Teil 29 Wilhelm Tell · Capítulo 29 de 35
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Teil 29

Das waren wir. Mein Lebtag denk’ ich dran —

Stüssi.

O, bleibt, erzählt!

Frießhardt.

Laßt mich, ich muß voraus,

Den Landvogt muß ich in der Burg verkünden.

(Ab.)

Stüssi.

Wär’n gute Leute auf dem Schiff gewesen,

In Grund gesunken wär’s mit Mann und Maus;

Dem

Volk kann weder Wasser bei noch Feuer.

(Er sieht sich um.)

Wo kam der Waidmann hin, mit dem ich sprach?

(Geht ab.)

Geßler

und

Rudolph der Harras

zu Pferd.

Geßler.

Sagt, was ihr wollt, ich bin des Kaisers Diener

Und muß drauf denken, wie ich ihm gefalle.

Er hat mich nicht ins Land geschickt, dem Volk

Zu schmeicheln und ihm sanft zu thun — Gehorsam

Erwartet er; der Streit ist, ob der Bauer

Soll Herr seyn in dem Lande oder der Kaiser.

Armgart.

Jetzt ist der Augenblick! Jetzt bring’ ich’s an!

(Nähert sich furchtsam.)

Geßler.

Ich hab’ den Hut nicht aufgesteckt zu Altorf

Des Scherzes wegen, oder um die Herzen

Des Volks zu prüfen; diese kenn’ ich längst.

Ich hab’ ihn aufgesteckt, daß sie den Nacken

Mir lernen beugen, den sie aufrecht tragen —

Das

Unbequeme

hab’ ich hingepflanzt

Auf ihren Weg, wo sie vorbeigehn müssen,

Daß sie drauf stoßen mit dem Aug’, und sich

Erinnern ihres Herrn, den sie vergessen.

Rudolph.

Das Volk hat aber doch gewisse Rechte —

Geßler.

Die abzuwägen, ist jetzt keine Zeit!

— Weitschicht’ge Dinge sind im Werk und Werden;

Das Kaiserhaus will wachsen; was der Vater

Glorreich begonnen, will der Sohn vollenden.

Dies kleine Volk ist uns ein Stein im Weg —

So oder so — es muß sich unterwerfen.

(Sie wollen vorüber. Die Frau wirft sich vor dem Landvogt nieder.)

Armgart.

Barmherzigkeit, Herr Landvogt! Gnade! Gnade!

Geßler.

Was dringt ihr euch auf offner Straße mir

In Weg — Zurück!

Armgart.

Mein Mann liegt im Gefängniß;

Die armen Waisen schrein nach Brod — Habt Mitleid,

Gestrenger Herr, mit unserm großen Elend?

Rudolph.

Wer seyd ihr? Wer ist euer Mann?

Armgart.

Ein armer

Wildheuer, guter Herr, vom Rigiberge,

Der überm Abgrund weg das freie Gras

Abmähet von den schroffen Felsenwänden,

Wohin das Vieh sich nicht getraut zu steigen —

Rudolph

(zum Landvogt)

.

Bei Gott! ein elend und erbärmlich Leben!

Ich bitt’ euch, gebt ihn los, den armen Mann!

Was er auch Schweres mag verschuldet haben,

Strafe genug ist sein entsetzlich Handwerk.

(Zu der Frau.)

Euch soll Recht werden — Drinnen auf der Burg

Nennt eure Bitte — Hier ist nicht der Ort.

Armgart.

Nein, nein, ich weiche nicht von diesem Platz,

Bis mir der Vogt den Mann zurückgegeben!

Schon in den sechsten Mond liegt er im Thurm

Und harret auf den Richterspruch vergebens.

Geßler.

Weib, wollt ihr mir Gewalt anthun? Hinweg!

Armgart.

Gerechtigkeit, Landvogt! Du bist der Richter

Im Lande an des Kaisers Statt und Gottes.

Thu deine Pflicht! So du Gerechtigkeit

Vom Himmel hoffest, so erzeig sie uns!

Geßler.

Fort! Schafft das freche Volk mir aus den Augen.

Armgart

(greift in die Zügel des Pferdes)

.

Nein, nein, ich habe nichts mehr zu verlieren.

— Du kommst nicht von der Stelle, Vogt, bis du

Mir Recht gesprochen — Falte deine Stirne,

Rolle die Augen, wie du willst — Wir sind

So gränzenlos unglücklich, daß wir nichts

Nach deinem Zorn mehr fragen —

Geßler.

Weib, mach Platz

Oder mein Roß geht über dich hinweg.

Armgart.

Laß es über mich dahin gehn — Da —

(Sie reißt ihre Kinder zu Boden und wirft sich mit

ihnen ihm in den Weg.)

Hier lieg’ ich

Mit meinen Kindern — Laß die armen Waisen

Von deines Pferdes Huf zertreten werden!

Es ist das Aergste nicht, was du gethan —

Rudolph.

Weib, seyd ihr rasend?

Armgart

(heftiger fortfahrend)

.

Tratest du doch längst

Das Land des Kaisers unter deine Füße!

— O, ich bin nur ein Weib. Wär’ ich ein Mann,

Ich wüßte wohl was Besseres, als hier

Im Staub zu liegen —

(Man hört die vorige Musik wieder auf der Höhe des

Wegs, aber gedämpft.)

Geßler.

Wo sind meine Knechte?

Man reiße sie von hinnen oder ich

Vergesse mich und thue, was mich reuet.

Rudolph.

Die Knechte können nicht hindurch, o Herr!

Der Hohlweg ist gesperrt durch eine Hochzeit.

Geßler.

Ein allzu milder Herrscher bin ich noch

Gegen dies Volk — die Zungen sind noch frei,

Es ist noch nicht ganz, wie es soll, gebändigt —

Doch es soll anders werden, ich gelob’ es;

Ich will ihn brechen, diesen starren Sinn,

Den kecken Geist der Freiheit will ich beugen,

Ein neu Gesetz will ich in diesen Landen

Verkündigen — Ich will —

(Ein Pfeil durchbohrt ihn; er fährt mit der Hand ans Herz und will

sinken. Mit matter Stimme.)

Gott sey mir gnädig!

Rudolph.

Herr Landvogt — Gott! Was ist das? Woher kam das?

Armgart

(auffahrend)

.

Mord! Mord! Er taumelt, sinkt! Er ist getroffen!

Rudolph

(springt vom Pferde)

.

Welch gräßliches Ereigniß — Gott — Herr Ritter —

Ruft die Erbarmung Gottes an! Ihr seyd

Ein Mann des Todes!

Geßler.

Das ist Tells Geschoß.

(Ist vom Pferde herab dem Rudolph Harras in den Arm

gegleitet und wird auf der Bank niedergelassen.)

Tell

(erscheint oben auf der Höhe des Felsen).

Du kennst den Schützen, suche keinen andern!

Frei sind die Hütten, sicher ist die Unschuld

Vor dir, du wirst dem Lande nicht mehr schaden.

(Verschwindet von der Höhe. Volk stürzt herein.)

Stüssi

(voran)

.

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