Teil 11 Wilhelm Tell · Capítulo 11 de 35
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Teil 11

Auf dem Felsen sind Steige mit Geländern, auch Leitern, von denen

man nachher die Landleute herabsteigen sieht. Im Hintergrunde zeigt

sich der See, über welchem anfangs ein Mondregenbogen zu sehen

ist. Den Prospect schließen hohe Berge, hinter welchen noch höhere

Eisgebirge ragen. Es ist völlig Nacht auf der Scene, nur der See

und die weißen Gletscher leuchten im Mondlicht.

Melchthal

,

Baumgarten

.

Winkelried

,

Meier

von Sarnen

,

Burkhart am Bühel

,

Arnold von Sewa

,

Klaus von der Flüe

und noch vier andere

Landleute

,

alle bewaffnet.

Melchthal

(noch hinter der Scene)

.

Der Bergweg öffnet sich, nur frisch

mir

nach!

Den Fels erkenn’ ich und das Kreuzlein drauf;

Wir sind am Ziel, hier ist das Rütli.

(Treten auf mit Windlichtern.)

Winkelried.

Horch!

Sewa.

Ganz leer.

Meier.

’s ist noch kein Landmann da. Wir sind

Die ersten auf dem Platz, wir Unterwaldner.

Melchthal.

Wie weit ist’s in der Nacht?

Baumgarten.

Der Feuerwächter

Vom Selisberg hat eben Zwei gerufen.

(Man hört in der Ferne läuten.)

Meier.

Still! Horch!

Am Bühel.

Das Mettenglöcklein in der Waldkapelle

Klingt hell herüber aus dem Schwytzerland.

Von der Flüe.

Die Luft ist rein und trägt den Schall so weit.

Melchthal.

Gehn Einige und zünden Reisholz an,

Daß es loh brenne, wenn die Männer kommen.

(Zwei Landleute gehen.)

Sewa.

’s ist eine schöne Mondennacht. Der See

Liegt ruhig da, als wie ein ebner Spiegel.

Am Bühel.

Sie haben eine leichte Fahrt.

Winkelried

(zeigt nach dem See)

.

Ha, seht!

Seht dorthin! Seht ihr nichts?

Meier.

Was denn? — Ja, wahrlich!

Ein Regenbogen mitten in der Nacht!

Melchthal.

Es ist das Licht des Mondes, das ihn bildet.

Von der Flüe.

Das ist ein seltsam wunderbares Zeichen!

Es leben Viele, die das nicht gesehn.

Sewa.

Er ist doppelt; seht, ein blässerer steht drüber.

Baumgarten.

Ein Nachen fährt so eben drunter weg.

Melchthal.

Das ist der Stauffacher mit seinem Kahn!

Der Biedermann läßt sich nicht lang erwarten.

(Geht mit Baumgarten nach dem Ufer.)

Meier.

Die Urner sind es, die am längsten säumen.

Am Bühel.

Sie müssen weit umgehen durchs Gebirg,

Daß sie des Landvogts Kundschaft hintergehen.

(Unterdessen haben die zwei Landleute in der Mitte

des Platzes ein Feuer angezündet.)

Melchthal

(am Ufer)

.

Wer ist da? Gebt das Wort!

Stauffacher

(von unten)

.

Freunde des Landes.

Alle gehen nach der Tiefe, den Kommenden entgegen. Aus dem Kahn

steigen

Stauffacher

,

Itel Reding

,

Hans auf der

Mauer

,

Jörg im Hofe

,

Konrad Hunn

,

Ulrich

der Schmid

,

Jost von Weiler

und noch drei andere

Landleute

, gleichfalls bewaffnet.

Alle

(rufen)

.

Willkommen!

(Indem die Uebrigen in der Tiefe verweilen und

sich begrüßen, kommt Melchthal und Stauffacher vorwärts.)

Melchthal.

O Herr Stauffacher! Ich hab’ ihn

Gesehn, der mich nicht wiedersehen konnte!

Die Hand hab’ ich gelegt auf seine Augen,

Und glühend Rachgefühl hab’ ich gesogen

Aus der erloschnen Sonne seines Blicks.

Stauffacher.

Sprecht nicht von Rache. Nicht Geschehnes rächen,

Gedrohtem Uebel wollen wir begegnen.

— Jetzt sagt, was ihr im Unterwaldner Land

Geschafft und für gemeine Sach’ geworben;

Wie die Landleute denken, wie ihr selbst

Den Stricken des Verraths entgangen seyd.

Melchthal.

Durch der Surennen furchtbares Gebirg,

Auf weit verbreitet öden Eisesfeldern,

Wo nur der heisre Lämmergeier krächzt,

Gelangt’ ich zu der Alpentrift, wo sich

Aus Uri und vom Engelberg die Hirten

Anrufend grüßen und gemeinsam weiden,

Den Durst mir stillend mit der Gletscher Milch,

Die in den Runsen schäumend niederquillt.

In den einsamen Sennhütten kehrt’ ich ein,

Mein eigner Wirth und Gast, bis daß ich kam,

Zu Wohnungen gesellig lebender Menschen.

— Erschollen war in diesen Thälern schon

Der Ruf des neuen Gräuels, der geschehn,

Und fromme Ehrfurcht schaffte mir mein Unglück

Vor jeder Pforte, wo ich wandernd klopfte.

Entrüstet fand ich diese graden Seelen

Ob dem gewaltsam neuen Regiment;

Denn, so wie ihre Alpen fort und fort

Dieselben Kräuter nähren, ihre Brunnen

Gleichförmig fließen, Wolken selbst und Winde

Den gleichen Strich unwandelbar befolgen,

So hat die alte Sitte hier vom Ahn

Zum Enkel unverändert fort bestanden.

Nicht tragen sie verwegne Neuerung

Im altgewohnten gleichen Gang des Lebens.

— Die harten Hände reichten sie mir dar,

Von den Wänden langten sie die rost’gen Schwerter,

Und aus den Augen blitzte freudiges

Gefühl des Muths, als ich die Namen nannte,

Die im Gebirg dem Landmann heilig sind,

Den eurigen und Walther Fürsts — Was euch

Recht würde dünken, schworen sie zu thun,

Euch schworen sie bis in den Tod zu folgen.

— So eilt’ ich sicher unterm heil’gen Schirm

Des Gastrechts von Gehöfte zu Gehöfte —

Und, als ich kam ins heimatliche Thal,

Wo mir die Vettern viel verbreitet wohnen —

Als ich den Vater fand, beraubt und blind,

Auf fremdem Stroh, von der Barmherzigkeit

Mildthät’ger Menschen lebend —

Stauffacher.

Herr im Himmel!

Melchthal.

Da weint’ ich nicht! Nicht in ohnmächt’gen Thränen

Goß ich die Kraft des heißen Schmerzens aus;

In tiefer Brust, wie einen theuren Schatz,

Verschloß ich ihn und dachte nur auf Thaten.

Ich kroch durch alle Krümmen des Gebirgs;

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