Teil 05 Wilhelm Tell · Capítulo 5 de 35
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Teil 05

Gewachsen sieht! — Das schlendert wie die Schnecken!

(Zu zwei Handlangern, welche tragen.)

Heißt das geladen? Gleich das Doppelte!

Wie die Tagdiebe ihre Pflicht bestehlen!

Erster Gesell.

Das ist doch hart, daß wir die Steine selbst

Zu unserm Twing und Kerker sollen fahren!

Frohnvogt.

Was murret ihr? Das ist ein schlechtes Volk,

Zu nichts anstellig als das Vieh zu melken

Und faul herum zu schlendern auf den Bergen.

Alter Mann

(ruht aus)

.

Ich kann nicht mehr.

Frohnvogt

(schüttelt ihn)

.

Frisch, Alter, an die Arbeit!

Erster Gesell.

Habt ihr denn gar kein Eingeweid, daß ihr

Den Greis, der kaum sich selber schleppen kann,

Zum harten Frohndienst treibt?

Meister Steinmetz

und

Gesellen

.

’s ist himmelschreiend!

Frohnvogt.

Sorgt ihr für euch; ich thu’, was meines Amts.

Zweiter Gesell.

Frohnvogt, wie wird die Feste denn sich nennen,

Die wir da baun?

Frohnvogt.

Zwing Uri

soll sie heißen;

Denn unter dieses Joch wird man euch beugen.

Gesellen.

Zwing Uri!

Frohnvogt.

Nun, was gibt’s dabei zu lachen?

Zweiter Gesell.

Mit diesem Häuslein wollt ihr Uri zwingen?

Erster Gesell.

Laß sehn, wie viel man solcher Maulwurfshaufen

Muß über ’nander setzen, bis ein Berg

Draus wird, wie der geringste nur in Uri!

(Frohnvogt geht nach dem Hintergrund.)

Meister Steinmetz.

Den Hammer werf’ ich in den tiefsten See,

Der mir gedient bei diesem Fluchgebäude!

Tell

und

Stauffacher

kommen.

Stauffacher.

O, hätt’ ich nie gelebt, um das zu schauen!

Tell.

Hier ist nicht gut seyn. Laßt uns weiter gehn.

Stauffacher.

Bin ich zu Uri, in der Freiheit Land?

Meister Steinmetz.

O Herr, wenn ihr die Keller erst gesehn

Unter den Thürmen! Ja, wer

die

bewohnt,

Der wird den Hahn nicht fürder krähen hören.

Stauffacher.

O Gott!

Steinmetz.

Seht diese Flanken, diese Strebepfeiler,

Die stehn, wie für die Ewigkeit gebaut!

Tell.

Was Hände bauten, können Hände stürzen,

(Nach den Bergen zeigend.)

Das Haus der Freiheit hat uns Gott gegründet.

Man hört eine Trommel, es kommen Leute, die einen Hut auf einer

Stange tragen, ein

Ausrufer

folgt ihnen, Weiber und Kinder

dringen tumultuarisch nach.

Erster Gesell.

Was will die Trommel? Gebet Acht!

Meister Steinmetz.

Was für

Ein Faßnachtsaufzug, und was soll der Hut?

Ausrufer.

In des Kaisers Namen! Höret!

Gesellen.

Still doch! Höret!

Ausrufer.

Ihr sehet diesen Hut, Männer von Uri!

Aufrichten wird man ihn auf hoher Säule,

Mitten in Altorf, an dem höchsten Ort,

Und dieses ist des Landvogts Will’ und Meinung:

Dem Hut soll gleiche Ehre, wie ihm selbst, geschehn.

Man soll ihn mit gebognem Knie und mit

Entblößtem Haupt verehren — Daran will

Der König die Gehorsamen erkennen.

Verfallen ist mit seinem Leib und Gut

Dem Könige, wer das Gebot verachtet.

(Das Volk lacht laut auf, die Trommel wird gerührt, sie gehen

vorüber.)

Erster Gesell.

Welch neues Unerhörtes hat der Vogt

Sich ausgesonnen! Wir ’nen Hut verehren!

Sagt! Hat man je vernommen von dergleichen?

Meister Steinmetz.

Wir unsre Kniee beugen einem Hut?

Treibt er sein Spiel mit ernsthaft würd’gen Leuten?

Erster Gesell.

Wär’s noch die kaiserliche Kron’! So ist’s

Der Hut von Oesterreich; ich sah ihn hangen

Ueber dem Thron, wo man die Lehen gibt!

Meister Steinmetz.

Der Hut von Oesterreich! Gebt Acht, es ist

Ein Fallstrick, uns an Oestreich zu verrathen!

Gesellen.

Kein Ehrenmann wird sich der Schmach bequemen!

Meister Steinmetz.

Kommt, laßt uns mit den Andern Abred nehmen.

(Sie gehen nach der Tiefe.)

Tell

(zum Stauffacher)

.

Ihr wisset nun Bescheid. Lebt wohl, Herr Werner!

Stauffacher.

Wo wollt ihr hin? O eilt nicht so von dannen.

Tell.

Mein Haus entbehrt des Vaters. Lebet wohl.

Stauffacher.

Mir ist das Herz so voll, mit euch zu reden.

Tell.

Das schwere Herz wird nicht durch Worte leicht.

Stauffacher.

Doch könnten Worte uns zu Thaten führen.

Tell.

Die einz’ge That ist jetzt Geduld und Schweigen.

Stauffacher.

Soll man ertragen, was unleidlich ist?

Tell.

Die schnellen Herrscher sind’s, die kurz regieren.

— Wenn sich der Föhn erhebt aus seinen Schlünden,

Löscht man die Feuer aus, die Schiffe suchen

Eilends den Hafen, und der mächt’ge Geist

Geht ohne Schaden spurlos über die Erde.

Ein Jeder lebe still bei sich daheim;

Dem Friedlichen gewährt man gern den Frieden.

Stauffacher.

Meint ihr?

Tell.

Die Schlange sticht nicht ungereizt.

Sie werden endlich doch von selbst ermüden,

Wenn sie die Lande ruhig bleiben sehn.

Stauffacher.

Wir könnten viel, wenn wir zusammen ständen.

Tell.

Beim Schiffbruch hilft der Einzelne sich leichter.

Stauffacher.

So kalt verlaßt ihr die gemeine Sache?

Tell.

Ein Jeder zählt nur sicher auf sich selbst.

Stauffacher.

Verbunden werden auch die Schwachen mächtig.

Tell.

Der Starke ist am mächtigsten

allein

.

Stauffacher.

So kann das Vaterland auf euch nicht zählen,

Wenn es verzweiflungsvoll zur Nothwehr greift?

Tell

(gibt ihm die Hand)

.

Der Tell holt ein verlornes Lamm vom Abgrund

Und sollte seinen Freunden sich entziehen?

Doch,

was

ihr thut, laßt mich aus eurem

Rath

!

Ich kann nicht lange prüfen oder wählen;

Bedürft ihr meiner zu bestimmter

That

,

Dann ruft den Tell, es soll an mir nicht fehlen.

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