Teil 13 Wilhelm Tell · Capítulo 13 de 35
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Teil 13

Nicht mir, dem Alter sey die Ehre.

Im Hofe.

Die meisten Jahre zählt Ulrich der Schmid.

Auf der Mauer.

Der Mann ist wacker, doch nicht freien Stands;

Kein eigner Mann kann Richter seyn in Schwytz.

Stauffacher.

Steht nicht Herr Reding hier, der Altlandammann?

Was suchen wir noch einen Würdigern?

Walther Fürst.

Er sey der Ammann und des Tages Haupt!

Wer dazu stimmt, erhebe seine Hände.

(Alle heben die rechte Hand auf.)

Reding

(tritt in die Mitte)

.

Ich kann die Hand nicht auf die Bücher legen;

So schwör’ ich droben bei den ew’gen Sternen,

Daß ich mich nimmer will vom Recht entfernen.

(Man richtet die zwei Schwerter vor ihm auf, der Ring bildet sich

um ihn her, Schwytz hält die Mitte, rechts stellt sich Uri und

links Unterwalden. Er steht auf sein Schlachtschwert gestützt.)

Was ist’s, das die drei Völker des Gebirgs

Hier an des Sees unwirthlichem Gestade

Zusammenführte in der Geisterstunde?

Was soll der Inhalt seyn des neuen Bunds,

Den wir hier unterm Sternenhimmel stiften?

Stauffacher

(tritt in den Ring)

.

Wir stiften keinen neuen Bund; es ist

Ein uralt Bündniß nur von Väter Zeit,

Das wir erneuern! Wisset, Eidgenossen!

Ob uns der See, ob uns die Berge scheiden,

Und jedes Volk sich für sich selbst regiert,

So sind wir

eines

Stammes doch und Bluts,

Und

eine

Heimat ist’s, aus der wir zogen.

Winkelried.

So ist es wahr, wie’s in den Liedern lautet,

Daß wir von fern her in das Land gewallt?

O, theilt’s uns mit, was euch davon bekannt,

Daß sich der neue Bund am alten stärke.

Stauffacher.

Hört, was die alten Hirten sich erzählen.

— Es war ein großes Volk, hinten im Lande

Nach Mitternacht, das litt von schwerer Theurung.

In dieser Noth beschloß die Landsgemeinde,

Daß je der zehnte Bürger nach dem Loos

Der Väter Land verlasse — Das geschah!

Und zogen aus wehklagend, Männer und Weiber,

Ein großer Heerzug nach der Mittagssonne,

Mit dem Schwert sich schlagend durch das deutsche Land,

Bis an das Hochland dieser Waldgebirge;

Und eher nicht ermüdete der Zug,

Bis daß sie kamen in das wilde Thal,

Wo jetzt die Muotta zwischen Wiesen rinnt —

Nicht Menschenspuren waren hier zu sehen,

Nur eine Hütte stand am Ufer einsam.

Da saß ein Mann und wartete der Fähre —

Doch heftig wogete der See und war

Nicht fahrbar; da besahen sie das Land

Sich näher und gewahrten schöne Fülle

Des Holzes und entdeckten gute Brunnen,

Und meinten, sich im lieben Vaterland

Zu finden — Da beschlossen sie zu bleiben,

Erbaueten den alten Flecken

Schwytz

Und hatten manchen sauren Tag, den Wald

Mit weit verschlungnen Wurzeln auszuroden —

Drauf, als der Boden nicht mehr Gnügen that

Der Zahl des Volks, da zogen sie hinüber.

Zum schwarzen Berg, ja, bis ans Weißland hin,

Wo hinter ew’gem Eiseswall verborgen,

Ein andres Volk in andern Zungen spricht.

Den Flecken

Stanz

erbauten sie am Kernwald,

Den Flecken

Altorf

in dem Thal der Reuß —

Doch blieben sie des Ursprungs stets gedenk;

Aus all’ den fremden Stämmen, die seitdem

In Mitte ihres Lands sich angesiedelt,

Finden die Schwytzer Männer sich heraus,

Es gibt das Herz, das Blut sich zu erkennen.

(Reicht rechts und links die Hand hin.)

Auf der Mauer.

Ja, wir sind

eines

Herzens,

eines

Bluts!

Alle

(sich die Hände reichend)

.

Wir sind ein

Volk

, und einig wollen wir handeln.

Stauffacher.

Die andern Völker tragen fremdes Joch,

Sie haben sich dem Sieger unterworfen.

Es leben selbst in unsern Landesmarken

Der Sassen viel, die fremde Pflichten tragen,

Und ihre Knechtschaft erbt auf ihre Kinder.

Doch

wir

, der alten Schweizer echter Stamm,

Wir haben stets die Freiheit uns bewahrt.

Nicht unter Fürsten bogen wir das Knie,

Freiwillig wählten wir den Schirm der Kaiser.

Rösselmann.

Frei wählten wir des Reiches Schutz und Schirm;

So steht’s bemerkt in Kaiser Friedrichs Brief.

Stauffacher.

Denn herrenlos ist auch der Freiste nicht.

Ein Oberhaupt muß seyn, ein höchster Richter,

Wo man das Recht mag schöpfen in dem Streit.

Drum haben unsre Väter für den Boden,

Den sie der alten Wildniß abgewonnen,

Die Ehr’ gegönnt dem Kaiser, der den Herrn

Sich nennt der deutschen und der wälschen Erde,

Und, wie die andern Freien seines Reichs,

Sich ihm zu edlem Waffendienst gelobt;

Denn dieses ist der Freien einz’ge Pflicht,

Das Reich zu schirmen, das sie selbst beschirmt.

Melchthal.

Was drüber ist, ist Merkmal eines Knechts.

Stauffacher.

Sie folgten, wenn der Heribann erging,

Dem Reichspanier und schlugen seine Schlachten.

Nach Welschland zogen sie gewappnet mit,

Die Römerkron’ ihm auf das Haupt zu setzen.

Daheim regierten sie sich fröhlich selbst

Nach altem Brauch und eigenem Gesetz;

Der höchste Blutbann war allein des Kaisers.

Und dazu ward bestellt ein großer Graf,

Der hatte seinen Sitz nicht in dem Lande.

Wenn Blutschuld kam, so rief man ihn herein,

Und unter offnem Himmel schlicht und klar,

Sprach er das Recht und ohne Furcht der Menschen.

Wo sind hier Spuren, daß wir Knechte sind?

Ist einer, der es anders weiß, der rede!

Im Hofe.

Nein, so verhält sich Alles, wie ihr sprecht,

Gewaltherrschaft ward nie bei uns geduldet.

Stauffacher.

Dem Kaiser selbst versagten wir Gehorsam,

Da er das Recht zu Gunst der Pfaffen bog.

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