kein Verräther.

Rösselmann.

Der Eifer auch, der gute, kann verrathen.

Walther Fürst.

Schiebt man es auf, so wird der Twing vollendet

In Altorf, und der Vogt befestigt sich.

Meier.

Ihr denkt an

euch

.

Sigrist.

Und ihr seyd ungerecht.

Meier

(auffahrend)

.

Wir ungerecht! Das darf uns Uri bieten!

Reding.

Bei eurem Eide, Ruh!

Meier.

Ja, wenn sich Schwytz

Versteht mit Uri, müssen

wir

wohl schweigen.

Reding.

Ich muß euch weisen vor der Landsgemeinde,

Daß ihr mit heft’gem Sinn den Frieden stört!

Stehn wir nicht Alle für dieselbe Sache?

Winkelried.

Wenn wir’s verschieben bis zum Fest des Herrn,

Dann bringt’s die Sitte mit, daß alle Sassen

Dem Vogt Geschenke bringen auf das Schloß.

So können zehen Männer oder zwölf

Sich unverdächtig in der Burg versammeln,

Die führen heimlich spitz’ge Eisen mit,

Die man geschwind kann an die Stäbe stecken,

Denn Niemand kommt mit Waffen in die Burg.

Zunächst im Wald hält dann der große Haufe,

Und, wenn die Andern glücklich sich des Thors

Ermächtiget, so wird ein Horn geblasen,

Und jene brechen aus dem Hinterhalt.

So wird das Schloß mit leichter Arbeit unser.

Melchthal.

Den Roßberg übernehm’ ich zu ersteigen,

Denn eine Dirn’ des Schlosses ist mir hold,

Und leicht bethör’ ich sie, zum nächtlichen

Besuch die schwanke Leiter mir zu reichen;

Bin ich droben erst, zieh’ ich die Freunde nach.

Reding.

Ist’s Aller Wille, daß verschoben werde?

(Die Mehrheit erhebt die Hand.)

Stauffacher

(zählt die Stimmen)

.

Es ist ein Mehr von Zwanzig gegen Zwölf.

Walther Fürst.

Wenn am bestimmten Tag die Burgen fallen,

So geben wir von einem Berg zum andern

Das Zeichen mit dem Rauch; der Landsturm wird

Aufgeboten, schnell, im Hauptort jedes Landes;

Wenn dann die Vögte sehn der Waffen Ernst,

Glaubt mir, sie werden sich des Streits begeben,

Und gern ergreifen friedliches Geleit,

Aus unsern Landesmarken zu entweichen.

Stauffacher.

Nur mit dem Geßler fürcht’ ich schweren Stand,

Furchtbar ist er mit Reisigen umgeben;

Nicht ohne Blut räumt er das Feld, ja, selbst

Vertrieben bleibt er furchtbar noch dem Land.

Schwer ist’s und fast gefährlich, ihn zu schonen.

Baumgarten.

Wo’s halsgefährlich ist, da stellt

mich

hin!

Dem Tell verdank’ ich mein gerettet Leben.

Gern schlag’ ich’s in die Schanze für das Land,

Mein’ Ehr’ hab’ ich beschützt, mein Herz befriedigt.

Reding.

Die Zeit bringt Rath. Erwartet’s in Geduld.

Man muß dem Augenblick auch was vertrauen.

— Doch seht, indeß wir nächtlich hier noch tagen,

Stellt auf den höchsten Bergen schon der Morgen

Die glüh’nde Hochwacht aus — Kommt, laßt uns scheiden,

Eh uns des Tages Leuchten überrascht.

Walther Fürst.

Sorgt nicht, die Nacht weicht langsam aus den Thälern.

(Alle haben unwillkürlich die Hüte abgenommen und

betrachten mit stiller Sammlung die Morgenröthe.)

Rösselmann.

Bei diesem Licht, das uns zuerst begrüßt

Von allen Völkern, die tief unter uns

Schwer athmend wohnen in dem Qualm der Städte,

Laßt uns den Eid des neuen Bundes schwören.

— Wir wollen seyn ein einzig Volk von Brüdern,

In keiner Noth uns trennen und Gefahr.

(Alle sprechen es nach mit erhobenen drei Fingern.)

Wir wollen frei seyn, wie die Väter waren,

Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.

(Wie oben.)

— Wir wollen trauen auf den höchsten Gott

Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.

(Wie oben. Die Landleute umarmen einander.)

Stauffacher.

Jetzt gehe Jeder seines Weges still

Zu seiner Freundschaft und Genoßsame.

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