Teil 04 Wilhelm Tell · Capítulo 4 de 35
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Teil 04

So ist’s, das ist des Geßlers Groll auf mich.

Gertrud.

Er ist dir neidisch, weil du glücklich wohnst,

Ein freier Mann auf deinem eignen Erb,

— Denn er hat keins. Vom Kaiser selbst und Reich

Trägst du dies Haus zu Lehn; du darfst es zeigen,

So gut der Reichsfürst seine Länder zeigt;

Denn über dir erkennst du keinen Herrn,

Als nur den Höchsten in der Christenheit —

Er ist ein jüngrer Sohn nur seines Hauses;

Nichts nennt er sein als seinen Rittermantel;

Drum sieht er jedes Biedermannes Glück

Mit scheelen Augen gift’ger Mißgunst an.

Dir

hat er längst den Untergang geschworen —

Noch stehst du unversehrt — Willst du erwarten,

Bis er die böse Lust an dir gebüßt?

Der kluge Mann baut vor.

Stauffacher.

Was ist zu thun?

Gertrud

(tritt näher)

.

So höre meinen Rath! Du weißt, wie hier

Zu Schwytz sich alle Redlichen beklagen

Ob dieses Landvogts Geiz und Wütherei.

So zweifle nicht, daß sie dort drüben auch

In Unterwalden und im Urner Land

Des Dranges müd’ sind und des harten Jochs —

Denn, wie der Geßler hier, so schafft es frech

Der Landenberger drüben überm See —

Es kommt kein Fischerkahn zu uns herüber,

Der nicht ein neues Unheil und Gewalt-

Beginnen von den Vögten uns verkündet.

Drum thät es gut, daß euer Etliche,

Die’s redlich meinen, still zu Rathe gingen,

Wie man des Drucks sich möcht’ entledigen:

So acht’ ich wohl, Gott würd’ euch nicht verlassen

Und der gerechten Sache gnädig seyn —

Hast du in Uri keinen Gastfreund, sprich,

Dem du dein Herz magst redlich offenbaren?

Stauffacher.

Der wackern Männer kenn’ ich viele dort

Und angesehen große Herrenleute,

Die mir geheim sind und gar wohl vertraut.

(Er steht auf.)

Frau, welchen Sturm gefährlicher Gedanken

Weckst du mir in der stillen Brust! Mein Innerstes

Kehrst du ans Licht des Tages mir entgegen,

Und, was ich mir zu denken still verbot,

Du sprichst’s mit leichter Zunge kecklich aus.

— Hast du auch wohl bedacht, was du mir räthst?

Die wilde Zwietracht und den Klang der Waffen

Rufst du in dieses friedgewohnte Thal —

Wir wagten es, ein schwaches Volk der Hirten,

In Kampf zu gehen mit dem Herrn der Welt?

Der gute Schein nur ist’s, worauf sie warten,

Um loszulassen auf dies arme Land

Die wilden Horden ihrer Kriegesmacht,

Darin zu schalten mit des Siegers Rechten,

Und unterm Schein gerechter Züchtigung

Die alten Freiheitsbriefe zu vertilgen.

Gertrud.

Ihr seyd

auch

Männer, wisset eure Axt

Zu führen, und dem Muthigen hilft Gott!

Stauffacher.

O Weib! ein furchtbar wüthend Schreckniß ist

Der Krieg; die Heerde schlägt er und den Hirten.

Gertrud.

Ertragen muß man, was der Himmel sendet;

Unbilliges erträgt kein edles Herz.

Stauffacher.

Dies Haus erfreut dich, das wir neu erbauten.

Der Krieg, der ungeheure, brennt es nieder.

Gertrud.

Wüßt’ ich mein Herz an zeitlich Gut gefesselt,

Den Brand wärf’ ich hinein mit eigner Hand.

Stauffacher.

Du glaubst an Menschlichkeit! Es schont der Krieg

Auch nicht das zarte Kindlein in der Wiege.

Gertrud.

Die Unschuld hat im Himmel einen Freund!

— Sieh vorwärts, Werner, und nicht hinter dich!

Stauffacher.

Wir Männer können tapfer fechtend sterben:

Welch Schicksal aber wird das eure seyn?

Gertrud.

Die letzte Wahl steht auch dem Schwächsten offen:

Ein Sprung von dieser Brücke macht mich frei.

Stauffacher

(stürzt in ihre Arme)

.

Wer solch ein Herz an seinen Busen drückt,

Der kann für Herd und Hof mit Freuden fechten,

Und keines Königs Heermacht fürchtet er —

Nach Uri fahr’ ich stehndes Fußes gleich.

Dort lebt ein Gastfreund mir, Herr Walther Fürst,

Der über diese Zeiten denkt, wie ich.

Auch find’ ich dort den edeln Bannerherrn

Von Attinghaus — obgleich von hohem Stamm,

Liebt er das Volk und ehrt die alten Sitten.

Mit ihnen Beiden pfleg’ ich Raths, wie man

Der Landesfeinde muthig sich erwehrt —

Leb wohl — und, weil ich fern bin, führe du

Mit klugem Sinn das Regiment des Hauses —

Dem Pilger, der zum Gotteshause wallt,

Dem frommen Mönch, der für sein Kloster sammelt,

Gib reichlich und entlaß ihn wohlgepflegt.

Stauffachers Haus verbirgt sich nicht. Zu äußerst

Am offnen Heerweg steht’s, ein wirthlich Dach

Für alle Wandrer, die des Weges fahren.

Indem sie nach dem Hintergrunde abgehen, tritt

Wilhelm Tell

mit Baumgarten vorn auf die Scene.

Tell

(zu Baumgarten)

.

Ihr habt jetzt meiner weiter nicht vonnöthen.

Zu jenem Hause gehet ein, dort wohnt

Der Stauffacher, ein Vater der Bedrängten.

— Doch sieh, da ist er selber. — Folgt mir, kommt!

(Gehen auf ihn zu; die Scene verwandelt sich.)

Dritte Scene.

Oeffentlicher Platz bei Altorf.

Auf einer Anhöhe im Hintergrunde sieht man eine Veste bauen, welche

schon so weit gediehen, daß sich die Form des Ganzen darstellt.

Die hintere Seite ist fertig, an der vordern wird eben gebaut,

das Gerüste steht noch, an welchem die Werkleute auf und nieder

steigen; auf dem höchsten Dach hängt der Schieferdecker — Alles

ist in Bewegung und Arbeit.

Frohnvogt.

Meister Steinmetz.

Gesellen

und

Handlanger

.

Frohnvogt

(mit dem Stabe, treibt die Arbeiter).

Nicht lang gefeiert, frisch! Die Mauersteine

Herbei! den Kalk, den Mörtel zugefahren,

Wenn der Herr Landvogt kommt, daß er das Werk

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