Teil 32 Wilhelm Tell · Capítulo 32 de 35
Obra Menu

Teil 32

Der König ritt herab vom Stein zu Baden,

Gen Rheinfeld, wo die Hofstatt war, zu ziehn,

Mit ihm die Fürsten

Hans

und

Leopold

Und ein Gefolge hochgeborner Herren.

Und, als sie kamen an die

Reuß

, wo man

Auf einer Fähre sich läßt übersetzen,

Da drängten sich die Mörder in das Schiff,

Daß sie den Kaiser vom Gefolge trennten.

Drauf, als der Fürst durch ein geackert Feld

Hinreitet — eine alte große Stadt

Soll drunter liegen aus der Heidenzeit —

Die alte Veste Habsburg im Gesicht,

Wo seines Stammes Hoheit ausgegangen —

Stößt Herzog Hans den Dolch ihm in die Kehle,

Rudolph von Palm durchrennt ihn mit dem Speer,

Und Eschenbach zerspaltet ihm das Haupt,

Daß er heruntersinkt in seinem Blut,

Gemordet von den Seinen

auf

dem Seinen.

Am andern Ufer sahen sie die That;

Doch, durch den Strom geschieden, konnten sie

Nur ein ohnmächtig Wehgeschrei erheben;

Am Wege aber saß ein armes Weib,

In ihrem Schooß verblutete der Kaiser.

Melchthal.

So hat er nur sein frühes Grab gegraben,

Der unersättlich Alles wollte haben!

Stauffacher.

Ein ungeheurer Schrecken ist im Land umher;

Gesperrt sind alle Pässe des Gebirgs;

Jedweder Stand verwahret seine Gränzen;

Die alte Zürich selbst schloß ihre Thore,

Die dreißig Jahr lang offen standen, zu,

Die Mörder fürchtend und noch mehr — die Rächer.

Denn, mit des Bannes Fluch bewaffnet, kommt

Der Ungarn Königin, die strenge Agnes,

Die nicht die Milde kennet ihres zarten

Geschlechts, des Vaters königliches Blut

Zu rächen an der Mörder ganzem Stamm,

An ihren Knechten, Kindern, Kindeskindern,

Ja, an den Steinen ihrer Schlösser selbst.

Geschworen hat sie, ganze Zeugungen

Hinabzusenden in des Vaters Grab,

In Blut sich, wie in Maienthau, zu baden.

Melchthal.

Weiß man, wo sich die Mörder hingeflüchtet?

Stauffacher.

Sie flohen alsbald nach vollbrachter That

Auf fünf verschiednen Straßen auseinander

Und trennten sich, um nie sich mehr zu sehn —

Herzog Johann soll irren im Gebirge.

Walther Fürst.

So trägt die Unthat ihnen keine Frucht!

Rache trägt keine Frucht! Sich selbst ist sie

Die fürchterliche Nahrung, ihr Genuß

Ist Mord, und ihre Sättigung das Grausen.

Stauffacher.

Den Mördern bringt die Unthat nicht Gewinn;

Wir

aber brechen mit der reinen Hand

Des blut’gen Frevels segenvolle Frucht.

Denn einer großen Furcht sind wir entledigt:

Gefallen ist der Freiheit größter Feind,

Und, wie verlautet, wird das Scepter gehn

Aus Habsburgs Haus zu einem andern Stamm;

Das Reich will seine Wahlfreiheit behaupten.

Walther Fürst

und

Mehrere

.

Vernahmt ihr was?

Stauffacher.

Der Graf von Luxemburg

Ist von den mehrsten Stimmen schon bezeichnet.

Walther Fürst.

Wohl uns, daß wir beim Reiche treu gehalten;

Jetzt ist zu hoffen auf Gerechtigkeit!

Stauffacher.

Dem neuen Herrn thun tapfre Freunde noth;

Er wird uns schirmen gegen Oestreichs Rache.

(Die Landleute umarmen einander.)

Sigrist

mit einem

Reichsboten

.

Sigrist.

Hier sind des Landes würd’ge Oberhäupter.

Rösselmann

und

Mehrere

.

Sigrist, was gibt’s?

Sigrist.

Ein Reichsbot bringt dies Schreiben.

Alle

(zu Walther Fürst)

.

Erbrecht und leset.

Walther Fürst

(liest)

.

„Den bescheidnen Männern

Von Uri, Schwytz und Unterwalden bietet

Die Königin Elsbeth Gnad’ und alles Guts.“

Viele Stimmen.

Was will die Königin? Ihr Reich ist aus.

Walther Fürst

(liest)

.

„In ihrem großen Schmerz und Wittwenleid,

Worein der blut’ge Hinscheid ihres Herrn

Die Königin versetzt, gedenkt sie noch

Der alten Treu’ und Lieb der Schwytzerlande.“

Melchthal.

In ihrem Glück hat sie das nie gethan.

Rösselmann.

Still! Lasset hören!

Walther Fürst

(liest)

.

„Und sie versieht sich zu dem treuen Volk,

Daß es gerechten Abscheu werde tragen

Vor den verfluchten Thätern dieser That;

Darum erwartet sie von den drei Landen,

Daß sie den Mördern nimmer Vorschub thun,

Vielmehr getreulich dazu helfen werden,

Sie auszuliefern in des Rächers Hand,

Der Lieb gedenkend und der alten Gunst,

Die sie von Rudolphs Fürstenhaus empfangen.“

(Zeichen des Unwillens unter den Landleuten.)

Viele Stimmen.

Der Lieb’ und Gunst!

Stauffacher.

Wir haben Gunst empfangen von dem Vater;

Doch wessen rühmen wir uns von dem Sohn?

Hat er den Brief der Freiheit uns bestätigt,

Wie

vor

ihm alle Kaiser doch gethan?

Hat er gerichtet nach gerechtem Spruch

Und der bedrängten Unschuld Schutz verliehn?

Hat er auch nur die Boten wollen hören,

Die wir in unsrer Angst zu ihm gesendet?

Nicht Eins von diesem Allen hat der König

An uns gethan, und, hätten wir nicht selbst

Uns Recht verschafft mit eigner muth’ger Hand,

Ihn rührte unsre Noth nicht an — Ihm Dank?

Nicht Dank hat er gesät in diesen Thälern.

Er stand auf einem hohen Platz, er konnte

Ein Vater seiner Völker seyn; doch ihm

Gefiel es, nur zu sorgen für die Seinen.

Die er gemehrt hat, mögen um ihn weinen!

Walther Fürst.

Wir wollen nicht frohlocken seines Falls,

Nicht des empfangnen Bösen

jetzt

gedenken,

Fern sey’s von uns! Doch, daß wir

rächen

sollten

Des Königs Tod, der nie uns Gutes that,

Und die verfolgen, die uns nie betrübten,

Das ziemt uns nicht und will uns nicht gebühren.

Die Liebe will ein freies Opfer seyn;

Der Tod entbindet von erzwungnen Pflichten!

1/1
Menu

Fazer anotação