Teil 20 Wilhelm Tell · Capítulo 20 de 35
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Teil 20

Wag’s, ihn aus unsrer Mitte wegzuführen!

Walther Fürst

und

Stauffacher

.

Gelassen! ruhig!

Frießhardt

(schreit)

.

Aufruhr und Empörung!

(Man hört Jagdhörner).

Weiber.

Da kommt der Landvogt!

Frießhardt

(erhebt die Stimme)

.

Meuterei! Empörung!

Stauffacher.

Schrei, bis du berstest, Schurke!

Rösselmann

und

Melchthal

.

Willst du schweigen?

Frießhardt

(ruft noch lauter)

.

Zu Hülf, zu Hülf den Dienern des Gesetzes!

Walther Fürst.

Da ist der Vogt! Weh uns, was wird das werden!

Geßler

zu Pferd, den Falken auf der Faust,

Rudolph der

Harras

,

Bertha

und

Rudenz

, ein großes Gefolge von

bewaffneten Knechten, welche einen Kreis von Piken um die ganze

Scene schließen.

Rudolph der Harras.

Platz, Platz dem Landvogt!

Geßler.

Treibt sie auseinander!

Was läuft das Volk zusammen? Wer ruft zu Hülfe?

(Allgemeine Stille.)

Wer war’s? Ich will es wissen.

(Zu Frießhardt.)

Du tritt vor!

Wer bist du, und was hältst du diesen Mann?

(Er gibt den Falken einem Diener.)

Frießhardt.

Gestrenger Herr, ich bin dein Waffenknecht

Und wohlbestellter Wächter bei dem Hut.

Diesen Mann ergriff ich über frischer That,

Wie er dem Hut den Ehrengruß versagte.

Verhaften wollt’ ich ihn, wie du befahlst,

Und mit Gewalt will ihn das Volk entreißen.

Geßler

(nach einer Pause)

.

Verachtest du

so

deinen Kaiser, Tell,

Und

mich

, der hier an seiner Statt gebietet,

Daß du die Ehr’ versagst dem Hut, den ich

Zur Prüfung des Gehorsams aufgehangen?

Dein böses Trachten hast du mir verrathen.

Tell.

Verzeiht mir, lieber Herr! Aus Unbedacht,

Nicht aus Verachtung eurer ist’s geschehn.

Wär’ ich besonnen, hieß ich nicht der Tell.

Ich bitt’ um Gnad’, es soll nicht mehr begegnen.

Geßler

(nach einigem Stillschweigen)

.

Du bist ein Meister auf der Armbrust, Tell,

Man sagt, du nehmst es auf mit jedem Schützen?

Walther.

Und das muß wahr seyn, Herr, ’nen Apfel schießt

Der Vater dir vom Baum auf hundert Schritte.

Geßler.

Ist das dein Knabe, Tell?

Tell.

Ja, lieber Herr.

Geßler.

Hast du der Kinder mehr?

Tell.

Zwei Knaben, Herr.

Geßler.

Und welcher ist’s, den du am meisten liebst?

Tell.

Herr, beide sind sie mir gleich liebe Kinder.

Geßler.

Nun, Tell! weil du den Apfel triffst vom Baume

Auf hundert Schritt, so wirst du deine Kunst

Vor mir bewähren müssen. — Nimm die Armbrust —

Du hast sie gleich zur Hand — und mach dich fertig,

Einen Apfel von des Knaben Kopf zu schießen —

Doch, will ich rathen, ziele gut, daß du

Den Apfel treffest auf den ersten Schuß;

Denn, fehlst du ihn, so ist dein Kopf verloren.

(Alle geben Zeichen des Schreckens.)

Tell.

Herr — welches Ungeheure sinnet ihr

Mir an? — Ich soll vom Haupte meines Kindes —

— Nein, nein doch, lieber Herr, das kommt euch nicht

Zu Sinn — Verhüt’s der gnäd’ge Gott — Das könnt ihr

Im Ernst von einem Vater nicht begehren!

Geßler.

Du wirst den Apfel schießen von dem Kopf

Des Knaben — ich begehr’s und will’s.

Tell.

Ich soll

Mit meiner Armbrust auf das liebe Haupt

Des eignen Kindes zielen? — Eher sterb’ ich!

Geßler.

Du schießest oder stirbst

mit

deinem Knaben.

Tell.

Ich soll der Mörder werden meines Kinds!

Herr, ihr habt keine Kinder — wisset nicht,

Was sich bewegt in eines Vaters Herzen.

Geßler.

Ei, Tell, du bist ja plötzlich so besonnen!

Man sagte mir, daß du ein Träumer seyst

Und dich entfernst von andrer Menschen Weise.

Du liebst das Seltsame — drum hab’ ich jetzt

Ein eigen Wagstück für dich ausgesucht.

Ein Andrer wohl bedächte sich — du drückst

Die Augen zu, und greifst es herzhaft an.

Bertha.

Scherzt nicht, o Herr, mit diesen armen Leuten!

Ihr seht sie bleich und zitternd stehn — So wenig

Sind sie Kurzweils gewohnt aus eurem Munde.

Geßler.

Wer sagt euch, daß ich scherze?

(Greift nach einem Baumzweige, der über ihn herhängt.)

Hier ist der Apfel.

Man mache Raum — er nehme seine Weite,

Wie’s Brauch ist — achtzig Schritte geb’ ich ihm —

Nicht weniger, noch mehr — Er rühmte sich,

Auf ihrer hundert seinen Mann zu treffen —

Jetzt, Schütze, triff, und fehle nicht das Ziel!

Rudolph der Harras.

Gott, das wird ernsthaft — Falle nieder, Knabe,

Es gilt, und fleh’ den Landvogt um dein Leben!

Walther Fürst

(beiseite zu Melchthal, der kaum seine Ungeduld bezwingt).

Haltet an euch! ich fleh’ euch drum, bleibt ruhig!

Bertha

(zum Landvogt)

.

Laßt es genug seyn, Herr! Unmenschlich ist’s,

Mit eines Vaters Angst also zu spielen.

Wenn dieser arme Mann auch Leib und Leben

Verwirkt durch seine leichte Schuld, bei Gott!

Er hätte jetzt zehnfachen Tod empfunden.

Entlaßt ihn ungekränkt in seine Hütte,

Er hat euch kennen lernen; dieser Stunde

Wird er und seine Kindeskinder denken.

Geßler.

Oeffnet die Gasse — Frisch, was zauderst du?

Dein Leben ist verwirkt, ich kann dich tödten;

Und, sieh, ich lege gnädig dein Geschick

In deine eigne kunstgeübte Hand.

Der kann nicht klagen über harten Spruch,

Den man zum Meister seines Schicksals macht.

Du rühmst dich deines sichern Blicks. Wohlan!

Hier gilt es,

Schütze

, deine Kunst zu zeigen;

Das Ziel ist würdig, und der Preis ist groß!

Das Schwarze treffen in der Scheibe,

das

Kann auch ein Andrer;

der

ist mir der Meister,

Der seiner Kunst gewiß ist überall,

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