Teil 18 Wilhelm Tell · Capítulo 18 de 35
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Teil 18

Wenn ich der Macht des Kaisers widerstrebe?

Ist’s der Verwandten mächt’ger Wille nicht,

Der über eure Hand tyrannisch waltet?

Bertha.

In den Waldstätten liegen meine Güter,

Und, ist der Schweizer frei, so bin auch ich’s.

Rudenz.

Bertha, welch einen Blick thut ihr mir auf!

Bertha.

Hofft nicht durch Oestreichs Gunst mich zu erringen;

Nach meinem Erbe strecken sie die Hand,

Das will man mit dem großen Erb’ vereinen.

Dieselbe Ländergier, die eure Freiheit

Verschlingen will, sie drohet auch der meinen!

— O Freund, zum Opfer bin ich ausersehn,

Vielleicht, um einen Günstling zu belohnen —

Dort, wo die Falschheit und die Ränke wohnen,

Hin an den Kaiserhof will man mich ziehn;

Dort harren mein verhaßter Ehe Ketten;

Die Liebe nur — die eure kann mich retten!

Rudenz.

Ihr könntet euch entschließen, hier zu leben,

In meinem Vaterlande mein zu seyn?

O Bertha, all’ mein Sehnen in die Weite,

Was war es, als ein Streben nur nach euch?

Euch sucht’ ich einzig auf dem Weg des Ruhms,

Und all mein Ehrgeiz war nur meine Liebe.

Könnt ihr mit mir euch in das stille Thal

Einschließen und der Erde Glanz entsagen —

O, dann ist meines Strebens Ziel gefunden;

Dann mag der Strom der wildbewegten Welt

Ans sichre Ufer dieser Berge schlagen —

Kein flüchtiges Verlangen hab’ ich mehr

Hinaus zu senden in des Lebens Weiten —

Dann mögen diese Felsen um uns her

Die undurchdringlich feste Mauer breiten,

Und dieß verschloßne sel’ge Thal allein

Zum Himmel offen und gelichtet seyn!

Bertha.

Jetzt bist du ganz, wie dich mein ahnend Herz

Geträumt, mich hat mein Glaube nicht betrogen!

Rudenz.

Fahr hin, du eitler Wahn, der mich bethört!

Ich soll das Glück in meiner Heimat finden.

Hier, wo der Knabe fröhlich aufgeblüht,

Wo tausend Freudespuren mich umgeben,

Wo alle Quellen mir und Bäume leben,

Im Vaterland willst du die Meine werden!

Ach, wohl hab’ ich es stets geliebt! Ich fühl’s,

Es fehlte mir zu jedem Glück der Erden.

Bertha.

Wo wär’ die sel’ge Insel aufzufinden,

Wenn sie nicht hier ist, in der Unschuld Land,

Hier, wo die alte Treue heimisch wohnt,

Wo sich die Falschheit noch nicht hingefunden?

Da trübt kein Neid die Quelle unsers Glücks,

Und ewig hell entfliehen uns die Stunden.

— Da seh’ ich

dich

im echten Männerwerth,

Den Ersten von den Freien und den Gleichen,

Mit reiner, freier Huldigung verehrt,

Groß, wie ein König wirkt in seinen Reichen.

Rudenz.

Da seh’ ich

dich

, die Krone aller Frauen,

In weiblich reizender Geschäftigkeit,

In meinem Haus den Himmel mir erbauen

Und, wie der Frühling seine Blumen streut,

Mit schöner Anmuth mir das Leben schmücken

Und Alles rings beleben und beglücken!

Bertha.

Sieh, theurer Freund, warum ich trauerte,

Als ich dies höchste Lebensglück dich selbst

Zerstören sah — Weh mir! Wie ständ’s um mich,

Wenn ich dem stolzen Ritter müßte folgen,

Dem Landbedrücker, auf sein finstres Schloß!

— Hier ist kein Schloß. Mich scheiden keine Mauern

Von einem Volk, das ich beglücken kann!

Rudenz.

Doch wie mich retten — wie die Schlinge lösen,

Die ich mir thöricht selbst ums Haupt gelegt?

Bertha.

Zerreiße sie mit männlichem Entschluß.

Was auch draus werde — steh zu deinem Volk!

Es ist dein angeborner Platz.

(Jagdhörner in der Ferne.)

Bertha.

Die Jagd

Kommt näher — fort, wir müssen scheiden — Kämpfe

Fürs Vaterland, du kämpfst für deine Liebe!

Es ist

ein

Feind, vor dem wir alle zittern,

Und

eine

Freiheit macht uns Alle frei!

(Gehen ab.)

Dritte Scene.

Wiese bei Altorf.

Im Vordergrunde Bäume, in der Tiefe der Hut auf einer Stange.

Der Prospekt wird begränzt durch den Bannberg, über welchem ein

Schneegebirg emporragt.

Frießhardt

und

Leuthold

halten Wache.

Frießhardt.

Wir passen auf umsonst. Es will sich Niemand

Heran begeben und dem Hut sein’ Reverenz

Erzeigen. ’s war doch sonst wie Jahrmarkt hier;

Jetzt ist der ganze Anger wie verödet;

Seitdem der Popanz auf der Stange hängt.

Leuthold.

Nur schlecht Gesindel läßt sich sehn und schwingt

Uns zum Verdrieße die zerlumpten Mützen.

Was rechte Leute sind, die machen lieber

Den langen Umweg um den halben Flecken,

Eh sie den Rücken beugten vor dem Hut.

Frießhardt.

Sie müssen über diesen Platz, wenn sie

Vom Rathhaus kommen um die Mittagsstunde.

Da meint’ ich schon, ’nen guten Fang zu thun,

Denn Keiner dachte dran, den Hut zu grüßen.

Da sieht’s der Pfaff, der Rösselmann — kam just

Von einem Kranken her — und stellt sich hin

Mit dem Hochwürdigen, grad’ vor die Stange —

Der Sigrist mußte mit dem Glöcklein schellen;

Da fielen All’ aufs Knie, ich selber mit,

Und grüßten die Monstranz, doch nicht den Hut.

Leuthold.

Höre, Gesell, es fängt mir an zu däuchten,

Wir stehen hier am Pranger vor dem Hut;

’s ist doch ein Schimpf für einen Reitersmann,

Schildwach zu stehn vor einem leeren Hut —

Und jeder rechte Kerl muß uns verachten.

— Die Reverenz zu machen einem Hut,

Es ist doch, traun, ein närrischer Befehl!

Frießhardt.

Warum nicht einem leeren, hohlen Hut!

Bückst du dich doch vor manchem hohlen Schädel.

Hildegard

,

Mechthild

und

Elsbeth

treten auf mit Kindern und stellen sich um die Stange.

Leuthold.

Und du bist auch so ein dienstfert’ger Schurke

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